Soziales Engagement stärkt den Zusammenhalt

Sieben Menschen werden am „Tag des Ehrenamtes“ ausgezeichnet

Der „Tag des Ehrenamtes“ war für sieben Menschen aus dem Kreis Offenbach ein ganz besonderer. Sie wurden im Rahmen einer Feierstunde im Kreishaus in Dietzenbach für ihr jahrzehntelanges Engagement ausgezeichnet. Die Auszeichnung „Anerkennung bürgerschaftliches Engagement“ erhielten Sabrina Berktold aus Seligenstadt, Elke Dubberstein aus Rodgau, Margrit Tobginski aus Dietzenbach, Hannelore Weiß aus Hainburg sowie Giovanni Micciché aus Mühlheim. Mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen wurden Helga Hatzfeld aus Neu-Isenburg und Stephan Reinhold aus Langen ausgezeichnet.

„Wer sich ehrenamtlich engagiert, hilft mit seiner Unterstützung Menschen und bereichert den Alltag vieler. Durch die freiwillige Arbeit in Vereinen, Organisationen und Initiativen entsteht etwas Wertvolles, das unsere Gesellschaft zusammenhält“, sagte Landrat Oliver Quilling bei der Überreichung der Auszeichnungen. Er betonte, dass durch das Ehrenamt Brücken gebaut werden. „Ob in der Nachbarschaftshilfe, bei der Kinderbetreuung, der Arbeit mit Geflüchteten, im Rettungsdienst, in der Kirchengemeinde oder im Sportverein – Ehrenamtliche sorgen dafür, dass Menschen, die Unterstützung brauchen, nicht allein sind. Sie schenken anderen Zeit und haben ein offenes Ohr“, so Oliver Quilling. Der Landrat betonte, dass eine Gemeinschaft nicht allein durch wirtschaftlichen Erfolg oder politischen Einfluss entstehe, sondern durch Menschen, die sich für andere einsetzten. 

Elke Dubberstein

Die Rodgauerin hat im TSV Dudenhofen 1889 einiges ins Rollen gebracht. Ihre Arbeit zeigt beispielhaft, dass ein verantwortliches Engagement verbunden mit Kontinuität im Ehrenamt großen Erfolg bringen kann. Wer die Entwicklung des Traditionsvereins betrachtet, insbesondere die Abteilung Einradfahren, stößt unweigerlich auf den Namen Elke Dubberstein. Seit über drei Jahrzehnten, genau genommen seit 1994, prägt sie als Abteilungsleiterin diesen Bereich. Sie ist mitten im Geschehen, in der Halle, auf Turnieren, bei Wettkämpfen, Shows und zeigt Kindern und Jugendlichen bei Projektwochen in Schulen, wie Balance und Geschicklichkeit zusammenpassen.

Gemeinsam mit ihrer Schwägerin Cornelia Dubberstein hat die engagierte Rodgauerin die Einradabteilung des TSV Dudenhofen von 1994 an aus dem Nichts aufgebaut. Was damals eine neue Idee war, wurde zu einer stabilen Gemeinschaft, die heute Anfängerinnen, Fortgeschrittene, Wettkampffahrer und eine Oldiegruppe vereint. Die 67-Jährige ist seit Jahrzehnten fast jeden Tag in Trainingshallen unterwegs, vermittelt Technik, Teamgeist und Disziplin, aber vor allem das, was man in der Psychologie intrinsische Motivation nennt. Sie gibt den Sportlerinnen und Sportlern Impulse für ihren inneren Antrieb, aus eigenem Interesse, aus Spaß an der Sache, auf das Rad zu steigen, ohne dass größere äußere Anreize erforderlich sind. Elke Dubberstein hat viele Kinder und Jugendliche begleitet, ihnen Selbstvertrauen vermittelt und gezeigt, Leistung und Gemeinschaftssinn können Freude bringen.

Über viele Jahre leitet sie Wettkampf- und Kürtrainings, organisiert Weihnachtsfeiern, betreut Schulprojekte und Arbeitsgemeinschaften, um den Nachwuchs zu fördern. Wenn Wettbewerbe, wie etwa die Hessen- oder Deutsche Meisterschaft anstanden, war sie als Trainerin, Unterstützerin, Vertreterin ihres Vereins oder auch als Jurymitglied dabei. Dass sie selbst, nach einer Knieverletzung, nicht mehr aktiv fahren konnte, hat an ihrem Einsatz nichts geändert. Im Gegenteil, sie führte die Abteilung weiter, organisiert, unterstützt und motiviert aus Überzeugung und mit Leidenschaft. 

Giovanni Micciché

Zum Tag des Ehrenamtes wird der Mühlheimer ausgezeichnet, da er mit seinem Engagement ein Zeichen gelebter Solidarität gesetzt hat. Sein Wirken ist beispielhaft für nachhaltige Integrationsarbeit im Kreis Offenbach. Der 73-Jährige versteht die Gesellschaft als ein Geflecht von Bindungen. Er hat seit mehr als 15 Jahren ein soziales Netzwerk aufgebaut. 2010 wurde er in den Ausländerbeirat der Stadt Mühlheim gewählt, wo er – mit kurzer Unterbrechung – bis dato auch stellvertretender Vorsitzender ist. Seit 2016 bringt er sich zudem im Kreisausländerbeirat Offenbach ein und übernimmt seit 2018 als stellvertretender Vorsitzender Verantwortung.

Giovanni Micciché ist ein Vermittler und Brückenbauer, der sich für den Zusammenhalt der Gesellschaft einsetzt und sich für alle starkmacht, die sich als Teil einer offenen, solidarischen Gemeinschaft verstehen. Bei seinem jahrelangen Engagement hat er in erster Linie die italienische Community vor Augen, doch auf lokaler Ebene handelt er stets nach dem Credo: „Wir sind alle Mühlheimerinnen und Mühlheimer – wie eine Familie.“ In einer Zeit, in der das soziale Miteinander wegen einiger Krisen und polarisierender Themen zu zerreißen droht, erfüllt der Mühlheimer das Wort Integration mit Leben. Für ihn ist gesellschaftlicher Zusammenhalt keine Selbstverständlichkeit.

Einen großen Teil seiner Integrationsarbeit gilt Seniorinnen und Senioren mit Migrationsgeschichte. Giovanni Micciché hat früh erkannt, dass Integration auch eine Frage des Alters ist. Teilhabe endet nicht mit dem Erwerbsleben, eine eigene kulturelle Identität spielt auch bei älteren Menschen eine wichtige Rolle. Damit beschäftigt er sich seit einigen Jahren im COMITES Frankfurt, dem offiziellen Gremium der im Ausland lebenden Italienerinnen und Italiener. Dank seines Engagements konnte auch in Mühlheim eine interkulturelle Ausrichtung der Seniorenarbeit etabliert werden, die bis heute Maßstäbe setzt.

Margrit Tobginski

Die ehemalige Lehrerin für Englisch und Musik hat mit ihrem Engagement ein deutliches Zeichen der Solidarität gesetzt und vielen Menschen den Neubeginn in Deutschland erleichtert. Seit der Gründung der Flüchtlingsinitiative Dietzenbach im Jahr 2014, die sich drei Jahre später zu einem gemeinnützigen Verein entwickelte, hat sie Geflüchteten aus ihrer Anonymität und Sprachlosigkeit geholfen. Ihr ehrenamtliches Engagement in der Integration reicht weit über die Vermittlung der deutschen Sprache hinaus. Sie hat Menschen eine Tür zu einem weitgehend selbstständigen Leben geöffnet und neu in Dietzenbach angekommenen Menschen Selbstvertrauen gegeben. Als erfahrene Pädagogin unterstützt sie Geflüchtete dabei, die sprachlichen und sozialen Hürden zu meistern – und das mit beispiellosem Engagement bis ins hohe Alter.

Sprachkompetenz hält sie für wichtig, denn wenn Menschen sich in einer gemeinsamen Sprache verständigen können, ist das der Grundstein für gelingende Integration. Wer sich versteht, kann andere besser verstehen. Kommunikation auf einer Wellenlänge stärkt das Wir-Gefühl. In der Integrationsarbeit ist Margrit Tobginski eine unverzichtbare Brückenbauerin. Ihre Arbeit während der Corona-Pandemie zeigt den Wert Ihres Engagements: Während der Corona-Pandemie hat sie durch einen individuell angepassten Online-Unterricht und persönliche Begleitung Familien in schwierigen Zeiten Orientierung gegeben.

Hannelore Weiß

Das Engagement der Hainburgerin begann unspektakulär und spontan: Als bei der Silberhochzeit einer Sängerin die Dirigentin kurzfristig ausfiel, sprang Hannelore Weiß ein und sorgte dafür, dass ein Hochzeitsständchen gesungen werden konnte. Sie machte ihre Sache so überzeugend, dass sie fortan zur festen Vizedirigentin des Frauenchores des Gesangvereins Harmonie Hainstadt 1885 e.V. wurde. Was sozusagen als Aushilfe begann, entwickelte sich zu einer langjährigen und tragenden Säule des Frauenchores.

Seit nunmehr rund zwei Jahrzehnten prägt sie den Frauenchor der Harmonie Hainstadt zuverlässig, gewissenhaft und mit einem feinen Gespür für musikalische und zwischenmenschliche Töne. Die ehrenamtlichen Aufgaben in ihrer Biografie stehen exemplarisch für den Kern bürgerschaftlichen Engagements: Sie hat die Initiative ergriffen und aus einem einmaligen Handeln eine dauerhafte Aufgabe gemacht. Als Vizedirigentin verkörpert sie Verlässlichkeit, musikalische Kompetenz und pädagogische Sorgfalt. Wenn der musikalische Leiter verhindert ist, führt sie den Chor souverän – mit klarem Takt, präziser Vorbereitung und einem offenen Ohr für jede Stimme.

Mit unermüdlichem Fleiß und einer beeindruckenden Akribie bereitet Hannelore Weiß die Proben vor – stets mit dem Ziel, das Beste aus den Sängerinnen herauszuholen und die musikalische Entwicklung des Chores voranzutreiben. Auch bei der Mitgliederwerbung für den Frauenchor zeigt sie besonderes Gespür. Mit großem Zeitaufwand erstellt sie Audio-Aufnahmen einzelner Stimmen, schneidet sie technisch versiert und stellt sie digital zur Verfügung. Damit ermöglicht Hannelore Weiß den Sängerinnen ein individuelles Üben. Durch diese akribische Vorarbeit können die Sängerinnen ihre Stimmen gezielt und effektiv verbessern, unabhängig von den regelmäßigen Proben.

Sabrina Berktold

Musik ist im Leben der Seligenstädterin tonangebend und die musikalische Jugendförderung eine große Leidenschaft. Die 39-Jährige gilt als Vorbild und zeigt, wie persönliches Engagement dem Wohle der Gemeinschaft dienen kann. Sabrina Berktold ist eine engagierte Dirigentin des Schülerorchesters der Stadtkapelle Seligenstadt, sie spielt im Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Mainflingen und macht sich als Vorsitzende der Landesmusikjugend Hessen e.V. für den musikalischen Nachwuchs stark. Sie hat einen großen Anteil an der positiven Entwicklung der Landesmusikjugend, die mit rund 10.000 Mitgliedern in 370 Vereinen eine bedeutende Plattform für die musikalische Jugendförderung in Hessen darstellt.

In der Landesmusikjugend Hessen fördert Sabrina Berktold mit viel Herzblut und fachlicher Kompetenz junge Talente. Sie sorgt dafür, dass Musikerinnen und Musiker die Chance erhalten, sich weiterzuentwickeln und in einer gemeinschaftlichen Umgebung Erfahrungen zu sammeln, die über die Musik hinausreichen. In einer Zeit, in der die Kluft zwischen digitalen und realen Welten immer größer zu werden droht, gelingt es ihr, den Jugendlichen eine authentische und lebendige Verbindung zur Musik zu vermitteln, die weit mehr ist als nur das Erlernen von Noten und Tönen. Als Dirigentin und Dozentin stellt die Diplom-Musiktherapeutin ihre Fähigkeiten und ihr Wissen in den Dienst der jungen Generation. In der Landesmusikjugend Hessen organisiert sie jährlich Veranstaltungen, Fortbildungen, Konzerte und Workshops.

Stephan Reinhold

In einer Zeit, in der der gesellschaftliche Diskurs rauer wird und Zusammenhalt statt Polarisierung gefragt ist, braucht es mehr denn je, ehrenamtlich engagierte Menschen, die mit ihrem sozialen Engagement Brücken bauen. Stephan Reinhold ist einer von jenen, die sich mit Herz und Verstand für das Gemeinwohl starkmachen. Der Langener handelt aus Überzeugung und aus einem demokratischen Verantwortungsgefühl heraus.

Seit fast zwei Jahrzehnten ist der 63-Jährige auf kommunalpolitischer Ebene aktiv und hat auch im Vorstand des CDU-Stadtverbandes Verantwortung übernommen. Die Aufgaben als Pressesprecher, Beisitzer und Schatzmeister sind für ihn mehr als nur ein parteiinterner Auftrag. Er gehört der Stadtverordnetenversammlung Langen seit 2012 an, ist im Ältestenrat aktiv und engagiert sich im Beirat für Ehrungen. Seit 2016 übernimmt er als Stadtverordnetenvorsteher die Moderation und bringt die Rednerinnen und Redner in hitzigen Debatten auf den Pfad der Sachlichkeit zurück.

„Der Kreistag, die Stadtverordnetenversammlung und die Gemeindevertretung können als das Herzstück unserer kommunalen Demokratie bezeichnet werden. Stephan Reinhold steht für einen Stil, der nicht trennt, sondern verbindet. Mit Weitblick, Ruhe und einem feinen Gespür für die Würde des Amtes führt er die Geschicke der Stadtverordnetenversammlung – und das in einer Art und Weise, die parteiübergreifend hohe Anerkennung genießt“, sagte Landrat Oliver Quilling in seiner Laudatio bei der Verleihung des Landesehrenbriefes.

Das Engagement des Stadtverordnetenvorstehers geht über die Kommunalpolitik hinaus. 2014 hat ihn der damalige Bürgermeister Frieder Gebhardt zum Willkommenspaten der Stadt Langen berufen. Bei dieser Aufgabe unterstützt Stephan Reinhold Fachkräfte aus dem Ausland, die in Langen Fuß fassen. Er hilft etwa bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche oder der Integration von Familien. „Diese Arbeit geschieht meist im Stillen, fernab von Mikrofonen oder Scheinwerfern – doch sie ist von unschätzbarem Wert für die Verringerung des Fachkräftemangels, das Gelingen der Integration und für ein menschliches Miteinander.

Helga Hatzfeld

Seit über zwei Jahrzehnten ist die Neu-Isenburgerin Impulsgeberin und setzt in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit Maßstäbe für eine offene, solidarische und generationengerechte Gesellschaft. Sie verkörpert ein aktives und vielfältiges Seniorenleben, das dank ihres Einsatzes vielen Menschen Lebensfreude, Orientierung und Mut gibt. Ihr Wirken steht exemplarisch für eine neue Kultur des Alters: aktiv und mit viel Gestaltungspotenzial.

„Helga Hatzfeld hat über all die Jahre auf eindrucksvolle Weise vorgelebt, was bürgerschaftliches Engagement in einer alternden, zugleich hochmobilen und zunehmend komplexen Gesellschaft leisten kann. In Neu-Isenburg und im Kreis Offenbach ist sie eine prägende Instanz für die Belange älterer Menschen. Mit all ihrer Lebenserfahrung, ihrer menschlichen Zugewandtheit, mit Disziplin und Verantwortungsbewusstsein hat sie stets die Interessen einer durchaus heterogenen Gemeinschaft der Älteren vor Augen“, sagte Landrat Oliver Quilling in der Feierstunde.

Der Eintritt in die Senioren-Union der CDU Neu-Isenburg 2002 markiert den Beginn ihrer Tätigkeit. Sie hat früh Vorstandsaufgaben übernommen und Veranstaltungen, Fahrten, Gesprächsformate, Begegnungen organisiert, Wissen vermittelt und sich für eine lebenswerte Infrastruktur insbesondere für Ältere starkgemacht. Helga Hatzfeld setzt sich für seniorenpolitische Themen ein. 2013 sprachen ihr die Mitglieder der Senioren-Union das Vertrauen aus und wählten sie zur Vorsitzenden, eine große Aufgabe, der sie sich zehn Jahre lang gewidmet hat. Für ihre Verdienste hat die Senioren-Union sie vor zwei Jahren zur Ehrenvorsitzenden ernannt.

Wer die Arbeit von Helga Hatzfeld begleitet, weiß, dass Titel für sie keine große Rolle spielen. Die Ernennung zur Ehrenvorsitzenden und die Verleihung der Konrad-Adenauer-Medaille sind ebenso wie der Ehrenbrief des Landes Hessen eine ganz besondere Anerkennung. Parallel zu ihrer Arbeit in der Hugenottenstadt beschäftigt sie sich auch seit zwölf Jahren im Vorstand der CDU-Senioren-Union der Kreisvereinigung Offenbach-Land mit der Verbesserung der Lebensverhältnisse älterer Menschen. Dabei schafft sie vielfältige Angebote, die das Zugehörigkeitsgefühl und den Zusammenhalt von Senioren stärken.

Auf kommunaler Ebene bringt sie sich mit all ihrer Lebenserfahrung und mit ihrem Talent zum Organisieren zeitweise in der Stadtverordnetenversammlung, bis heute im Magistrat, im Friedhofzweckverband sowie im Aufsichtsrat der Stadtwerke ein. „Mit der sozialen Arbeit hat Helga Hatzfeld dafür gesorgt, dass das Bild des Alters sich positiv verändert. Früher wurde mit dem sogenannten dritten Lebensabschnitt meist Senilität und Schwäche verbunden, heute sind Seniorinnen und Senioren aktiver denn je“, sagte Landrat Oliver Quilling in seiner Laudatio.