Wolfgang Kramwinkel erhält Bundesverdienstorden

Der Mühlheimer Tischlermeister Wolfgang Kramwinkel setzt sich seit Jahrzehnten für die Verbesserung der beruflichen Bildung und Arbeitsbedingungen im Handwerk ein. In den Arbeitgeberverbänden des Hessischen Handwerks, der Kreishandwerkerschaft, im Hessischen Handwerkstag, im Bundesinnungsverband für Tischler und Schreiner sowie in anderen Gremien der Branche fördert er den Nachwuchs im Handwerk und sorgt für eine stärkere Verzahnung der praktischen und akademische Ausbildung, um das Tischler- und Schreinerhandwerk attraktiver zu machen. Für sein ehrenamtliches Engagement über rund 35 Jahre wurde der 69-Jährige am Mittwochabend ausgezeichnet. Landrat Oliver Quilling überreichte Wolfgang Kramwinkel im Winterrefektorium des Klosters in Seligenstadt das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

„Wolfgang Kramwinkel lag es immer am Herzen, den Nachwuchs im Handwerk individuell zu fördern. Die Sicherung der Arbeitsplätze und Fortbildung der Gesellen und Meister hatte er schon im Fokus, als der Fachkräftemangel noch nicht so eklatant war wie heute“, sagte Landrat Oliver Quilling in seiner Laudatio. Er hob die Bedeutung des freiwilligen Dienstes hervor. „Das Ehrenamt ist eine starke Säule, die nicht vom Staat aufgebaut wurde, sondern die aus der Mitte unserer Gesellschaft kommt. Im Kreis Offenbach hat etwa ein Drittel der Bevölkerung in Vereinen, Organisationen und Initiativen ein Ehrenamt übernommen. Das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger ist ein Geschenk und ein Glücksfall für unser Zusammenleben, denn es bringt eine enorme Vielfalt an Freizeitmöglichkeiten mit Kunst, Kultur und Sport und eine große Unterstützung im sozialen Bereich.“

Landrat Oliver Quilling ging auf die Kampagne „Ehrenamt: Ein Glücksfall für den Kreis Offenbach“ ein, die die Vielfalt und positiven Erfahrungen der freiwilligen Arbeit deutlich macht und mit der weitere Menschen für das Ehrenamt motiviert werden sollen. „Mit ihrem Engagement in Organisationen, Verbänden oder Vereinen bereichern Tausende unseren Alltag. Sie schaffen Orte der Begegnung, des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung. Ohne die unermüdliche Arbeit der vielen Ehrenamtlichen wäre ein Großteil dieser Angebote gar nicht denkbar“, so Oliver Quilling.

Bei seiner ehrenamtlichen Arbeit, etwa in der Kreishandwerkerschaft, in der Handwerkskammer und Innung, setzt sich Wolfgang Kramwinkel dafür ein, dass das Handwerk auf goldenem Boden steht und dass vor allem junge Menschen im Berufsleben Freude spüren und Motivation entwickeln. Der Mühlheimer hat das Tischlerhandwerk von der Pike auf gelernt. Nach der Meisterprüfung führte er die Heinrich Kramwinkel GmbH in Mühlheim als Familienunternehmen in dritter Generation fort. Zunächst war er schwerpunktmäßig in der Region ehrenamtlich erfolgreich, später hat er sich dann auch für das Tischler- und Schreinerhandwerk in ganz Deutschland stark gemacht. Er arbeitete von 1987 an drei Jahre lang als Vorsitzender im Juniorenkreis Handwerk der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main mit. Die Handwerksorganisation hat deutschlandweit von seiner Kompetenz als erfahrener Meister, Betriebsinhaber und Familienunternehmer profitiert. Dabei war Wolfgang Kramwinkel immer die Verbindung zur Basis wichtig.

Seit 1997 war er in der Kreishandwerkerschaft Stadt und Kreis Offenbach federführend und unterstützte kleine und mittlere Betriebe mit all den Mitarbeitenden, die das Handwerk tragen und leben. Von 1996 bis 2018 engagierte er sich als stellvertretender Obermeister der Schreiner-lnnung. 1990 übernahm er im Vorstand der lnnung und 1994 im Vorstand der Kreishandwerkerschaft Verantwortung. Hinzu kamen tragende Funktionen in der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, in der er seit 1997 im Vorstand aktiv war. Seine Ideen und Ansichten zur Zukunftsgestaltung des Handwerks waren auch in der Vollversammlung und in wichtigen Ausschüssen gefragt. „Insbesondere als Kreishandwerksmeister hat Wolfgang Kramwinkel wesentlich dazu beigetragen, dass der wirtschaftsstarke Kreis Offenbach mit der guten Mischung aus Global Playern sowie kleineren Unternehmen seine prosperierende Entwicklung fortgesetzt hat. Das war Wirtschaftsförderung im besten Sinne“, so der Landrat.

Über den Tellerrand der Kommunen und des Kreises blickte Wolfgang Kramwinkel bei seiner Arbeit schon immer, doch vor rund 30 Jahren erweiterte er sein Arbeitspensum und verstärkte sein überregionales Engagement etwa im Vorstand des Fachverbandes Leben Raum Gestaltung Hessen/Rheinland-Pfalz. Von 2000 an hatte er zwölf Jahre lang das Amt des stellvertretenden Landesinnungsmeisters inne und wurde 2018 an die Spitze gewählt. Dank seiner Arbeit im Vorstand der Holzfachschule Bad Wildungen hat sich diese renommierte Bildungseinrichtung erfolgreich zur Bundesfachschule des Tischlerhandwerks weiterentwickelt.

Auf Bundesebene erstreckte sich das Engagement von Wolfgang Kramwinkel über den Zeitraum von 2009 bis 2014 als Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Holz und Kunststoff, dem Bundesinnungsverband für Tischler/Schreiner, Drechsler und Baufertigteilmonteure. Er organisierte eine bundesweite Kampagne zur Nachwuchsgewinnung und war maßgeblich an der Planung und Umsetzung einer Markenstrategie für das Tischler- und Schreinerhandwerk beteiligt.

Von der Hobelbank in die Sozialpolitik, so kann der Weg beschrieben werden. Er setzte sich für die tarifvertragliche Einführung einer arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge on top zur gesetzlichen Rentenversicherung ein. Diese schützt Handwerker vor Armut im Alter und bringt mehr Lebensqualität im Ruhestand.

Bereits 1997 verhandelte Wolfgang Kramwinkel in der großen Tarifkommission des Verbandes und ist seit sechs Jahren Vorsitzender des Ausschusses Sozial- und Tarifpolitik. Ebenfalls seit 2018 steht er Arbeitgeberverbänden des Hessischen Handwerks e.V. (AHH) als Präsident voran und ist ferner Vizepräsident des Hessischen Handwerkstages (HHT) sowie seit 2020 Vizepräsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU).

Der Mühlheimer legt neben seinem Einsatz für das Handwerk auf Landes- und Bundesebene auch viel Wert auf den lokalen Bezug und die Verbindung zu den Menschen in seiner Heimatstadt. In der Pfarrei Sankt Sebastian in Dietesheim ist er seit vielen Jahren aktiv. Manchmal schlüpfte er auch in eine ganz andere Rolle. Viele kennen ihn als Mitglied der Kolpingfamilie Dietesheim und freuten sich über mehr als drei Jahrzehnte, in denen er das Publikum als alleiniger Conférencier der Kappenabende begeisterte.

Oliver Quilling bedankte sich bei Wolfgang Kramwinkel dafür, dass er Themen angepackt hat, Mut gezeigt und Verantwortung übernommen hat. „Sie haben für das Handwerk und die Gesellschaft Großes geleistet“, so der Landrat.