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13.11.2018

Junge Flüchtlinge starten erfolgreich ins Berufsleben

Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern oder andere Begleitpersonen nach Deutschland kommen, sind nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz in besonderem Maße schutzbedürftig. Sie werden vom Jugendamt des Kreises Offenbach betreut. Das gilt auch für alle, die vor kurzem das 18. Lebensjahr vollendet haben. Sie erhalten weiterhin Unterstützung von der Jugendhilfe, bis sie es schaffen, in ein selbstständiges Leben zu starten. Zur Integration gehört, dass sie Deutsch lernen und mehr über die Strukturen und Gepflogenheiten in dem für sie fremden Land erfahren. Von den jungen Männern, die dezentral in den Kommunen des Kreises untergebracht sind, haben vergangenes Jahr 54 und in diesem Jahr 47 eine Ausbildung begonnen.

„Bei der Integration der Jugendlichen und jungen Volljährigen sind wir auf einem guten Weg. Die Unterstützung durch unsere Fachkräfte im Sozialdienst und durch die ehrenamtlichen Helfer trägt Früchte. Immer mehr junge Flüchtlinge können in den Arbeitsmarkt vermittelt werden und stehen jetzt auf eigenen Beinen“, sagte Kreisbeigeordneter Carsten Müller am Dienstag beim Besuch einer Wohngruppe in Dietzenbach. In diesem Jahr haben im Kreis Offenbach bisher 81 Heranwachsende die Jugendhilfe verlassen können. Sie besuchen beispielsweise berufsorientierte Maßnahmen, haben eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz gefunden.

Die Zahl der Flüchtlinge insgesamt und auch die der Minderjährigen ist seit der großen Welle 2015 zurückgegangenen. Vor drei Jahren musste der Kreis Offenbach zusätzlich zu den rund 2.000 Erwachsenen Flüchtlingen knapp 270 Jugendliche aufnehmen und betreuen, 2016 waren es 116 (1.980 über 18 Jahre) und vergangenes Jahr kümmerte sich die Jugendhilfe um weitere 42 neu Angekommene (340 Erwachsene). In diesem Jahr wurden dem Kreis Offenbach vom Regierungspräsidium bisher acht Jugendliche zugeordnet (370 Volljährige). Mit der Betreuung der derzeit rund 200 jungen Leute hat der Kreis unter anderem die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Diakonische Werk und die Christliche Flüchtlingshilfe (Egelsbach) beauftragt.

In Dietzenbach betreuen unter anderem die Fachkräfte der Sozialpädagogischen Familienhilfe Becker & Aliyeva minderjährige, unbegleitete Ausländer. Sozialpädagogin Fanara Becker und ihr Team kennen die jungen Leute seit ihrer Ankunft, als sie anfangs für ein paar Tage in einer Sporthalle untergebracht waren, dann im Göpfert-Haus wohnten und jetzt in der Kreisstadt in fünf dezentralen Wohngruppen mit zwei bis vier Plätzen leben. Die jungen Männer kommen unter anderem aus Afghanistan, Iran, Syrien oder Eritrea. Sie haben in den vergangenen Jahren das Bildungszentrum Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen, die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach, die Max-Eyth-Schule in Dreieich und die Rudolf-Steiner-Schule in Dietzenbach besucht. Einige schafften den Hauptschulabschluss. Mit Unterstützung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in Dietzenbach gelang es den jungen Leuten, Praktikumsplätze in Unternehmen zu finden. Viele davon mündeten jetzt in einer Ausbildung.

„Es war gut, dass wir den Beruf vorher kennengelernt haben. So kann man am besten sehen, ob es passt“, sagt Mujib Ahmadi. Der 19-Jährige aus Afghanistan hat bei Café Ernst in Neu-Isenburg einen Ausbildungsplatz gefunden und will Einzelhandelskaufmann werden. Er ist dankbar für diese Chance. Nach seinem beruflichen Wünschen gefragt, sagt er „selbständiger Schneider mit einem eigenen Gardinen-Geschäft. Ich kann gut nähen.“

Sein Landsmann in der Wohngruppe, Mustafa Rahimi (19), ist glücklich, bei der Firma Sigma Foto Deutschland in Rödermark ins Berufsleben starten zu können. Auch Mohsen Safari hatte mit seinem Praktikum und den Bewerbungsschreiben Erfolg. Der 18-jährige Iraner macht bei dem Frankfurter Unternehmen KPV (Kommunikation, Vertrieb, Planung) eine Ausbildung zum Elektroniker. Die anderen Heranwachsenden werden in den Arbeitsfeldern und Berufssparten Maler und Lackierer, Elektroniker, Kanal- und Rohrbau, Tiefbau, Tankstelle, Bäckerei, Einzelhandel, Logistik, Bau und Kfz-Handwerk ausgebildet. „Ohne junge Menschen mit Migrationshintergrund könnten die freien Ausbildungs- und Arbeitsplätze gar nicht besetzt werden. Hier zeigt sich, dass der Markt auf Zuwanderung angewiesen ist“, sagte Sozialdezernent Carsten Müller.

Mohsen Safari besucht wie die anderen Teenager seit seiner Ankunft im Kreis Offenbach einen Sprachkurs. Seine Deutschkenntnisse verbessern konnte er aber auch beim Zirkus Chicana in Dietzenbach, der Flüchtlinge eingeladen hatte, sich in der Manege auszuprobieren. Aus Sicht der Sozialpädagogin Fanara Becker war das Zirkus-Projekt in vielfacher Hinsicht wichtig. Die jungen Leute hatten Kontakt zu Einheimischen, und sie mussten sich in Deutsch verständigen.

„Beim Einüben der akrobatischen Nummern haben sie auch gelernt, nach einer Niederlage wieder auszustehen. Ich glaube, dass die Jugendlichen diese Erfahrung, durch ständiges Lernen, mit Motivation und Durchhaltevermögen zum Erfolg zu kommen, jetzt auch in ihrer Ausbildungszeit nutzen können“, sagte Kreisbeigeordneter Carsten Müller abschließend.