Praxis und Wissenschaft in Pflege und sozialen Berufen vernetzen

Kreis Offenbach und Frankfurt UAS machen sich gemeinsam stark

Der demografische Wandel und Fachkräftemangel bringen in vielen Bereichen große Herausforderungen mit sich. Unter dem Titel „Zukunft gestalten in Pflege und Sozialer Arbeit“ bot kürzlich eine gemeinsame Veranstaltung der Wirtschaftsförderung des Kreises Offenbach und der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) eine Plattform für Impulse und konkrete Kontakte für diese besonders betroffenen Branchen. Die Runde wurde von Professorin Dr. Susanne Rägle, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Internationalisierung der Frankfurt UAS, sowie Landrat Oliver Quilling eröffnet. Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hochschule, sozialen Einrichtungen und Unternehmen nutzten die Gelegenheit zum Austausch.

Im ersten Teil der Veranstaltung stellten Studierende gemeinsam mit Dozentinnen und Dozenten Projekte vor, die unmittelbar in die Praxis wirken. Präsentiert wurden eine qualitative Studie zu Hitzeschutzkonzepten in stationären Pflegeeinrichtungen sowie ein Dissertationsvorhaben zur Sozialen Arbeit in Katastrophenfällen. Darüber hinaus wurde der Telepräsenzroboter „Temi” mit Anwendungsszenarien in der Pflege vorgeführt. Die Beiträge stießen bei den anwesenden Trägern auf großes Interesse und zeigten, wie praxisnahe Forschung Innovationen im Alltag ermöglicht.

„Technik kann unterstützen, allerdings ersetzt sie niemals Nähe, Trost und das Gespür für Zwischentöne. Pflege und soziale Arbeit sind Beziehungsarbeit. Sie leben von Empathie, Professionalität und Erfahrung – und genau das macht diesen Beruf so sinnstiftend“, machte Landrat Oliver Quilling deutlich. Aus diesem Grund stellten sich die Einrichtungen und Unternehmen im Laufe des Tages auch den Studentinnen und Studenten vor, um Kontakte für Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Abschlussarbeiten zu knüpfen. Ziel war es, Wege in eine qualifizierte Beschäftigung zu eröffnen und Einblicke in reale Anforderungsprofile zu geben.

„Bis 2040 benötigt Hessen alleine in der Altenhilfe zusätzlich rund 8.000 Pflegefachkräfte, während sich der Ersatz- und Erweiterungsbedarf in den Krankenhäusern auf gut 14.100 Vollzeitstellen summiert. Diese Größenordnung zeigt, wie dringend dort neue Kolleginnen und Kollegen gebraucht werden – und wie wichtig gute Ausbildungswege und attraktive Arbeitsbedingungen sind“, unterstrich Oliver Quilling. Studien des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur belegen bereits jetzt einen erheblichen Personalbedarf in den Bereichen Pflege und soziale Arbeit. Zudem entstehen durch Renteneintritte große Lücken. Gleichzeitig aber ergeben sich auch weitere Felder für soziale Berufe. „Die Region wächst, und mit ihr der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in sozialen und pflegerischen Berufen“, betont Prof. Dr. Susanne Rägle, Vizepräsidentin der Frankfurt UAS. „Wir verstehen uns als Partnerin der Region: Mit unserer Expertise in Nachhaltigkeit, Stadt- und Regionalentwicklung bringen wir Wissenschaft und Praxis zusammen, um den gesellschaftlichen Wandel aktiv mitzugestalten.“

Die Veranstaltung steht in einer Reihe gemeinsamer Formate, in denen Kreis und Hochschule seit 2017 partnerschaftlich zusammenarbeiten. Unter dem Dach von Standort Plus, einem gemeinsamen Wirtschaftsförderkonzept, kooperiert der Kreis mit den 13 Kommunen, der Industrie- und Handelskammer Offenbach sowie der Kreishandwerkerschaft. Ergänzend besteht mit der Frankfurt UAS die strategische Partnerschaft „Wissenschaft stärkt Wirtschaft“ für Wissenstransfer und Fachkräftesicherung. Ziel ist es, Wissen aus der Hochschule für Unternehmen und Verwaltungen nutzbar zu machen und dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen.

Die Partnerschaft mit der Frankfurt UAS bringt Forschung dorthin, wo sie gebraucht wird – zum Beispiel in Kindertagesstätten, soziale Dienste, Pflegeeinrichtungen und Kliniken. Wenn Lehre, Praxis und Träger am selben Tisch sitzen, entstehen Lösungen, die den Alltag besser machen und jungen Menschen klare Karrieremöglichkeiten eröffnen. Mehr zum Thema „Wissenschaft stärkt Wirtschaft“ ist unter www.standortplus.de/wissenschaft-stärkt-wirtschaft abrufbar.