Blickwinkel wechseln, Grenzen spüren
Kreativprojekt des Kreisjugendbildungswerks
Kunst öffnet Räume für Blickwechsel und Gespräche, die im Schulalltag sonst kaum stattfinden. Während eines spannenden Workshops des Kreisjugendbildungswerks Offenbach, der Mitte November an der Max-Eyth-Schule in Dreieich-Sprendlingen stattfand, konnten Jugendliche ihre jeweilige Perspektive auf Themen wie Nähe, Distanz und Grenzen künstlerisch ausdrücken. Das Projekt war in den schulinternen Themenmonat gegen sexualisierte Gewalt eingebettet und verband praktische Kunst mit Reflexion im Klassenverband.
Teilgenommen haben 20 Schülerinnen und Schüler unter anderem aus Afghanistan, Griechenland, Guatemala, Pakistan, Somalia und Vietnam. Die Mädchen und Jungen besuchen alle eine Integrationsklasse. Unter Anleitung der Künstlerinnen Sybille Möller und Maja Brie sowie der Sozialpädagogin Isabell Wegner setzten sie sich mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen des Gegenübers und Selbstwahrnehmung auseinander. Ein weiterer Fokus lag darauf, wie Nähe und Distanz wahrgenommen werden und wie Grenzen gesetzt werden können.
Gleich zu Beginn stand eine Reduktion auf das Wesentliche. Aus einem einzigen Blatt Papier entstanden individuelle Arbeiten, die Erfahrungen sichtbar machten und neue Wahrnehmungen der persönlichen Situation eröffneten. Es folgten Porträtversuche mit der nicht dominanten Hand sowie Übungen mit dem eigenen Spiegelbild, die den Blick für Gestik und Mimik schärften. Diese Herangehensweise förderte Ausdruckssicherheit sowie ein respektvolles Miteinander im Kurs.
Eine gemeinsame Exkursion ins Hessische Landesmuseum nach Darmstadt verlieh dem Projekt kunsthistorische Tiefe. In die Ausstellung „Face2Face” sind rund 120 Zeichnungen, Druckgrafiken, Plakate und Fotografien von der Renaissance bis zur Gegenwart mit ihrer Selfie-Kultur zu sehen. Dabei wird unter anderem die Frage aufgeworfen, wie Gesichtszüge und nonverbales Verhalten unser Bild vom Gegenüber prägen und inwiefern Gesichter ihre jeweilige Zeit und Epoche widerspiegeln. Diese Auseinandersetzung knüpfte unmittelbar an die Porträtübungen im Workshop an und vertiefte das Verständnis für die betreffende Problematik.
Die Ergebnisse präsentierten die Jugendlichen im November in einer kleinen Ausstellung an ihrer Schule. Dabei wurden die unterschiedlichen Sichtweisen der Klasse auf den Themenkomplex sichtbar und luden so Mitschülerinnen und Mitschüler zu Gesprächen über Respekt und Toleranz ein.
Mehr zum Kreisjugendbildungswerk gibt es unter www.kreis-offenbach.de/Jugendbildungswerk.