Thriller im historischen Ambiente

Klöster waren im Mittelalter Orte des Wissens. Hinter Mauern entstanden Texte. Regeln prägten den Alltag. Passend dazu führte eine Lesung im RegioMuseum Seligenstadt zurück in eine Zeit, in der ein Novize mit einem geheimen Auftrag unterwegs ist und die Politik bis in den Kreuzgang hineinreichte. Anfang März stellte Marc Weissenberger im RegioMuseum in Seligenstadt, seinen Verschwörungsthriller „Infamium“ vor. Knapp 40 Gäste besuchten den Abend, der Teil des Jubiläumsprogramms zum 50-jährigen Bestehen des Vereins zur Förderung des RegioMuseums Seligenstadt e.V. war.

Das Museum liegt auf dem Gelände des ehemaligen Benediktinerklosters in Seligenstadt. Genau diese historische Kulisse greift der Roman auf, der um das Jahr 1.000 nach Christus spielt und in die Welt der Benediktiner entführt. Im Mittelpunkt steht der junge Novize Ignatius. Er erhält den Auftrag, ein geheimes Buch nach Lauresham zu bringen. Auf seinem Weg gerät er in Auseinandersetzungen um die Kaiserkrone. Der Roman stützt sich auf sorgfältige Recherchen und verbindet das klösterliche Leben mit den politischen Umbrüchen jener Zeit.

Die Veranstaltung begann nach der Begrüßung durch die Museumsleiterin Doris Reitz-Bogdoll mit einer kurzen Einführung in die Arbeit des Vereins zur Förderung des RegioMuseums Seligenstadt e.V. durch dessen ersten Vorsitzenden Dr. Norbert Gassel. Der Förderverein unterstützt das Museum bereits seit einem halben Jahrhundert bei der Restaurierung von Exponaten oder der Durchführung von Sonderausstellungen. Anschließend stellte sich der Darmstädter Autor Marc Weissenberger vor und berichtete, dass er eher zufällig und durch seine Liebe zur Geschichte zum Schreiben gekommen sei. In einer Pause während der darauffolgenden Lesung wurde typisches Klosterbrot mit Schmalz und Kräuterquark gereicht. Danach schloss sich eine zweite Leserunde an.

Den Abschluss bildete eine Fragerunde mit dem Publikum. Zahlreiche Rückmeldungen betonten, dass die Lesung einen anderen Zugang zur Vergangenheit eröffnet habe. Geschichte erschien an diesem Abend nicht als fernes Kapitel, sondern als Erzählung, die im Moment entsteht, wenn jemand liest und andere zuhören. So blieb von der Veranstaltung vor allem ein Eindruck zurück: Kultur und Wissensvermittlung lassen sich verbinden, wenn ein Autor seinen Text nicht nur vorträgt, sondern darüber hinaus das Gespräch ermöglicht.

Weitere Informationen zum RegioMuseum und zum Jubiläumsprogramm sind im Internet unter www.kreis-offenbach.de/regiomuseum zu finden.