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Sühnekreuze

Zusammenstellung der Sühnekreuze nach Karl Nahrgang

Im Kreis Offenbach haben sich vielerorts kleine, urtümlich anmutende Steinkreuze erhalten, manchmal weitab in der Feldgemarkung oder im Wald. Um einige dieser Kreuze ranken sich schauerliche Sagen. Im Volksglauben scheint man einigen dieser Kreuze auch magische Wirkung zugeschrieben zu haben, denn sie weisen Schab- und Wetzspuren sowie näpfchenartige Vertiefungen auf.

Die kleinen inschriftlosen Steinkreuze stammen in der Regel aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Mord und Totschlag hatten im Mittelalter oft längere Blutfehden zur Folge. Um diese zu beenden, wurde ein Sühnevertrag geschlossen. Das Setzen eines Kreuzes an der Stelle, an der die Bluttat verübt wurde, konnte Teil dieses Vertrages sein. Häufig wurde die Mordwaffe auf dem Kreuz dargestellt oder etwas berufstypisches des Getöteten, so unter anderem ein Zimmermannsbeil auf dem Sühnekreuz von Rödermark-Urberach, Häfnerplatz. Erst mit der Einführung der Halsgerichtsordnung Constitutio Criminalis Carolina, dem ersten deutschen Strafgesetzbuch, unter Kaiser Karl V. 1532 wurden private Abmachungen abgeschafft und ordentliche Gerichtsverfahren angeordnet.

Die Sühnekreuze stehen als „seltene Rechtsdenkmale von geschichtlicher Bedeutung" unter Denkmalschutz, das heißt die Zerstörung und Entfernung ist gesetzlich verboten. In den vergangenen Jahrhunderten, bis in jüngste Zeit, sind 26 Kreuze im Kreisgebiet verschwunden, 16 stehen noch vor Ort. Drei Sühnekreuze sind inzwischen im Dreieich-Museum, zwei als Nachbildungen in Rodgau-Dudenhofen und eines im Hessenpark in Neu-Anspach. Einige der Kreuze wurden schon im Mittelalter versetzt oder in Gebäude eingemauert, wie die drei Kreuze im Turm der Dreieich-Offenthaler evangelischen Kirche. In Sprendlingen standen neun Kreuze beisammen, vermutlich wurden sie aus verschiedenen Stellen der Gemarkung zusammengesammelt, heute sind sie alle verschwunden.

In diesen sieben Städten und Gemeinden stehen Sühnekreuze:
Dietzenbach
Dreieich
Egelsbach
Heusenstamm
Langen
Rodgau
Rödermark

Zahlreiche Publikationen haben sich mit den Sühnekreuzen beschäftigt, die ersten systematischen Zusammenfassungen stammen aus den 1930er Jahren; die umfassendste ist die 1977 von Heinrich Riebeling verfasste Zusammenstellung.

Literaturauswahl

  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach. Herausgeber: Landesamt für Denkmalpflege Hessen und Dagmar Söder (Braunschweig/Wiesbaden 1987).
  • Dittler, Ingeborg, Verschollenes mittelalterliches Sühnekreuz jetzt im Dreieich-Museum. Landschaft Dreieich 2007, 69-72.
  • Meyer, Erwin, Rechts- und Kultusaltertümer des Kreises Offenbach. Alt-Offenbach 12, 1936, H. 1/2 und 3, 22 ff.
  • Meyer, Erwin, Über Steinkreuze und Bildsteine. Volk und Scholle 3 (1925); desgl. Offenbacher Zeitung 21.2.1925 u. Fränkische Heimat ?.7.1927, 175 ff.
  • Mößinger, Friedrich ,Steinkreuze zwischen Rhein, Main und Neckar. Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde NF XIX (1935) 49-98.
  • Nahrgang, Karl, Die inschriftlosen Steinkreuze in der Landschaft Dreieich und den angrenzenden Randgebieten. Schriften des Dreieich-Museums 1 (1932).
  • Nahrgang, Karl, Neues über inschriftlose Steinkreuze in der Dreieich. In: Ländlein Dreieich 5, 1935, 48.
  • Nahrgang, Karl, Stadt und Landkreis Offenbach a.M. Altlas für Siedlungskunde, Verkehr, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur (Frankfurt a.M. 1954-1963) V 2/50.
  • Nieß, Rolf, Mittelalterliche Sühnekreuze in der Dreieich. Landschaft Dreieich 2002, 79-85.
  • Reeck, Zeugen germanischen Rechts (Zeitungsblatt von 1937, Quelle unbekannt).
  • Riebeling, Heinrich, Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen (Dossenheim/Heidelberg 1977).
  • Weber, Gesine, Historisches Sühnekreuz nach 71 Jahren wieder entdeckt. Landschaft Dreieich 2007, 66-68.

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