„Momentaufnahmen aus der Welt des Vergessens“ - Portraits aus Betreuungsgruppen“ | 28.09.2007 |
Der Kreisbeigeordnete Carsten Müller und der Bürgermeister der Stadt Dreieich Dieter Zimmer haben am Freitagvormittag gemeinsam die Ausstellung „Momentaufnahmen aus der Welt des Vergessens – Portraits aus Betreuungsgruppen“ im Kunstraum Habernoll in Dreieich - Götzenhain eröffnet. Die Ausstellung, die von der Leitstelle Älterwerden des Kreises Offenbach initiiert wurde, zeigt beeindruckende Fotoportraits von Menschen mit Demenz. Die künstlerische Leitung für das Aktionskunstprojekt hat der Fotograf Ralf Braum übernommen. Die Ausstellung ist bis zum 05. Oktober 2007 zu besichtigen. „Mit diesem Projekt wollen wir auf die Demenzerkrankung aufmerksam machen“, erklärt der Sozialdezernent des Kreises Offenbach. „Gleichzeitig wollen wir aber auch Betroffenen eine Möglichkeit geben, sich auszudrücken. Durch die Fotografien, die an Demenz erkrankte Menschen von sich oder anderen per Fernauslöser gemacht haben, bekommen wir einen Einblick in eine andere Erlebniswelt. Wichtig war es uns auch, die erkrankten Menschen aktiv in das Geschehen einzubinden und zu Handelnden zu machen, statt sie nur als Objekt darzustellen.“ Die Gestaltung der Aufnahmen erfolgte in einem klaren, reduzierten Rahmen. Ein einfacher weißer Hintergrund sorgte dafür, dass die Personen ohne ablenkende Elemente im Vordergrund stehen. Um auf die teilweise eingeschränkten motorischen Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Rücksicht zu nehmen, war die Bedienung der Digitalkamera auf ein Minimum reduziert. Sie befand sich voreingestellt und fest installiert auf einem Stativ. Eine professionelle Blitzanlage verhinderte mögliche Bewegungsunschärfen. In diesen Arrangements war es für die an Demenz erkrankten Menschen leicht, sich alleine oder zu zweit zu bewegen und scharfe und gut belichtete Fotos ohne übertriebenes technisches Know-how zu realisieren. „Wir haben uns auf ein Experiment eingelassen“, bilanziert der Kreisbeigeordnete Carsten Müller. „Das Ergebnis gibt uns Recht. Wir sehen eine tolle Ausstellung, die bereits in Neu-Isenburg auf großes Interesse gestoßen ist.“ Im Kreis Offenbach bieten aktuell zwölf niedrigschwellige Betreuungsgruppen an Vor- oder Nachmittagen Gruppenangebote für demenzkranke Menschen an. Diese werden von geschulten und von einer Fachkraft angeleiteten freiwilligen Helferinnen und Helfern betreut. Die Angehörigen werden damit zeitlich entlastet und gleichzeitig wird den Erkrankten ein Gemeinschaftserlebnis ermöglicht. Sie werden vom Kreis Offenbach, von der jeweiligen Stadt, in der sie ansässig sind, und von der Pflegekasse finanziell gefördert. Zum Teil dienen auch Spenden von Stiftungen oder Sponsoren zum Erhalt. „Demenz ist in der Allgemeinheit immer noch ein Tabu-Thema“, so der Kreisbeigeordnete Carsten Müller zum Abschluss. „Das Projekt soll Angehörigen und Betroffenen auch Anstoß geben offener mit der Diagnose umzugehen, denn anders sein und Krankheit sind Teil unserer Gesellschaft und des Lebens, oftmals mehr als uns allen bewusst ist.“ |