Umlagen für Kommunen bleiben konstant
Haushalt 2026 mit einem Volumen von knapp einer Milliarde Euro
Landrat Oliver Quilling, Erster Kreisbeigeordneter Carsten Müller und Kreisbeigeordneter Alexander Böhn haben am Dienstag den Entwurf des Haushaltsplans für das Jahr 2026 offiziell vorgestellt. Kämmerer Carsten Müller wird diesen am Mittwoch in der Kreistagssitzung in die parlamentarische Beratung einbringen. „Die gute Nachricht vorweg: Der Hebesatz für die Umlage soll insgesamt nicht erhöht werden“, sagte Carsten Müller.
Kreis- und Schulumlage
Die Umlagen für die Städte und Gemeinden bleiben konstant. Der Hebesatz der Kreisumlage wird auf 39,73 Prozentpunkte (2025: 41,35 Prozentpunkte) festgesetzt. Die Schulumlage steigt auf 19,06 Prozentpunkte, ein Plus von 1,92 Prozentpunkten. Diese wird Jahr für Jahr bedarfsabhängig für die Belastungen als Schulträger kalkuliert. Insgesamt fließen 475,7 Millionen Euro durch die Umlagen in die Kreiskasse (zum Vergleich: rund 474 Millionen Euro in 2025). Die gesamte Umlage beträgt nach aktuellem Stand 58,79 Prozentpunkte.
Ergebnishaushalt
Der Kreis rechnet im Ergebnishaushalt mit ordentlichen Erträgen in Höhe von 975,2 Millionen Euro. Bei den ordentlichen Aufwendungen werden 998,2 Millionen Euro kalkuliert. Insgesamt ergibt sich ein Defizit im Ergebnishaushalt in Höhe von etwa 24,1 Millionen Euro. Ausgeglichen werden kann dieses Defizit durch bestehende ordentliche Rücklagen aus Vorjahren.
Die ordentlichen Erträge steigen im Haushalt 2026 gegenüber dem Vorjahr um rund vier Millionen Euro. Aus dem kommunalen Finanzausgleich werden 92 Millionen Euro in Form von Kreisschlüsselzuweisungen erwartet (knapp 13,7 Millionen Euro mehr als im Jahr 2025). Aus der Kreisumlage fließen im Jahr 2026 321,5 Millionen Euro in die Kreiskasse (zum Vergleich: 335,1 Millionen Euro im Jahr 2025). Die Schulumlage, die kostendeckend erhoben wird, ist mit 154,2 Millionen Euro (138,9 Millionen Euro im Jahr 2025) berechnet.
Die ordentlichen Aufwendungen steigen um rund 30 Millionen Euro vom laufenden zum kommenden Jahr. Die Transferaufwendungen steigen weiter: Im Jahr 2026 sind rund 516,5 Millionen Euro veranschlagt. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lagen diese noch bei knapp 277 Millionen Euro – fast eine Verdoppelung innerhalb von sieben Jahren. Inzwischen ist der Zuschussbedarf aus kommunalen Mitteln erheblich gestiegen. Dieser liegt für den Haushalt 2026 bei knapp 229,5 Millionen Euro. Die Ursache liegt dabei sowohl an gestiegenen Fallzahlen als auch an höheren Kosten je Einzelfall.
Die Umlage an den Landeswohlfahrtsverband (kurz: LWV) ist erneut im Vergleich zum aktuellen Haushalt gestiegen. Im kommenden Jahr sind 106,6 Millionen Euro kalkuliert, ein Plus von 5,8 Millionen Euro. Die Krankenhausumlage hingegen sinkt ganz leicht: neun Millionen Euro sind im kommenden Jahr veranschlagt (zum Vergleich: 9,06 Millionen im Jahr 2025).
Die Personalkosten sind mit rund 88,6 Millionen Euro im kommenden Jahr kalkuliert. Das ist im Vergleich zum Haushaltsjahr 2025 ein Plus von 3,6 Millionen Euro. Darin enthalten ist vor allem die Tarifanpassung, die mit 3,3 Millionen Euro zu Buche schlägt. Der Stellenplan ist knapp bemessen und sieht zwei Stellen weniger als im aktuellen Haushaltsjahr vor.
Finanzhaushalt
Im investiven Bereich stehen Einzahlungen in Höhe von knapp 8,6 Millionen Euro Auszahlungen in Höhe von 99,3 Millionen Euro gegenüber. Daraus folgt eine Neuaufnahme von investiven Krediten in Höhe von 90,9 Millionen Euro. Fast 80 Millionen Euro sind für den Schulbau vorgesehen. Insgesamt 30 Erweiterungen oder Neubauten an Schulen sind projektiert. Im Haushalt 2026 sind Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 117,4 Millionen Euro enthalten. Auch davon ist ein Großteil für den Schulbau vorgesehen. 4,8 Millionen Euro sind für die Regionaltangente-West eingeplant. Die Neubauten des Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrums und der AöR sind mit 1,5 Millionen Euro beziehungsweise 3,2 Millionen Euro veranschlagt.
Zu einzelnen Positionen
Schule
Für den laufenden Betrieb der Schulen sind 154,2 Millionen Euro kalkuliert. Darunter fallen verschiedene Einzelpositionen aus unterschiedlichen Kostenstellen, wie die Leistungen für das Facility Management, die IT-Ausstattung, die Schülerbeförderung und die Jugendsozialarbeit an Schulen. Insbesondere die Zuweisung an die KOREAL steigt im Jahr 2026 um rund 5,9 Millionen Euro an. Steigende Schülerzahlen und der Ausbau der Ganztagsbetreuung sorgen für einen Investitionsbedarf von 79,3 Millionen Euro. Die größten Maßnahmen sind: die Erweiterungen der Sterntalerschule in Dietzenbach (fünf Millionen Euro im Haushalt 2026), der Grundschule am Hengstbach in Dreieich-Sprendlingen (fünf Millionen Euro im Haushalt 2026), der Gerhart-Hauptmann-Schule in Dreieich-Sprendlingen (fünf Millionen Euro im Haushalt 2026), der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich-Sprendlingen (vier Millionen Euro im Haushalt 2026), des Adolf-Reichwein-Gymnasiums in Heusenstamm (drei Millionen Euro im Haushalt 2026), der Albert-Einstein-Schule in Langen (2,1 Millionen Euro im Haushalt 2026), der Albert-Schweitzer-Schule in Neu-Isenburg (fünf Millionen Euro im Haushalt 2026), der Goetheschule in Neu-Isenburg (fünf Millionen Euro im Haushalt 2026), des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Mühlheim (2,84 Millionen Euro im Haushalt 2026), der Waldschule Obertshausen (8,5 Millionen Euro im Haushalt 2026), der Carl-Orff-Schule in Rodgau-Jügesheim (1,1 Millionen Euro im Haushalt 2026), die Geschwister-Scholl-Schule in Rodgau-Hainhausen (2,6 Millionen Euro im Haushalt 2026), die Trinkbornschule in Rödermark–Ober-Roden (sechs Millionen Euro im Haushalt 2026) sowie der Neubau der sechsten Grundschule in Langen (11,5 Millionen Euro im Haushalt 2026).
„Die Schülerzahlen steigen weiter an und deswegen müssen wir auch weiter in den Ausbau der Schulen investieren“, sagt Landrat Oliver Quilling. „Hinzu kommen der Ausbau für die Umsetzung des beginnenden Rechtsanspruchs auf eine ganztägige Betreuung ab der ersten Jahrgangsstufe sowie Gebäude, die in die Jahre gekommen sind, einfach ersetzt werden müssen.
Mobilität
Investitionen in die Infrastruktur sind ein wichtiger Standortfaktor. 500.000 Euro an Planungsmitteln sind für den Radschnellweg FRM 9 entlang der K 174 und der K 173 von Rodgau über Dietzenbach nach Dreieich eingestellt. Für die notwendige Sanierung der Spessartbrücke an der K 191 in Mühlheim sind etwa 1,56 Millionen Euro etatisiert. „Sowohl die Erhaltung unserer Kreisstraßen als auch der Ausbau des Radwegenetzes sind für uns wichtig“, erläutert Kreisbeigeordneter Alexander Böhn. „So sichern wir die Nahmobilität unserer Bevölkerung.“
Jugendhilfe
Die Ausgaben im Jugendamt steigen kontinuierlich an – in 2026 rund neun Millionen Euro mehr. Die sogenannten § 35a-Fälle für Kinder, die von seelischer Behinderung bedroht sind, nehmen immer mehr zu. Zusätzlich werden die ambulanten Maßnahmen immer teurer. Insbesondere sind immer mehr Teilhabeassistenzen für Kindergärten- und Schulbesuche zu finanzieren. „Wir müssen in diesem Bereich neun Millionen zusätzlich aus kommunalen Mitteln aufbringen“, verdeutlicht Jugenddezernent Carsten Müller. 13,1 Millionen sind im kommenden Jahr für den Unterhaltsvorschuss kalkuliert. Ein Plus von 1,2 Millionen Euro im Vergleich zu 2025. 30 Prozent dieser Summe muss der Kreis tragen, das macht fast 3,4 Millionen Euro aus den kommunalen Mitteln.
Soziales
Im Asylbereich legen wir im kommenden Jahr bei sinkenden Fallzahlen rund 22,2 Millionen Euro kommunale Mittel drauf. Zum Vergleich – vor fünf Jahren waren es nur knapp 275.000 Euro. Da die Fälle nur zwei Jahre erstattet werden, gehen die Leistungen für alle, die länger im Bezug sind, zu Lasten des Kreises. „Für die Kosten der Unterkunft geben wir 99,2 Millionen Euro aus“, erklärt Sozialdezernent Carsten Müller. „Dies sind nochmals 2,7 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr.“
Stellenplan
Im Stellenplan sind für das kommende Jahr insgesamt 1.295,5 Planstellen ausgewiesen – 253,5 Beamten- und 1.042 Angestelltenstellen. Dies sind zwei Stellen weniger als im Jahr 2025. „Uns ist es gelungen, trotz des Bedarfs an neuen Stellen den weiteren Anstieg der Planstellen aufzuhalten und sogar die Planstellen zu reduzieren“, sagt Landrat Oliver Quilling. Der Kreis Offenbach sucht permanent Personal, darunter weit mehr als die klassischen Verwaltungsberufe.
Haushaltskonsolidierung
Der Kreis Offenbach ist auch im Jahr 2026 nicht zu einem Haushaltssicherungskonzept verpflichtet, dennoch setzen die Verantwortlichen auf die Leitlinie zur Haushaltssicherung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Diese Leitlinie gilt als Selbstverpflichtung für wirtschaftliches Handeln von Politik und Verwaltung, um Konsolidierungspotentiale auszuschöpfen. Damit wird nicht nur der jeweils aktuelle Etat entlastet, sondern die Maßnahmen wirken auch auf zukünftige Haushalte. Darunter fallen beispielsweise jährlich stattfindende Budgetgespräche, die für 2026 geplante Aufgabenkritik, fortlaufende Maßnahmen wie unter anderem Wirtschaftlichkeitsanalysen, Folgekostenberechnungen, Vergleichsringtätigkeiten sowie der Einsatz von steuerungsrelevanten Kennzahlen. Beispielsweise konnte durch die Budgetgespräche in der aktuellen Haushaltsplanung der Anstieg der Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen auf 10,1 Millionen Euro gedeckelt werden. Seit 2005 wurden mit den Maßnahmen der Haushaltssicherung knapp 200 Millionen Euro konsolidiert.
„Der Haushalt ist solide aufgestellt“, betont der Kämmerer des Kreises Offenbach, Erster Kreisbeigeordneter Carsten Müller, abschließend. „Dennoch gibt es noch ein paar vorläufige Zahlen. So sind beispielsweise die Einnahmen aus dem Kommunalen Finanzausgleich nur geschätzt, da die endgültigen Daten erst in der vergangenen Woche aus Wiesbaden kamen. Diese werden wir im Zuge der Aktualisierung korrigieren.“
Der Haushaltsplan 2026 umfasst knapp 5.500 Planungsstellen, die auf etwa 420 Seiten abgebildet sind. Die einzelnen Buchungsstellen werden erneut aggregiert dargestellt.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
| Ergebnishaushalt |
2026 | 2025 |
| Ordentliche Erträge |
975,2 Mio. Euro |
971,2 Mio. Euro |
| Kreisschlüsselzuweisungen |
92 Mio. Euro |
78,3 Mio. Euro |
| Kreis- und Schulumlage |
475,7 Mio. Euro |
474 Mio. Euro |
| Transfererträge |
287 Mio. Euro |
283,3 Mio. Euro |
| Ordentliche Aufwendungen |
998,2 Mio. Euro |
968,5 Mio. Euro |
| Transferaufwendungen |
516,5 Mio. Euro |
501,3 Mio. Euro |
| Umlagen |
115,6 Mio. Euro |
109,9 Mio. Euro |
| Sach-& Dienstleistungen |
138,9 Mio. Euro |
128,8 Mio. Euro |
| Personalaufwendungen |
88,6 Mio. Euro |
85 Mio. Euro |
| Jahresergebnis |
-24,1 Mio. Euro |
2,8 Mio. Euro |
| Finanzhaushalt |
2026 | 2025 |
| Einzahlungen aus Investitionstätigkeit |
8,6 Mio. Euro |
6,7 Mio. Euro |
| Auszahlungen aus Investitionstätigkeit |
99,3 Mio. Euro |
112,9 Mio. Euro |