Landrat Oliver Quilling verleiht Landesehrenbriefe

Maria Becht, Arif Ergüven, Jürgen Krapp und Herbert Massoth erhalten für ihr ehrenamtliches Engagement Auszeichnung

Warum „Das Ehrenamt: Ein Glücksfall für den Kreis Offenbach“ ist, eine große gesellschaftliche Relevanz hat und das Leben vieler Menschen bereichert, das macht der Kreis derzeit in einer großen Kampagne mit einem Magazin, auf Plakaten und in Videos deutlich. Rund ein Drittel und damit 121.000 Menschen engagieren sich in den 13 Städten und Gemeinden ehrenamtlich und sorgt für eine große Vielfalt an Freizeitangeboten. Sie unterstützen caritative Verbände, Hilfsorganisationen oder bringen andere in Sportvereinen in Schwung. Vier Menschen, die sich seit Jahrzehnten für das Gemeinwohl engagieren, wurden am Mittwoch im Winterrefektorium des RegioMuseums in Seligenstadt ausgezeichnet. Landrat Oliver Quilling überreichte Maria Becht aus Rödermark, Arif Ergüven und Jürgen Krapp aus Obertshausen sowie Herbert Massoth aus Rodgau den Ehrenbrief des Landes Hessen.

„In unserer pluralistischen Gesellschaft im Kreis Offenbach, wo Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen und ethnischen Hintergründen zu Hause sind, ist es besonders wichtig, dass wir Gelegenheiten finden, damit sich Bürgerinnen und Bürger kennenlernen können. Ehrenamtliche sorgen mit ihrem Engagement dafür, dass sich Menschen begegnen. Das macht unseren Alltag im Kreis Offenbach so vielfältig und stärkt den Zusammenhalt, den wir mehr denn je brauchen“, sagte Landrat Oliver Quilling bei der Verleihung der Landesehrenbriefe. Er sieht die große Zahl der Freiwilligen als Ausdruck einer gelebten Demokratie und einer lebendigen Sozialgemeinschaft. „Das Ehrenamt ist längst zu einer tragenden Säule der Gesellschaft geworden“, betonte der Landrat.

Maria Becht aus Rödermark hat schon in jungen Jahren in der Kommunalpolitik Verantwortung übernommen. Als 25-Jährige gehörte sie bereits dem Stadtrat in Ludwigshafen, wo sie 1969 gewohnt hatte, an. Gleich beim Start in das Ehrenamt stand ein prominenter Wegbegleiter an ihrer Seite. Zur damaligen CDU-Fraktion gehörte auch Helmut Kohl.

Maria Becht interessiert sich für viele Bereiche der Kommunalpolitik und ist in mehreren Ehrenämtern aktiv. Dazu gehören unter anderem der Bund Katholischer Unternehmer, Absolventum Mannheim. Sie war Vorsitzende des Seelsorgerats des Pfarreien-Verbundes Rödermark, engagierte sich in der Kolpingsfamilie in Ober-Roden, in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, dort unter anderem als Mitglied der Bundessteuerkommission sowie in der Partnerschaft des Kreises Offenbach mit Kiryat Ono in Israel.

Aufbauend auf ihren Erfahrungen in der Stadt am Rhein hat Maria Becht ihr Engagement für das Gemeinwohl nach einer Pause und dem Umzug nach Rödermark fortgesetzt. Während der Zeit in der Stadtverordnetenversammlung hat sie sich von 1997 an über 24 Jahre, davon neun Jahre lang als Stadtverordnetenvorsteherin, mit allen Themen, die das Leben der Menschen betreffen, beschäftigt. Bis 2021 hat sie sich im Kreistag – und da auch im Präsidium – über zwei Jahrzehnte lang mit ihrer Kompetenz, ihrem Willen und ihrer ausgeprägten Dialogbereitschaft bei wichtigen Entscheidungen eingebracht. In schwierigen Prozessen sorgte sie dafür, gemeinsam mit anderen, wie etwa in der Interfraktionellen Arbeitsgruppe „Kreisstrategische Ziele“, dass die beste Lösung gefunden wurde.

Seit mittlerweile 14 Jahren leistet Maria Becht beim Musikverein 06 Urberach, der sie zum Ehrenmitglied ernannt hat, eine wertvolle Arbeit. Ihr außerordentliches Engagement in den Projekten „Blechifanten“ und „Tuttifanten“, bei denen Grundschülerinnen und Grundschüler motiviert werden, Musikinstrumente kennenzulernen und zu spielen, zeigt, dass die Bildung und Förderung der Kinder für sie eine Herzensangelegenheit sind.

Arif Ergüven aus Obertshausen bringt Menschen zusammen. Seit 2010 hat er mit seinem ehrenamtlichen Engagement im Ausländerbeirat der Stadt wesentlich dazu beigetragen, dass viele Bürgerinnen und Bürger zufriedener sind, weil sie sich beachtet und respektiert fühlen. Durch seine Unterstützung, 13 Jahre lang als Vorsitzender des Ausländerbeirates und heute noch als Mitglied des Gremiums, sind viele Gelegenheiten für den interkulturellen Dialog entstanden. Arif Ergüven baut Brücken. Er hat viele Kontakte zwischen dem Ausländerbeirat und Vereinen geknüpft, das Europafest mitorganisiert und im Laufe der Jahre ein starkes Netzwerk aufgebaut, mit dem der Zusammenhalt im Kreis Offenbach gestärkt wird.

Vor allem für Menschen mit Migrationserfahrung hat er viel geleistet. Beispiel Bestattungen und Rituale: Es ist auch sein Verdienst, dass es auf den Friedhöfen islamische Gräberfelder gibt. Dank seiner ehrenamtlichen Arbeit ist das Zusammenleben harmonischer geworden.

Die 13 Städte und Gemeinden bilden einen Kreis voller Vielfalt an Menschen und Möglichkeiten. Da wird Integration zu einer existenziellen Aufgabe. Nur wenn die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger gehört werden, wenn durch Begegnungen Vorurteile abgebaut und das Verständnis für andere gestärkt wird, kann ein friedliches Miteinander gelingen. Das hat Arif Ergüven als seine Aufgabe angesehen, und die hat er erfolgreich gemeistert.

Ein großes Ereignis, das er auf die Beine gestellt hat, ist vielen noch gut in Erinnerung: Das Fastenbrechen 2011 mit allen drei türkischstämmigen Vereinen in der Stadt Obertshausen, bei dem etwa 800 Gäste im Bürgerhaus zusammenkamen.

Landrat Oliver Quilling hob in seiner Laudatio hervor, dass es mit Unterstützung von Arif Ergüven gelungen ist, aus dem Kreis der Migranten und Migrantinnen neue Mitglieder für die Freiwillige Feuerwehr zu gewinnen. „Seine Arbeit ist von unschätzbarem Wert für die Integration in unserer Gesellschaft“, sagte der Landrat bei der Verleihung des Ehrenbriefes des Landes Hessen.

Obertshausen in der Stadtentwicklung attraktiver und das soziale Miteinander noch liebenswerter machen, das sind Ziele, die Jürgen Krapp aus Obertshausen bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Kommunalpolitik umgesetzt hat. Er war von 2006 bis 2016 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und engagiert sich bis heute als ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat der Stadt Obertshausen. Mitgearbeitet hat er als stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Sport-, Jugend- und Kulturausschuss sowie im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss. Vor rund acht Jahren wechselte er in den Magistrat und beschäftigt sich seither mit der gesamten Themenpalette, die den Alltag der Menschen betrifft.

Neben all den Aufgaben auf kommunalpolitischer Ebene hat sich Jürgen Krapp 2009 auch dafür entschieden, die Bildungs- und Freizeitangebote in Obertshausen zu verbessern. Sechs Jahre lang setzte er sich bei der Volkshochschule, dem ehemaligen Volksbildungswerk, dafür ein.

Wie sehr er im Ehrenamt ein Macher ist, einer der gern handelt, Ideen umsetzt, anstatt allzu lange zu debattieren, beweist er auf einem ganz anderen Gebiet, das vielen Bürgerinnen und Bürgern gefällt. Der Name des Vereins sagt schon, dass es um Geselligkeit geht und darum, Menschen zu verbinden. Im Verein Weinfreunde Obertshausen engagiert er sich seit 22 Jahren als Vorsitzender. Er organisiert mit seinem Team den Martinsmarkt und das Weinfest.

„Mit nur knapp drei Dutzend Mitgliedern ist der Verein einer der kleinsten in der Stadt, er stellt aber eines der größten Feste auf die Beine“, sagte der Landrat. „Sie und die anderen Vereinsmitglieder haben es geschafft, dass das Weinfest die schwierige Zeit der Pandemie überstanden hat, im vergangenen Jahr mit rund 4.000 Besucherinnen und Besuchern einen neuen Rekord aufstellte und auch in diesem Jahr wieder ein Publikumsmagnet war“, so der Landrat. Martinsmarkt und Weinfest haben sich in Obertshausen gut entwickelt und sind dank des Engagements von Jürgen Krapp zu einem beliebten Treffpunkt für Jung und Alt geworden.

Wer über die Kolpingsfamlie Jügesheim spricht, muss in einem Atemzug auch den Namen Herbert Massoth nennen. Der Rodgauer ist seit Jahrzehnten wie kaum ein anderer eng mit der Kolpingsfamilie verbunden und hat 1994 den Vorsitz übernommen. Damals war er bereits seit zwölf Jahren Mitglied und hatte sich als Messdiener in der Katholischen jungen Gemeinde sowie als Vorstandsmitglied im Wirtschaftsausschuss engagiert. Mit einer kurzen Unterbrechung Anfang der 2000er Jahre steht er seit 30 Jahren an der Spitze der Kolpingsfamilie.

Vor acht Jahren übernahm Herbert Massoth außerdem im Bezirk Offenbach der Kolpingsfamilie als Kassierer Verantwortung. Auf kommunalpolitischer Ebene ist er als Mitglied im Ortsbeirat Jügesheim und in der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung aktiv. Außerdem unterstützt er den Vorstand des CDU-Ortsverbandes Rodgau-Mitte.

„Wie viele ehrenamtliche Kräfte hat Herbert Massoth den Status ,im Ruhestand´ bis heute nicht wörtlich genommen, sondern seine ehrenamtliche Arbeit ausgebaut“, sagte Oliver Quilling. Im Hausmeisterteam des Hauses der Begegnung gelang es ihm, eine Gruppe von Mitarbeitenden zusammenzustellen, die bei verschiedenen Projekten und Aktionen wie etwa beim Brunnenfest mit Musikvereinen, bei der Walldürn-Fußwallfahrt, dem Heringsessen am Rosenmontag oder auch der Kleidersammlung große Unterstützung leisten.

Der Landrat lobte Herbert Massoth, da er sich in seinem Ehrenamt aufgrund der langjährigen Erfahrung immer wieder mit konstruktiven Ideen einbringt. Davon profitiert auch die Pfarrgemeinde St. Nikolaus Rodgau, bei der er sich im Wahlvorstand engagiert und das Pfarrfest organisiert. „In der Kolpingsfamilie und in weiteren Ehrenämtern arbeiten andere Mitglieder gern mit Ihnen zusammen. Sie werden als stets freundlich und besonnen und als Mensch mit einem ausgleichenden und ruhigen Charakter beschrieben. Sie haben einen außergewöhnlichen Einsatz für die ganze Gesellschaft geleistet und sind ein Vorbild für andere. Ihr Engagement zeigt, dass das Ehrenamt für alle ein großer Glücksfall ist“, so Landrat Oliver Quilling über Herbert Massoth.