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»Heilkunst im Mittelalter« 21.03.2018 

„Heilkunst im Mittelalter“, lautet der Titel einer Ausstellung, die von der Dreieicher Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger konzipiert wurde. Sie ist bis zum 31. Mai 2018 im RegioMuseum in Seligenstadt zu sehen. Beleuchtet werden die Möglichkeiten aber auch die medizinischen Irrtümer des Mittelalters. „Gleichzeitig lädt die Ausstellung dazu ein, in die Gedankenwelt dieser spannenden Epoche einzutauchen“, betonte Landrat Oliver Quilling anlässlich der Eröffnung am Mittwoch. „So erfahren die Besucherinnen und Besucher beispielsweise vieles über Bader, Feldscher und Barbiere.“ Bader etwa betrieben die Badestuben, in denen auch Wunden behandelt und Massagen verabreicht wurden. Sie ließen zur Ader, schröpften oder führten kleinere chirurgische Eingriffe durch. Barbiere wiederum waren häufig zugleich Zahnärzte. Viele behandelten aber auch kleinere Wunden und Brüche. Als Scherer arbeitete man fürs Militär. Da Scherer ihr Wissen auf den Schlachtfeldern erlangten, waren sie oft die besten Chirurgen oder Wundärzte.

Die Ausstellung geht darüber hinaus auf das sogenannte Antoniusfeuer, eine Pilzvergiftung, die durch den Verzehr von frischen Roggenähren verursacht wird, aber auch auf angeblich magische Heilmittel wie den Theriak, eine Kräutermischung aus Anis, Fenchel und Kümmel oder die ‚Dreckapotheke‘ ein. Denn während sich die Klostermedizin systematisch mit der Wirkung von Heilkräutern beschäftigte, von denen viele heute noch verwendet werden, trieben auf Märkten Scharlatane und Quacksalber ihr Unwesen. So machten etwa viele angebliche Heiler ihre Patienten glauben, schmerzende Zähne seien von Zahnwürmern befallen. Verheerenden Seuchen, wie beispielsweise der Pest, standen jedoch selbst seriöse Ärzte vollkommen hilflos gegenüber, denn Ursachen und Übertragungswege vieler Erkrankungen waren schlicht unbekannt. So kamen etwa die Ärzte der Pariser Universität, die im Auftrag Königs Philipp VI. ein Pestgutachten erstellen sollten, zu dem Ergebnis, die Planeten hätten die Luft verdorben. Diese wäre von den Menschen eingeatmet und in ihrem Herz mit Blut zu ihrem Lebensgeist vermischt worden, der im Sinne der Säfte-Lehre zu warm und feucht geworden war – woraufhin der Betroffene an der Pest erkrankte. Man besprühte Kranke daher mit Essig und räucherte Häuser mit Schwefel und Weihrauch aus.

Die Heilkunst des Mittelalters basierte auf der sogenannten Vier-Säfte-Lehre, die bereits in der Antike entwickelt worden war. Waren die vier Säfte Blut (Luft), gelbe Galle (Feuer), schwarze Galle (Erde) und Schleim (Wasser) nicht im harmonischen Gleichgewicht, entstand eine Krankheit. Allerdings konnte die mittelalterliche Heilkunst, die weit hinter die Wirksamkeit und die Möglichkeiten der römischen Medizin zurückgefallen war, in vielen Fällen nur lindern, aber nicht die Ursachen einer Erkrankung beseitigen.

Die Ausstellung befasst sich darüber hinaus mit der Heilkunst der Hildegard von Bingen sowie von Kräuterfrauen und Hebammen, die damals eine bedeutende Rolle in der Volksmedizin spielten. Ihr Wissen wurde jedoch nur selten schriftlich überliefert. Gewürze und Kräuter waren oft die Grundlage der verwendeten Heilmittel. Es wurden aber auch Mineralien zu Medikamenten verarbeitet. Viele komplexe Arzneien enthielten außerdem Knochen, Blut oder Fette von Tieren. Salben oder Öle stellte man aus Schweineschmalz, Butter von der Kuh oder der Ziege, aus Wachs oder teurem Olivenöl her. Pillen formte man mit Honig, den man zudem auch zur Wundbehandlung einsetzte.

Die Ausstellung „Heilkunst im Mittelalter“ ist samstags, sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 11:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwei Euro. Am Mittwoch, 30. Mai 2018, um 19:00 Uhr findet im Winterrefektorium passend zu der aktuellen Ausstellung ein von der vhs Kreis Offenbach organisierter Vortrag zum Thema „Hausmittel aus der Natur“ statt. Weitere Informationen unter www.kreis-offenbach.de/RegioMuseum.