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Engagement im Vogelschutz 21.11.2017 

Schwalbenfreundliches beziehungsweise Mauerseglerfreundliches Haus

Die Lebensbedingungen für Vögel werden nicht einfacher. Der Naturraum wird enger, Baumhöhlen sind seltener zu finden, und die Zahl der Nistplätze an Häusern nimmt wegen der Dämmung und Sanierung ebenfalls ab. Hinzu kommen ganz aktuell schlechte Nachrichten über den starken Rückgang von Insekten, die die Nahrungsgrundlage vieler Vögel sind. Aus diesen Gründen wird der Schutz der Vögel immer wichtiger, um die Population und Artenvielfalt zu erhalten.

In Dietzenbach setzen sich Familien für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Vögeln ein. Für ihr Engagement erhielten sie am Dienstag eine Auszeichnung. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger und Rudolf Keil, Vogelschutzbeauftragter der Stadt Dietzenbach, überreichten an die Familien Erben und Hartmann aus Dietzenbach die Plaketten und Urkunden „Schwalbenfreundliches Haus“ beziehungsweise „Mauerseglerfreundliches Haus“.

„Sie alle haben sich in vorbildlicher Weise für den Schutz der Tiere stark gemacht und den Vögeln Unterschlupf gewährt, so dass Schwalben und Mauersegler die Brut unter Ihrem Dach aufziehen können“, sagte Claudia Jäger bei der Übergabe der Auszeichnung an die Familien. „Dieser Beitrag zum Naturschutz ist heute wichtiger denn je, denn die Voraussetzungen für den Nistplatzbau sowie für eine erfolgreiche Aufzucht der Jungtiere sind nicht besser geworden“, so die Erste Kreisbeigeordnete.

Die Familien Erben und Hartmann unterstützen die Ansiedlung der Schwalben und Mauersegler aktiv. Sie lassen die Vögel ihre Nester an den Hauswänden bauen und sorgen mit weiteren vom Naturschutzbund zur Verfügung gestellten Kunstnestern, die angebracht wurden, dafür, dass den Vögeln sozusagen mehr Wohnraum zur Verfügung steht. Dieses Verhalten ist ganz im Sinne des Natur- und Umweltschutzes. Im Gegensatz dazu gibt es allerdings auch Hausbesitzer, die an den Hauswänden unterm Dach CDs an Fäden aufhängen, um mit den blinkenden Scheiben die Vögel als potenzielle Nestbauer zu vertreiben, so die Erfahrung des Vogelschutzbeauftragten Rudolf Keil.

Wer es an seinem Haus zulässt, dass Mauersegler ein Nest bauen, muss nicht befürchten, dass hoch oben am Nistplatz den ganzen Tag über ständig ein Kommen und Gehen herrscht. „Die Mauersegler, die sich von Mitte April an rund zwei Monate bei uns aufhalten, sind die meiste Zeit in der Luft und manchmal auch für eine Woche verschwunden“, sagt Rudolf Keil. Wenn es hier ständig regnet und zu kalt ist, fliegen die Vögel auch schon mal für eine Woche sozusagen in den Kurzurlaub nach Südfrankreich, weiß der Ornithologe. Der Nachwuchs bleibt dann für ein paar Tage allein im Nest und schaltet die Körperfunktionen auf Sparmodus runter, bis die „Rabeneltern“ wieder im Anflug sind und für ihre kleinen Mauersegler Nahrung im Gepäck haben.

Die Mehl- und Rauchschwalben zählen nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders beziehungsweise streng geschützten Arten. Man darf sie nicht verjagen, ihre Brut nicht entfernen oder Nester zerstören. Die Brutstätten sind das ganze Jahr über geschützt, also auch dann, wenn die Vögel sich im Winterquartier aufhalten. Wer ein Nest am Haus zulässt, muss sich nicht wegen herabfallender Ausscheidungen ärgern. Unter dem Nest kann ein Holzbrett oder ein Edelstahlblech befestigt werden. Die Schwalben und Segler sind äußerst nützlich, denn sie säubern die Luft rund ums Haus von Mücken, Schnaken und anderen Fluginsekten. Vor allem in Tierstallungen, wo es viel Futter gibt, vertilgt eine Rauchschwalbe täglich etwa elf Gramm Insekten beziehungsweise verfüttert diese Menge an ihre Jungen.

Wer mehr über Schwalben, Segler & Co wissen möchte, kann sich mit dem Experten Rudolf Keil oder den Fachleuten der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Offenbach in Verbindung setzen (Telefon 06074 26296, 06074 8180-4106, www.kreis-offenbach.de/artenschutz).