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Industriekultur im Kreis Offenbach

Vom Leder und der Luftschifffahrt

Landrat Oliver Quilling spricht zur Industriekultur

Landrat Oliver Quilling erinnert in einem Vortrag an Ziegelwerke, Diamantschleifereien und an traumhafte Fahrten mit Zeppelinen

Der Kreis Offenbach ist zwar nicht das Ruhrgebiet, wo viele Industriedenkmale an die Zeiten erinnern, als Maschinen in großen Hallen ordentlich Dampf machten und viele Arbeiter im Akkord unter Druck setzten. Aber auch in den 13 Kommunen des Kreises gibt es hier und da gut erhaltene Orte der Industriekultur. In einem Vortrag lädt Landrat Oliver Quilling zu einer Entdeckungsreise zu den Plätzen ein, wo früher schwer geschuftet werden musste und wo aber auch eine Vielzahl von technischen Innovationen und vor allem neue Jobs entstanden sind. Alles zusammen sorgte damals für ein sicheres Einkommen, Wohlstand und brachte den Bürgern Reichtum.

Wer an Industriekultur denkt, hat fast jeden Sonntagabend auf dem heimischen Bildschirm ein besonderes Beispiel vor Augen, in dem sich alte bauliche Strukturen und eine neue Nutzung mit modernster Technik begegnen: Das restaurierte Gasometer in Berlin, wo Günter Jauch mit seinen Gästen diskutiert. Im Kreis Offenbach waren Handel und Gewebe immer stärker ausgeprägt als die reine Produktion von Waren. Doch noch heute existieren einige alte Fabrikhallen, Werkstätten und andere Standorte, die stumme Zeugen einer Zeit sind, in der Mensch und Maschine intensiv zusammenarbeiteten. Beide Partner liefen in ihren Arbeitsprozessen auf Hochtouren. Davon gibt es im Kreis Offenbach einige Beispiele. Zur Industriekultur im Kreis Offenbach gehört außerdem die Luftschifffahrt. Bei den Starts und Landungen der Zeppeline waren die Menschen vor rund 75 Jahren von den „dicken Zigarren am Himmel“ begeistert.

In Mühlheim wird ein großes Rad gedreht

Brückenmühle - heutige Museumsmühle in Mühlheim

Der Kreis Offenbach ist historisch betrachtet nicht unbedingt eine Industrieregion, dennoch finden sich hier und da Reste der Errungenschaften der Technik des 19. und 20. Jahrhunderts, die die Sinne der Besucher ansprechen. Hier riecht es nach Maschinenöl, dort summt bei Vorführungen noch eine Schleifmaschine und Wasser plätschert in die Schaufeln eines Mühlrades wie etwa in Mühlheim. Dort liegt eine der attraktiven Stationen auf der Route der Industriekultur. Das Mühlrad an der Rodau misst einen Durchmesser von 5,60 Meter. Alles ist im Fluss.

Die Brückenmühle in Mühlheim wurde 1576 erstmals erwähnt. Die sogenannten Walzenstühle und die Steinmahlgänge sind komplett erhalten.

Hier fließt Gerstensaft, dort geht es um die Wurst

Glaabsbräu Seligenstadt

Die Besucher können auf den Geschmack kommen, wenn sie sich im Kreis Offenbach auf einen Rundgang zu den Orten der Industriekultur begeben. In Hainburg beispielsweise werden die beliebten, schaumig-süßen Köhler Küsse produziert. In Sprendlingen und Neu-Isenburg geht es um die Wurst. Auch wenn die Bürger der Main-Metropole es nicht gern hören, die Frankfurter Würstchen wurden von einer Handvoll Metzger in Sprendlingen und Neu-Isenburg hergestellt. Den Frankfurter Betrieben fehlte damals die Zulassung für die Metzgerszunft.

Apropos schmecken. Zur Industriekultur im Kreis Offenbach gehört selbstverständlich auch die Seligenstädter Brauerei Glaabsbräu, die vor rund 250 Jahren gegründet wurde und heute in der neunten Generation als ältestes Unternehmen im Kreis fortgeführt wird. Bei Glaabsbräu hat die Tradition eine große Zukunft. Zum 50. Geburtstag von Geschäftsführer Richard Glaab hat das Unternehmen den Grundstein gelegt für den Bau einer rund drei Millionen Euro teuren neuen Brauerei, in der künftig Spezialbiere für einen schäumenden Absatz sorgen sollen.
Glaabsbräu Seligenstadt
Original Frankfurter Würstchen

Die Lederwarenbranche hat einen guten Stich gemacht

Lederwarenproduktion Picard im Jahr 1963: Hand in Hand Fertigung

Wer sich zu einer Tour durch den Kreis Offenbach aufmacht und hinter die alten Backsteinfassaden blickt, öffnet das Fenster zur Vergangenheit und kann identitätsstiftende Orte entdecken. Die alten Fabriken bewahren ein schlummerndes Potenzial der Industriegeschichte, das sich im Zusammenspiel von gesellschaftlichem Wandel und technischer Innovation rasant entwickelt hat. Vieles ist in den Geschichtsbüchern der Kinder und Jugendlichen so nicht zu finden, deshalb fungieren die alten Produktionsstätten und Museen oft auch als außerschulische Lernorte, an denen die Geschichte der Arbeiterbewegung und Industrialisierung aufgearbeitet wird.

Die wechselvolle Industriegeschichte im Kreis Offenbach kann dank der Mitarbeiter der örtlichen Geschichts- und Heimatvereine in vielen Museen erlebbar werden. Im Kreis existieren mittlerweile rund 20 Einrichtungen dieser Art, in denen die Geschichte und ebenso Geschichten der jeweiligen Städte und Gemeinden lebendig werden. Ehrenamtliche Kräfte haben den Alltag im produzierenden Gewerbe von einst aufgearbeitet, und sie berichten ebenso über die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die das Zusammenbrechen einiger Branchen für die Menschen hatte. Das Öffnen der Holz- oder Eisentür zu einer ehemaligen Produktionsstätte beispielsweise der Lederwarenbranche in Obertshausen (Bild), zum Klinker- und Ziegelwerk in Hainburg oder zu den Wassertürmen in Mühlheim, Jügesheim und Seligenstadt ist so, als würde man den Deckel einer Schatztruhe anheben.
Babbscher-Werkstatt in Mühlheim

Diamant-Schleiferei – kreatives Handwerk und edle Kunst

Diamantschleiferei Fernsehaufnahmen am historschen Arbeitsplatz

Hinter den Fassaden der alten Gebäude steckt eine große handwerkliche und künstlerische Vielfalt, die auf ein breites Spektrum an alten Geschäftsideen hindeutet. Schon damals hatte sich die Schufterei gelohnt. Sie brachte vielen Bürgern sowie den Dörfern und Kleinstädten Wohlstand. In der Schatztruhe der Industriekulturen liegen wahre Schmuckstücke und manchmal sogar Edelsteine.

So wie in Klein-Krotzenburg. In dem heutigen Ortsteil der Gemeinde Hainburg gab es früher eine Diamant-Schleiferei. Der örtliche Heimat- und Geschichtsverein, einer der jüngsten im Kreis Offenbach, hat einige Gerätschaften aus der alten Produktionsstätte gerettet. In den Vereinsräumen wird das alte Handwerk neu präsentiert. Ein Diamantschleif-Arbeitsplatz ist komplett rekonstruiert worden.

Die Edelsteinschleiferei erlebte in Hainburg zwischen den beiden Weltkriegen eine Glanzzeit. Damals arbeiteten rund 250 Beschäftigte in zwei Dutzend Betrieben. Deren beste Kunden kamen überwiegend aus den Niederlanden und Belgien. In den Werkstätten ging es an den rotierenden Schleifscheiben rund. Ein Fachmann brauchte ungefähr einen Tag um einen knapp acht Millimeter dicken Stein handwerklich-künstlerisch zu veredeln.
Heimat- und Geschichtsverein Hainburg

Die Trauringmanufaktur ist ein Schmuckkästchen

Trauringmanufaktur Kaiser

Die Geschäftsführer einiger Diamant-Schleifereien entwickelten schon früh Ideen, um die Produktionskosten zu senken und wirtschaftlich erfolgreicher zu werden oft auf Kosten der Beschäftigten. Die Arbeitnehmer an den Diamant-Schleifmaschinen waren vom Lohn abhängig und konnten nicht widersprechen, als so mancher Chef anordnete, der Arbeitsplatz in der Firma werde fortan an sie vermietet. Die Scheinselbständigkeit war geboren.

Heute existiert in Hainburg mit der Trauringmanufaktur Johann Kaiser noch einer der bundesweit wenigen Betriebe, der Schmuck selbst herstellt. Für die Tage der Industriekultur FrankfurtRheinMain wurde die Geschichte dieser Firma aufgearbeitet. Gezeigt wurden Schmuckguss- und Metallschmelzverfahren sowie eine hochtechnisierte Drehanlage, auf der heutzutage Trauringe hergestellt werden. Wie die Oberflächenbearbeitung einst aussah, zeigt ein Bild aus dem Jahr 1952 mit einem Ziseleur (Bild). Aus dem gleichen Jahr stammt das Foto, das den Firmeninhaber Johann Kaiser bei der Prüfung des Feingoldgehaltes einer Legierung zeigt.
Trauringmanufaktur

Neue Punkte auf der Route der Industriekultur

Wasserturm Jügesheim

Viele Orte der Industriekultur sind seit Anfang der 2000er Jahre in der Metropolregion FrankfurtRheinMain wiederbelebt und in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Punkte liegen wie die Perlen an einer Schnur auf der Route der Industriekultur, für die die Kulturregion FrankfurtRheinMain den Weg geebnet hat. Ein Teil davon, der sogenannte Abschnitt Hessischer Oberer Main tangiert auch den Kreis Offenbach. Die Kommunen Hainburg, Mainhausen, Mühlheim und Seligenstadt sind bereits in das Netzwerk eingebunden und laden die Besucher dazu ein, mehr über den Basaltabbau in Dietesheim, den Kiesabbau in Mainhausen zu erfahren, sich die Schleuse bei Mühlheim oder den rund 100 Jahre alten und 45 Meter hohen Wasserturm dort anzusehen.

Ein anderer imposanter Wasserturm steht im Rodgauer Stadtteil Jügesheim. Mühlheim erinnert auch an die Blütezeit der Lederindustrie. In der ehemaligen Pelzgerberei am Röstersee sind viele Maschinen und Bottiche zur Pelzherstellung noch intakt.
Route der Industriekultur

Tonnenweise Steine aus der Erde geholt

Dietesheimer Steinbrüche

An vielen Stellen im Kreisgebiet ist von der Industriekultur geschweige denn von den eigentlichen Produktionsabläufen vor Jahrhunderten nichts mehr zu erkennen. Über Vieles ist im Wortsinn Gras gewachsen und Natur pur entstanden. So zum Beispiel in den Dietesheimer Steinbrüchen. Dort wurden bis 1982 rund 15 Millionen Tonnen Gestein gefördert.

Nach der Flutung des rund 23 Hektar großen Areals sind elf kleine Seen und ein Naherholungsgebiet im Regionalpark entstanden. Ein Spaziergang dort lohnt sich.
Dietesheimer Steinbrüche

Ton kam mit Loren ins Ziegelwerk

Ziegelei Blumör Hainstadt 1948

Nur ein paar Kilometer entfernt von den Steinbrüchen in Mühlheim präsentiert sich in Hainburg eine zweifarbige Backsteinfassade im Stil der Neurenaissance mit großen geschwungenen Fensterbögen als gut erhaltenes Gebäude der Industriekultur. Dort geht es auch heute noch heiß her, denn das familiengeführte Ziegelwerk Franz Wenzel brennt nach wie vor Ziegeln. Vor rund 80 Jahren wurde dort erstmals der Ton über eine 1,6 Kilometer lange Eisenbahnstrecke mit Loren ins Werk gekarrt. Die Rückearbeit an den Lorengleisen der ehemaligen Ziegelei Blumör war früher anstrengend. Unterstützung gab es dabei nach dem Zweiten Weltkrieg auch von einem Kettenbagger.

Heute ist auch hier an vielen Stellen über die Vergangenheit Gras gewachsen. Ein Verein pflegt die Reste der Ziegelei-Feldbahn der einstigen Firma Blumör und macht auf der Strecke ab und an wieder Dampf. Die Freunde dieser historischen Bahn haben somit die Weichen für die Route der Industriekultur neu gestellt. Wer die Gelegenheit hat, in der Lokomotive mitzufahren, kann sich über eine kurze Tour durchs Grüne freuen.
Feldbahn der Ziegelei Blumör

Startup-Unternehmen wurde in der Garage gegründet

Einer der bekanntesten Hainburger Firmeninhaber ist Heinrich Josef Winter. Der Pionier hat sein Unternehmen   wie das auch bei einigen Startups in der IT-Branche der Fall war   in einer Garage in der Rathausgasse gegründet, allerdings schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Produktionsbedingungen sollen abenteuerlich gewesen ein, doch Winter ließ sich von den Kritikern nicht aufs Glatteis führen, sondern entwickelte seine Ideen weiter. Seine in der Metallbranche erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten setzte er in der thermoplastischen Kunststoffverarbeitung um und etablierte das neue Material Kunststoff in vielen technischen Anwendungsbereichen. Winter hält viele Patente, seine Produkte eroberten die ganze Welt.

Ein sogenannter Global Player ist auch das Unternehmen Jost aus Neu-Isenburg. Die Firma hat in der ganzen Welt Standorte. Ähnlich wie bei Josef Winter startete der Betrieb 1952 als kleine Fabrik, in diesem Fall für Kugellenkkränze. Die Firmengründer Jochen Steingaß und Hans Breuer haben es geschafft, mit Produktionsstätten und Niederlassungen in knapp 20 Ländern der Erde weltweit starke Verbindungen herzustellen. Das gilt besonders für Truck und Trailer, also für Zugmaschinen und Auflieger, denn Jost ist der Weltmarktführer von Lastwagen-Kupplungen, sprich fahrzeugverbindende Systeme.
Geschichte von Kunststoff Winter

Die Geschichte des Fotowerks Adox - kurz belichtet

Unvergessen ist Neu-Isenburg ebenso als Produktionsstandort für Film und Fotoapparate. Angefangen hat es Ende der 1920er Jahre mit den ADOX-Werken, die von Frankfurt nach Neu-Isenburg umsiedelten. Der Name ADOX war von der Gründerfamilie Schleussner als Kunstname kreiert worden, damit in der Produktenliste ADOX-Erzeugnisse alphabetisch vor AGFA, dem deutschen Hauptkonkurrenten, standen. Der Vorläufer der ADOX Fotowerke, die Firma Dr.-Carl-Schleussner Fotochemie, kann als die erste fotochemische Fabrik der Welt bezeichnet werden.

1962 wurde ADOX von Dupont gekauft, die bis heute Spezialprodukte für die Druckindustrie herstellen. Dem einen oder anderen Hobbyfotografen ist sicherlich die Firma Ilford ein Begriff, die ebenfalls ihren Deutschlandsitz in Neu-Isenburg hatte und deren Schwarz-Weiß-Filme und Fotopapier qualitativ einen exzellenten Ruf genossen. Ilford wurde ein Opfer der digitalen Fotografie. 2013 kam es in der Schweiz zum endgültigen Aus von Ilford. Nach dem Verkauf der Firma ADOX konzentrierte sich die Inhaberfamilie Schleussner auf ihr zweites Unternehmen: die Firma Biotest in Dreieich. Biotest, 1946 gegründet, ist heute ein weltweit tätiger Anbieter von Plasmaprotein-Produkten und biotherapeutischen Arzneimitteln.
Sabine Hock zu Adox
Martin Karwoth zu Adox

Holzmann – hier die Ziegelei, dort das Bauunternehmen

Gehespitzweiher bei Neu-Isenburg

© Leo Postl

In Hainburg errichtete die Firma Philipp Holzmann 1887 in der Offenbacher Straße ein Ziegelwerk. Dieser Standort war wichtig, da es im Ortsteil Hainstadt ein großes Lehmvorkommen gab. Damit spannt sich der Bogen quer durch den Kreis Offenbach von Ost nach West, denn Philipp Holzmann hatte seinen Firmensitz bis zur Insolvenz des Unternehmens 2002 in Neu-Isenburg, auf dem Areal zwischen Bahnhof und Bundesstraße 44, wo sich ein neues Logistikzentrum angesiedelt hat. Einen Steinwurf davon entfernt weiter südlich hatte Holzmann früher im Wald Kies gebaggert.

So ist der heutige Gehspitzweiher entstanden. Dort durfte bis vor rund 40 Jahren noch gebadet werden und es gab sogar einen Kiosk. Heute ist das Areal ein Naturschutzgebiet mit vielen seltenen Pflanzen- und Vogelarten.
Universal-Lexikon zu Holzmann AG
Frankfurter Hauptfriedhof

Die Textilindustrie zieht sich wie ein roter Faden durch den Kreis

Karl-Mayer-Haus Obertshausen

Das Thema Textilindustrie zieht sich wie ein roter Faden entlang der Stationen der Industriekultur. Mit Obertshausen war die Produktion besonders stark verwoben. Dort hat eine Traditionsfirma eine erfolgreiche Geschichte. Das Unternehmen gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von Kettenwirkmaschinen. Mayer startete 1937 in Obertshausen und hat heute Niederlassungen in den USA, in Brasilien und selbst im chinesischen Changzou. Im Jahr 2010 wurde von Mayer die 100.000 Maschine ausgeliefert. Der örtliche Heimat- und Geschichtsverein eröffnete 1992 im ehemaligen Wohnhaus des Fabrikanten das Karl-Mayer-Museum. Schwerpunkt der Präsentationen dort ist die Spitzentechnik.

Die Deutsche Spitzengilde hat dort bereits verschiedene Kreationen der Weißstickerei präsentiert und den „Weg zur europäischen Nadelspitze“ erläutert. Breiten Raum im Museum Karl-Mayer-Haus nimmt vor allem ein Thema ein, das einige Städte im Kreis über die Region hinaus bekannt gemacht hat: Leder. Der Name Offenbach, in diesem Fall ist der Kreis damit eng verstrickt, steht für eine erfolgreiche Lederwarenindustrie.
Karl Mayer Obertshausen

Von der Landwirtschaft zum Leder

Lederwarenherstellung Schuhe

In der Stadt Offenbach und in der Umgebung entstanden immer mehr Betriebe, die ihr Pensum ohne die Unterstützung der Bewohner der Nachbarkommunen nicht mehr schafften und deshalb ständig Fachkräfte suchten. Viele Einwohner aus den Dörfern und in den Kleinstädten konnten von den geringen Erträgen in der Landwirtschaft ihr tägliches Brot nicht mehr erwirtschaften und wanderten in die städtischen Fabriken ab. Manche mussten dafür weite Fußmärsche von rund zehn Kilometer auf sich nehmen, um in die Werkhallen nach Offenbach oder Hanau zu kommen.

Leichter wurde der Weg zu den Fabriken in der Umgebung erst durch den Bau der Eisenbahn-Nebenstrecke Offenbach-Dieburg-Reinheim. Diese Verbindung gab vielen Bürgern die Möglichkeit, ihr Geld in der Lederwarenindustrie und anderen Branchen zu verdienen. Vor allem im Osten des Kreises entstanden viele Lederverarbeitungsfirmen, in denen Taschen und Schuhe genäht wurden. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter, im Volksmund „Babbscher“ genannt, blieben aber auch zu Hause und hatten trotzdem ihr gesichertes Einkommen. In Obertshausen und in den Nachbarorten wanderte die Arbeit in die privaten Wohnungen vieler Bürger – die Heimarbeit entstand. Oftmals musste die ganze Familie mitanpacken und die Produktion zu Hause vorantreiben. Durch den Anstieg der Heimarbeit entwickelten sich viele kleine private Betriebe. 1965 gab es in Hausen und Obertshausen sage und schreibe 130 selbständige Unternehmen.

Am Beispiel der Lederwarenindustrie in Obertshausen zeigt sich wie rasant die Entwicklung der Industrie war. Ähnlich erfolgreich verlief der Weg der Betriebe in der Metall- und Papierverarbeitung: Bis in die 1960er Jahre galten Hausen und Obertshausen, was das Steueraufkommen pro Kopf angeht, als eine der reichsten Gemeinden Deutschlands. Noch heute sind die meisten Lederwarenhersteller im Kreis Offenbach in Obertshausen angesiedelt. Weitere Standorte sind: Rodgau, Mühlheim, Hainburg und Mainhausen.
Picard Lederwaren Obertshausen

Viele Schätze auf der Route der Industriekultur

„In der Region ruht ein großer Schatz, der im Dornröschenschlaf liegt.“ Dieses Zitat stammt von einem der Initiatoren der Route der Industriekultur. Dr. Peter Schirmbeck, der Frankfurter Kunsthistoriker und ehemalige Leiter des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim hat die Route mit ihren markanten Punkten im Jahr 2000 auf den Weg gebracht. Schirmbeck weckte viele alte Fabrikgebäude und andere Zeugen der Industriekultur mit ihrem schlummernden Potenzial aus dem Schlaf. Ein Ziel der Route ist es, die Stationen in den Städten und Gemeinden für Besucher interessant zu machen und das Regionalbewusstsein der Bewohner des Rhein-Main Ballungsraumes zu stärken.

Die Kulturregion FrankfurtRheinMain, die die Route der Industriekultur auf den Weg gebracht hat und sie koordiniert, sieht die Wegstrecke als einen permanenten Prozess der Veränderung. Es gibt Ausbaupläne. Immer mehr neue Punkte kommen hinzu, die es zu entdecken gilt. Auch der Kreis Offenbach arbeitet an weiteren lokalen Routenführern. Nach der bereits existierenden Teilstrecke „Hessischer Oberer Main“ mit den Kommunen Hainburg, Mainhausen, Mühlheim und Seligenstadt sollen weitere Ausgaben eines Routenführers für Dietzenbach, Heusenstamm, Obertshausen, Rodgau und Rödermark folgen. Mehr zur Geschichte der Industrie zu entdecken, das gibt es unter anderem im Doku-Zentrum der ehemaligen Telefonbau und Normalzeit in Rödermark, kurz T&N genannt.

Auf der Route der Industriekultur wird es vom Sommer 2015 an auch einen Abschnitt geben, der Egelsbach, Langen, Dreieich und Neu-Isenburg in den Fokus rückt. Auch in diesen Städten lohnt sich eine Entdeckungsreise. Interessante Stationen sind beispielsweise die historische Bahnhofsüberdachung in Buchschlag, die Kreuzmühle in Dreieich, das Geburtshaus des Firmengründers Philipp Holzmann oder etwa der Flugplatz Egelsbach. Der kleine Airport war der erste reine Motorflugplatz der Allgemeinen Luftfahrt in Deutschland und wurde wegen der staubigen Start- und Landebahn früher auch „Texaspiste“ genannt.
KulturRegion FrankfurtRheinMain
Peter Schirmbeck zur Route der Industriekultur

Industriekultur aus heiterem Himmel

Lederwarenherstellung

Die Industriekultur schwebte in Zeppelinheim mit der Luftschifffahrt ein. So wie Neu-Isenburg nach ihren Gründern von 1699 als Hugenottenstadt bezeichnet wird, hieß das kleine Zeppelinheim im Westen anfangs „Schwabendorf in Hessen“. Dieser Name hängt eng mit den ersten Bewohnern der Siedlung zusammen. Sie kamen 1936 aus Schwaben vom Bodensee, genauer gesagt aus Friedrichshafen. Damals wurden Wohnungen für die Besatzungsmitglieder der Deutschen Zeppelin-Reederei gebraucht. Der Ursprung des heutigen Neu-Isenburger Stadtteils war somit eine Werkssiedlung der Deutschen Zeppelin-Rederei.

Diese entstand auf einem Areal, das auf Frankfurter Gemarkung sozusagen aus dem Wald Forst Mitteldick herausgeschnitten wurde mit Äxten und Sägen. Der Architekt, Professor Hans Soeder, wurde beauftragt, die Siedlung Zeppelinheim zu planen. Er entwarf fünf verschiedene Haustypen mit einer Fläche zwischen 50 und knapp 100 Quadratmeter. Schließlich setzte die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Frankfurt die Zeichnungen um und errichtete Einzel-, Doppelhäuser sowie ein Mehrfamilienhaus. Am 2. April 1937 wurde in Zeppelinheim Richtfest gefeiert.
Zeppelinheim
Der Isenburger: Zeppelin-Museum
Zeppelin-Museum

Perfekte Landung in Zeppelinheim

Bau der Halle für Zeppeline

Warum landete die Fliegerei damals überhaupt in der Nähe von Zeppelinheim? Der Grundstein für das Schwabendorf wurde eigentlich schon viel früher gelegt. Das einstige mitten im Dreieck von Kelsterbach, Walldorf und Frankfurt gelegene Waldstück galt seit Anfang der 1930er Jahre als idealer Standort für den Flugverkehr und war wegen der zentralen Lage in Deutschland ebenso für die Luftschifffahrt attraktiv. Die Kapazitäten des sogenannten Flughofes Rebstock in Frankfurt reichten wegen der ansteigenden Luftverkehrszahlen nicht mehr aus. Eine Ersatzfläche musste dringend her.

Das ausgesuchte Areal im heutigen Zeppelinheim eignete sich sowohl aus geografischer als auch aus meteorologischer Sicht mit einer weitgehend „nebelfreien Lage“ wie es damals hieß, hervorragend als Airport. Das war somit die Startfreigabe für den heutigen Welt-Flughafen Rhein-Main. Mehr noch: Die Entscheidung, den neuen Flughafen und das sogenannte Frankfurter Kreuz nahezu zeitgleich zu realisieren und so für eine optimale Verkehrsanbindung zu sorgen, kann als Grundstein angesehen werden, auf dem heute die starke Wirtschaftskraft des Kreises Offenbach und der gesamten Region aufbaut. Ein meteorologisches Gutachten aus dem Jahr 1935 kam zu dem Schluss, dass die schnellen Fahrzeuge, die auf den Autobahnen fahren werden, zur zügigen Verwirbelung etwaigen Bodennebels am Flughafen beitragen werden.
Chronik des Flughafens
Hessischer Rundfunk: 75 Jahre Flughafen

Jobmotor kontra Lärmschutz

Der Airport und die hervorragende Verkehrsanbindung sind nach wie vor wichtige Impulse für die Prosperität der 13 Kommunen des Kreises Offenbach. Die gute Infrastruktur sorgt für eine große Mobilität. Aus heutiger Sicht zeigt sich, dass die Entscheidung von Georg-August Zinn, Hessens Ministerpräsident von 1950 bis 1969, pro Ausbau des Flughafens, richtig war. Der Jobmotor Airport brummt, das Internationale Drehkreuz wächst und bringt Arbeit – auch der Kreis Offenbach profitiert davon. Gleichzeitig arbeitet der Kreis daran, den Fluglärm weiter einzugrenzen. Dass für den Bau des Flughafens für Zeppeline, Propellermaschinen und spätere Düsenjets viel Hektar Wald geopfert werden mussten, interessierte damals kaum jemanden, jedenfalls ist nicht überliefert, dass es Demos und „Sonntagsspaziergänge“ gab oder von Gegnern des geplanten Flughafens gar ein Hüttendorf errichtet wurde.
Zahlen, Daten, Fakten zum Flughafen Frankfurt

Die „Zigarren der Lüfte“ kommen

LZ 127 gewinnt an Höhe

Im November 1934 besiegelten die Luftschifffahrt Zeppelin Gesellschaft und die Südwestdeutsche Flugbetriebs AG Rhein-Main einen Vertrag über die Erweiterung des neuen Flughafens. Das war die Startfreigabe für die Zeppeline. Offiziell eröffnet wurde der Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main am 8. Juli 1936. Kein Jahr später werden die Leinen der Zeppeline für die ersten Passagierfahrten nach Nord- und Südamerika gelöst. Der Transatlantikverkehr in Zeppelinheim geht los. Die Besatzungsmitglieder sind in der Luft unterwegs und in der neuen Siedlung Zeppelinheim zu Hause. In dem von Wald umgebenen Ort erinnern heute Straßennamen wie Lehmann, Flemming, Strasser, von Schiller oder der Dr. Eckener-Platz an die einstigen Kapitäne und Ingenieure der „silbernen Zigarren“.

Die Menschen waren seinerzeit voller Begeisterung für die Luftschifffahrt. Wo ein Zeppelin am Himmel auftauchte, verfolgten viele Bürger   den Kopf in den Nacken gelegt   staunend die Fahrt der riesigen Flugzeuge. Enthusiastisch war auch der Empfang in den USA nach der ersten Überfahrt eines Zeppelins nach Nordamerika. Präsident Roosevelt empfing Dr. Eckener und Kapitän Lehmann im Weißen Haus und kündigte seine volle Unterstützung für die neue Luftschifffahrtverbindung zwischen Amerika und Deutschland an.
75 Jahre Flughafen Frankfurt
Luftschiffe

Zeppeline bringen im Krieg keinen Nutzen

Bei der Erstlandung des nach dem einstigen Reichspräsident Hindenburg benannten Luftschiffes auf „Rhein-Main“ jubelten im Dritten Reich rund 2500 Menschen am Boden dem Zeppelin zu. Hitler unterstütze die Idee von Dr. Hugo Eckener, Vorsitzender der Deutschen Zeppelin Reederei, der an eine bessere Völkerverständigung durch die Luftschifffahrt glaubte, nicht, denn die großen Schiffe am Himmel eigneten sich keinesfalls für den Kriegseinsatz. Hitler schenkte den Zeppelinen und seinen Konstrukteuren offensichtlich kein Vertrauen. Kein Zeppelin durfte seinen Namen tragen. Wie hätte es auch ausgesehen, wenn „Hitler“ abgestürzt wäre?

Auf dem Areal des Luftschifffahrthafens in Zeppelinheim entstanden zwei riesige freistehende Hallen und viele andere Gebäude. Die erste „Zeppelin-Garage“ hatte die Ausmaße von 275 mal 61 Meter und war 55 Meter hoch, die zweite im Sommer 1937 fertiggestellte Halle war mit 305 Meter Länge noch größer. Die Eisenkonstruktion hatte ein Gewicht von 3200 Tonnen. Was machte damals die Faszination Zeppelin aus? Sicherlich war es die gigantische Größe dieser Fluggeräte, die alles in den Schatten stellte und an sonnigen Tagen auf dem Boden auch riesige Schatten warfen.
75 Jahre Flughafen Frankfurt
Start und Landung eiens Luftschiffs

Die Luftschiffe wecken Begeisterung und Sehnsüchte

Die seinerzeit utopische Vorstellung, mit einem Zeppelin im luxuriösen Ambiente eines fünf-Sterne-Hotels mit einem 16 Meter langen Speisesaal, zwei Panorama-Decks und einem mitreisenden Pianisten, der an einem Aluminiumflügel spielte, nach Amerika fahren zu können, weckte bei vielen Menschen Sehnsüchte und löste Begeisterung aus. Es gab neben diesem Aluminium-Klavier weiteres Kurioses und einige Superlative: Ein Opel war 1936 der Überflieger. Der Wagen flog in einem Zeppelin bis nach Rio de Janeiro. Außerdem brachten die Amerikaner eine Briefmarke mit einem Zeppelin heraus. 1929 umrundete das Luftschiff „Graf Zeppelin“ zum ersten Mal und als einziger Zeppelin die Erde. Dabei legte der LZ 127, der in der Blütezeit der Luftschifffahrt auf Rekordkurs fuhr, innerhalb von 35 Tagen in sechs Etappen knapp 50.000 Kilometer zurück. Damals konnten sich nur wenige reiche Leute die teuren Fahrten über den Atlantischen Ozean leisten. Ein Fahrschein kostete (Hin- und Rückfahrt Deutschland – Amerika) 720 bis 810 US-Dollar, was einem heutigen Wert von etwa 12.000 bis 14.000 US-Dollar entspricht.
Luftschiff Zeppelin

Anfangs viele Bruchlandungen

Die Ära der Luftschifffahrt startete am 2. Juli 1900 am Bodensee. 12.000 Menschen sahen wie das Fluggerät von Graf von Zeppelin abhob, aber nur 18 Minuten in der Luft blieb. Der Bruch einer Winde des LZ 1 war die Ursache für eine Notlandung im Wasser. Pleiten, Pech und Pannen waren typisch für die Pioniere. So war es leider auch 1910 nach der Parade der Luftschiffe in Bad Homburg mit Kaiser Wilhelm II. Ein Sturm riss einen verankerten Zeppelin los. Das Fluggerät zerschellte an einer Wand. Auch über der Nordsee wurde ein trauriges Kapitel der Luftschifffahrt geschrieben, als der LZ 14 bei einem Herbststurm 1912 aufs Wasser gedrückt wurde und 14 Besatzungsmitglieder den Tod fanden. Der LZ 7 stürzte 1910 im Teutoburger Wald ab, den LZ 8 zerriss 1911 eine Windböe und der LZ 10 mit dem Namen Schwaben, dessen Rumpfgröße, zu einem Viertel am Dach des Zeppelin-Museums im Neu-Isenburger Stadtteil nachgebaut wurde, ging im Sommer 1912 in Düsseldorf zu Bruch. In den ersten 13 Jahren der Luftschifffahrt wurden allein 19 Zeppeline bei Unfällen zerstört.

Das dicke Ende der fliegenden Zigarren und das wahre Inferno kommen aber noch: die Katastrophe von Lakehurst. Am 6. Mai 1937 explodierte die Hindenburg bei der Landung in Amerika. Die Hülle soll aufgrund von elektrostatischer Aufladung Feuer gefangen haben, das den Wasserstoff entzündete und das größte Luftschiff der Welt in wenigen Sekunden zerstörte. 35 von 97 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben.
Planet Wissen: Zeppeline

Mit der Katastrophe von Lakehurst kam der Untergang

Die Explosion der „Hindenburg“ in Lakehurst 1937 war der Anfang vom Ende der deutschen Zeppeline. Der LZ 127 blieb bald danach am Boden, denn die Passagiere hatten das Vertrauen in die mit Wasserstoff gefüllten Luftschiffe verloren. Dr. Hugo Eckener versuchte zwar, Helium aus den USA aufzutreiben, doch über das Gerippe des im Bau befindlichen LZ 131 wurde niemals eine Hülle gezogen. Der Zeppelin blieb am Boden. Amerika wollte aber aufgrund der wachsenden politischen Spannungen kein Helium an Deutschland liefern. Die stolze Epoche der Zeppeline in Deutschland ging schließlich mit einer Anordnung von Hermann Göring, dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, offiziell zu Ende. Auf dem Rhein-Main-Flugplatz wurden die Luftschiffe abgewrackt und die Hallen 1940 auf den Tag genau drei Jahre nach der Explosion in Lakehurst in die Luft gesprengt.
Planet Wissen: Lakehurst Katastrophe
Deutscher Wasserstoff-Verband: Ein Mythos verglühte

Zeppelin-Museum hält Erinnerungen wach

Eingang des Zeppelin-Museums in Neu-Isenburg

Abgesehen von ein paar Luftschiffen der Neuen Technologie, die am Bodensee kreisen, sind heute fast keine „silbernen Zigarren“ mehr am Himmel zu sehen. Im Museum in Zeppelinheimwerden die Erinnerungen an die „Riesen der Lüfte“ aber wachgehalten. Hier tauchen auch die Geschichten rund um die versunkenen Luftschiffe wieder auf. Ein Verein sorgt gemeinsam mit der Stadt Neu-Isenburg dafür, dass die Historie nicht untergeht. Mitglieder der ehemaligen Zeppelin-Kameradschaft, die sich vor ein paar Jahren den Namen Verein für Zeppelin-Luftschifffahrt gegeben hat, engagieren sich in diesem Museum.

Elisabeth Kötter, die das Museum lange Zeit leitete und im Verein aktiv war, kann die Faszination, die Zeppeline auslösen, aufgrund eigener Erlebnisse beschreiben. Ihr Vater war Maschinenbau-Ingenieur und arbeitete auf dem Luftschiff LZ 127. Als zehnjähriges Mädchen ist die Zeppelinheimerin 1934 mit ihren Eltern im LZ 127 nach Rio de Janeiro gefahren. Von dieser einzigartigen Reise durch die Lüfte schwärmt sie noch heute. Der Zeppelin LZ 127 erreichte bei einer Weltfahrt und einer Polarfahrt Rekorde. Erstmals über den Atlantik fuhr das Luftschiff am 11. Oktober 1928. Nach 112 Stunden kam der LZ 127 sicher in der Nähe von New York an.

Viele, die einmal die Gelegenheit hatten, mit einem Zeppelin durch die Luft zu schweben, sprechen davon, dass die Zeit während der Fahrt wie im Flug vergangen sei. Interessant ist auch das Aussteigen. Beim Verlassen eines Zeppelins dürfen nicht viele Passagiere gleichzeitig den Schritt auf den sicheren Boden machen. Die Fahrgäste müssen einer nach dem anderen langsam aus dem Zeppelin aussteigen, um zu verhindern, dass das Luftschiff wegen einer ruckartigen Gewichtsreduzierung nicht plötzlich wieder aufsteigt und die Leinen der Verankerung reißen. Hier zeigt sich, wie feinfühlig und sensibel ein so dicker „Riese der Lüfte“ doch sein kann.
N 24: Luftfahrt Pionier Ferdinand Graf von Zeppelin
Zeppelin-Museum
Zeppelinwerft Friedrichshafen