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05.12.2018

"Tag des Ehrenamtes": Landrat zeichnet engagierte Mitbürgerinnen und Mitbürger aus

Weit über eine Million Menschen in Hessen und etwa zwei Drittel der Menschen im Kreis Offenbach engagieren sich Tag für Tag für andere oder für die Gemeinschaft. Am „Tag des Ehrenamtes“ zeichnet der Kreis Offenbach gemeinsam mit der Sparkasse Langen-Seligenstadt seit vielen Jahren Bürgerinnen und Bürger aus, die sich selbstlos für andere einsetzen. Damit soll das freiwillige Engagement all derjenigen in der Region in den Focus rücken, die soziale oder gesellschaftliche Verantwortung übernehmen ohne dafür einen einzigen Cent zu erhalten. Am Mittwoch wurde dieses so ungemein wichtige Engagement im Kreistagssitzungssaal mit dem Deutschen Bürgerpreis sowie der Ehrenmedaille zur Anerkennungen für bürgerschaftliches Engagement gewürdigt.

„Mit den beiden Preisen wollen wir diejenigen unter uns für einen Tag in den Mittelpunkt stellen, die viel Zeit und Energie einsetzen, um andere Menschen zu unterstützen, ihnen das Leben leichter zu machen und für sie da zu sein: Menschen, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen“, machte Oliver Quilling in seiner Begrüßung deutlich und hob gleichzeitig die enorme gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamtes hervor. „Was wären ein Kreis, eine Stadt, ja unsere gesamte Gesellschaft ohne diejenigen Menschen, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, ihre freie Zeit selbstlos für ehrenamtliche Aufgaben zur Verfügung zu stellen? Was würde es den Staat kosten, wenn er die heute vorhandenen ehrenamtlichen Strukturen übernehmen müsste? Genau lässt sich das gar nicht beziffern“, erklärte Quilling. „Aber auch in anderer Hinsicht ist das Ehrenamt unbezahlbar. Denn es schafft Zusammenhalt sowie ein Gemeinschaftsgefühl und steht gleichsam für das Miteinander und nicht für ein Gegeneinander. Es ist daher ein Bollwerk gegen jede Form von Extremismus und Populismus. Das ist etwas, dass wir heutzutage - da ein tiefer Riss durch die Gesellschaft zu gehen scheint - nötiger denn je brauchen.“

Der Landrat sprach jedoch auch den Gewinn des Ehrenamtes für diejenigen an, die sich freiwillig in den Dienst einer guten Sache stellen. „Wer anderen unter die Arme greift, sich im Verein oder bei der Feuerwehr engagiert, der erweitert nicht nur seinen Bekannten- und Freundeskreis, er weiß sich auch unter Gleichgesinnten und erweitert den eigenen Horizont!“, machte Quilling deutlich.

Gleichzeitig sprach er allen, die sich im Kreis Offenbach ehrenamtlich engagieren, seinen persönlichen Dank aus und stellte klar: „Der Kreis Offenbach braucht Sie! Bleiben Sie dem Ehrenamt treu und engagieren Sie sich weiterhin mit so viel Leidenschaft wie bisher. Denn wie sagte schon der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, so treffend: ‚Demokratie verträgt kein ohne mich. Sie lebt von dem mit mir‘."

Darüber hinaus wollte es Oliver Quilling am „Tag des Ehrenamtes“ nicht nur bei bloßen Worten des Dankes belassen, sondern zeichnete zusammen mit dem Kreistagsvorsitzenden Bernd Abeln einige besonders engagierte Ehrenamtliche mit dem Deutschen Bürgerpreis sowie der Medaille für bürgerschaftliches Engagement aus.

Die einzelnen Ehrungen in Kurzform:

Anerkennung bürgerschaftliches Engagement

Besondere Verdienste im Bereich des ehrenamtlichen Engagements werden vom Kreis Offenbach zudem durch Verleihung einer extra dafür gestalteten Medaille gewürdigt. Die Auszeichnung wird seit dem Jahr 2007 jährlich am 5. Dezember, dem Tag des Ehrenamtes, vorgenommen. Unter der Bezeichnung „Anerkennung bürgerschaftliches Engagement“ wurden daher auch in diesem Jahr wieder Personen ausgezeichnet, die seit mindestens zehn Jahren ehrenamtlich tätig sind und deren Engagement Vorbild für andere sein kann. Diesmal wurden vier Preisträger in den Bereichen Migration, Sport, Katastrophenschutz und Gesang geehrt.

Anerkennung bürgerschaftliches Engagement – Bereich Migration

Nicola Küpelikilinc aus Dietzenbach engagiert sich seit 1993 für eine tolerante, offene und bunte Gesellschaft. Mit großem Engagement und großer Fachkompetenz unterstützt Nicola Küpelikilinc beispielsweise die politische Arbeit im Ausländerbeirat der Stadt Dietzenbach und im Ausländerbeirat des Kreises Offenbach. Ihre Menschlichkeit wird vor allem von vielen Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund sehr geschätzt, auch weil sie gut zuhören kann. Nicola Küpelikilincs Hauptanliegen gilt den Themen Bildung, Frauen und Familie. So kümmert sie sich um bessere Bildungschancen für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sowie für junge Geflüchtete. Sie engagiert sich im Netzwerk „Frühe Hilfen“ und im Kreisjugendhilfeausschuss. Gleichzeitig fördert sie die Mehrsprachigkeit mit Veranstaltungen wie „Aufwachsen mit mehreren Sprachen“. Nicola Küpelikilinc hat zudem das Projekt „Bücher für Zwerge“ in Dietzenbach aufgebaut und die Stadtbücherei bei der Anschaffung mehrsprachiger Kinderbüchern beraten. Bei vielen Frauengruppen und -projekten in Dietzenbach war und ist sie Impulsgeberin oder Mitinitiatorin.

Anerkennung bürgerschaftliches Engagement – Bereich Sport

Heinz-Jürgen Knöß aus Egelsbach wurde mit dem Preis Anerkennung bürgerschaftliches Engagement im Bereich Sport ausgezeichnet, weil er das ehrenamtliche Engagement im Sportverein quasi vorlebt. Heinz-Jürgen Knöß engagiert sich seit über 40 Jahren für die Sportgemeinschaft Egelsbach 1874 e.V. Mitte der 70er Jahre gehörte er zu den Gründern der Volleyball-Abteilung und war später für mehrere Jahre deren Schriftführer und Kassierer. Bei der SGE war er seitdem unter anderem Revisor, Mitorganisator von „Kerb in der Scheuer“, Schatzmeister, Beisitzer im Hauptvorstand sowie Vorstandsmitglied der Sportgemeinschaft. Als Schatzmeister hatte Heinz-Jürgen Knöß die Eröffnung des SGE-Sportcenters und der Tennishalle zu verantworten.

Anerkennung bürgerschaftliches Engagement – Bereich Katastrophenschutz

Im Bereich Katastrophenschutz wird dieses Jahr Detlev König geehrt. Detlev König ist 1969 dem Technischen Hilfswerk beigetreten. Nach vielen erfolgreichen Lehrgängen wurde er 1983 zum Ortsbeauftragten Seligenstadt berufen. Dieses Amt hat er bis 2013 ausgeübt. Detlev König ist zudem seit mehreren Jahren als Kreisbeauftragter, Baufachberater und Fachberater tätig. Als Ortsbeauftragter oblag ihm 30 Jahre die gesamte Führung des THW Ortsverbandes Seligenstadt. In eigener Verantwortung war er zuständig für die Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften, die Einsatzbereitschaft, den Ausbildungsstand und war Ansprechpartner für die Fachbehörden. Er war in Personalunion Einsatzleiter und Repräsentant des Ortsvereins. Zu seinen Aufgaben als ehrenamtlicher Baufachberater gehört insbesondere die Beratung der Einsatzleitung und der THW-Einheiten in Fragen der Gefahreneinschätzung, der Baukunde und Einsatztaktik bei Bauwerksschäden. Die Interessensvertretung des THW auf verschiedenen Ebenen der Führungs- und Koordinierungs-Struktur, die Beratung über das Leistungsvermögen von Einheiten, die Einsatztaktik und die Führungskultur gehören wiederum zu Detlev Königs Aufgaben als Fachberater. Außerdem ist er Verbindungsmann für das Führungspersonal und wirkt bei der Ausbildung mit.

Anerkennung bürgerschaftliches Engagement – Bereich Gesang

Im Bereich Gesang kommt der Preisträger dieses Jahr aus Seligenstadt. Franz-Josef Schließmann engagiert sich seit 1990 im Gesangverein Germania 03 Seligenstadt. Er war 28 Jahre in verschiedenen Positionen im Verein tätig, davon viele Jahre als Notenwart und Inventarverwalter. In diesen Funktionen hat Franz-Josef Schließmann das Notenarchiv auf Vordermann gebracht, geordnet und strukturiert. Er bereitet zudem wöchentlich die Chormappen zu den Proben und Auftritten vor. Eine große Hilfe für jeden Sänger. Besonders vor den großen öffentlichen Konzerten ist es wichtig, dass die Notenmappen richtig sortiert und für alle gut vorbereitet sind. Auf Franz-Josef Schließmann kann sich der Chor an dieser Stelle hundertprozentig verlassen. Darüber hinaus kümmert sich Franz-Josef Schließmann um die Pflege des gesamten Inventars und erledigt anfallende Reparaturen; auch solche im Vereinsheim. Egal ob Sonnenschirm, Fahnen, Vorhänge, Stühle oder Türen - mit großer Sorgfalt und Tüchtigkeit hält er alles in „Schuss“. Nicht umsonst gilt er als die gute Seele des Vereins.

Deutscher Bürgerpreis

Auch 2018 haben der Kreis Offenbach und die Sparkasse Langen-Seligenstadt den Deutschen Bürgerpreis im Rahmen der Initiative „Für mich. Für uns. Für alle“ ausgeschrieben – diesmal mit dem Schwerpunktthema „Zukunft braucht Zusammenhalt“. Im Mittelpunkt standen daher in diesem Jahr Personen und Projekte, die dazu beitragen, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten und Meinungen im Kreis Offenbach zusammenfinden und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Vergeben wurden insgesamt vier Preise in zwei Kategorien.

In der Kategorie Alltagshelden gibt es dieses Jahr drei Preisträger. Diese Kategorie zeichnet Personen sowie Gruppen, Initiativen, Vereine und Unternehmer aus, die sich freiwillig in ihrem Lebensumfeld engagieren.

Einen mit 200 Euro dotierten Preis erhielt der Verein „Gemeinsam mit Behinderten“ aus Rodgau. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Zusammenleben von behinderten und nichtbehinderten Menschen zu fördern. Im Mittelpunkt stehen die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen sowie das Bestreben, Menschen mit einem Handicap dabei zu unterstützen, ein selbständiges Leben zu führen. Gut 150 der rund 650 Vereinsmitglieder sind selbst behindert. Gruppenstunden, Schwimmen, Behindertensport, Freizeiten, therapeutisches Reiten, verschiedene Inklusionsprojekte, ein Stammtisch und vieles mehr sind die Schwerpunkte der Vereinsarbeit. 2001 wurde der Grundstein für die vereinsseitige Behindertenwohnanlage „Emmanuel“ mit 13 Zimmern, einem Cafe und einer physiotherapeutischer Praxis gelegt. 2013 wurde die Wohnanlage um fünf Wohneinheiten erweitert. Seit 1980 unterstützen Helfer, Betreuer und der Vorstand Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörige zudem dabei, gesellschaftliche und persönliche Barrieren zu durchbrechen.

Ein weiterer mit 300 Euro dotierter Preis ging an das Projekt „Die Fahrrad-Schrauber“ der Flüchtlingshilfe Heusenstamm. Das Team besteht aus Heusenstammer Senioren sowie mehreren Helfern mit Migrationshintergrund. 2015 haben sie eine Fahrradwerkstatt aufgebaut. Quasi als Nachbarschaftsinitiative gestartet, wurden die ersten Reparaturen im eigenen Keller, mit eigenem Werkzeug und Ersatzteilen durchgeführt. Heute arbeiten die „Fahrrad-Schrauber“ in einer Werkstatt der Katholischen Kirchengemeinde. Es werden Reparaturen durchgeführt und sogenannte „Schrotträder“ zur Ersatzteilgewinnung ausgeschlachtet. Die „Fahrrad-Schrauber“ engagieren sich außerdem in besonderer Weise für in Heusenstamm lebende Flüchtlinge indem sie ihnen bei der Eingewöhnung helfen und Kinderräder, Dreiräder sowie Roller, verschenken. Zusätzlich wurden nahezu 400 Damen- und Herrenräder verkehrstüchtig gemacht und verteilt. Neben den Arbeiten „rund ums Fahrrad“ spielt die Kommunikation eine wichtige Rolle. Die Werkstatt ist somit ein Treffpunkt sowie eine Begegnungsstätte von Menschen aller Kulturen und Religionen.

Den mit 500 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie Alltagshelden verlieh die Jury in diesem Jahr an die Freizeitgruppe „Aus Fremden werden Freunde“ der Malteser Integrationslotsen Obertshausen. Die elf ehrenamtlichen Mitglieder der Freizeitgruppe hat sich der Integration geflüchteter Menschen in unsere Gesellschaft angenommen und organisiert seit 2015 Kochabende, Stadtrundgänge, Sport- und Freizeitaktivitäten, Picknicks, Wanderungen sowie Basare, um in Obertshausen Flüchtlinge und Einheimische zusammenzubringen. Darüber hinaus gibt es eine Frauen- und Mädchensportgruppe, einen Kreativ- und Basteltreff, einen Lauftreff, monatliche Kinoabende, Konzertbesuche und Radtouren. Die Gruppe hat es so geschafft, dass aus Geflüchteten Freunde und Vereinskollegen geworden sind. Als neuestes Projekt plant die Freizeitgruppe eine „Selbstlern-Werkstatt“, um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

In der Kategorie „Lebenswerk“ wird ein mit 500 Euro dotierter Preis für langjähriges Engagement an eine einzelne Person vergeben, die seit mindestens 25 Jahren ehrenamtlich tätig ist.

Dafür hat die Jury in diesem Jahr einen Menschen ausgewählt, der seit 54 Jahren in ehrenamtlichen Funktionen tätig ist. Über ein halbes Jahrhundert engagiert sich Wolfgang Rubin in den unterschiedlichsten Vereinen und Verbänden. Bereits im Alter von 25 Jahren war er im Vorstand des TSV 1872 e.V. Klein-Auheim tätig. Es folgten zwölf Jahre als 1. Vorsitzender beim FC Germania Steinheim. Der Wiederaufbau des Vereins sowie die Wiederaufnahme des Spielbetriebes im Jahr 1975 fielen in diese Zeit. 1984 gelang Rubin der Sprung in den Hessischen Fußball-Verband. Er wurde Klassenleiter im Kreisjugendausschuss Offenbach und später Kreisjugendfußballwart sowie Kreisfußballwart. Parallel dazu war er stellvertretender Jugendleiter bei den Offenbachern Kickers. Inzwischen gibt Wolfgang Rubin sein großes sportfachliches Wissen, seine Erfahrungen und seine erworbenen Kenntnisse in verschiedenen Ehrenämtern weiter; beispielswese als Ehrenvorsitzender der SG Germania, als Ehrenkreisfußballwart Offenbach sowie als Mitglied im Ehrenrat des Hessischen Fußball-Verbandes. Wolfgang Rubin ist aber auch ein sozial sehr engagierter Mensch. So hat er von 2009 bis Ende 2017 den Lämmerspieler Seniorenclub als Organisator und Helfer unterstützt, hat 2001 die Aktion „Der verschenkte Punkt – Fußballer helfen“ organisiert und ist im Freundeskreis der Schiedsrichter Vereinigung Offenbach und im VdK aktiv. Sein Engagement wurde daher mit der Verleihung des Deutschen Bürgerpreises in der Kategorie „Lebenswerk“ gewürdigt.