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21.06.2016

»PRO Prävention« - Neu im Kreis

Angesichts der zunehmenden Radikalisierung von Jugendlichen auch in Deutschland, ruft der Kreis Offenbach mit „PRO Prävention – Projekt gegen (religiösen) Extremismus“ ein neues Projekt ins Leben. Die EU stellt dafür Mittel aus ihrem Fonds für die Innere Sicherheit zur Verfügung. Auch das Land Hessen unterstützt das Projekt im Rahmen des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ mit rund 87.000 Euro. Am Dienstag überreichte der Hessische Minister des Innern und für Sport, Peter Beuth, dem Kreis Offenbach während der Auftaktveranstaltung zu "PRO Prävention" im Kreishaus in Dietzenbach einen entsprechenden Förderbescheid.

„Hessen hat in den vergangenen 24 Monaten eine beispiellose Präventionsoffensive gestartet und Extremisten in den Reihen unserer Gesellschaft den Kampf angesagt. Umso wichtiger ist es, dass die Bemühungen des Landes durch Initiativen der Kreise, Städte und Gemeinden ergänzt werden, um regionale und lokale Gegebenheiten und Entwicklungen besser berücksichtigen zu können. Deshalb begrüße ich es sehr, dass der Kreis Offenbach nun ein eigenes Projekt zur Extremismus-Prävention auf den Weg gebracht hat. Dieses lokale Engagement fördert das Land gerne“, so Innenminister Peter Beuth.

Rechtsstaatliche Garantien wie etwa das Recht auf Meinungsfreiheit, die Freiheit der Presse aber auch die Religionsfreiheit sind Errungenschaften, die im Grundgesetz fest verankert sind. „Mit dem Projekt wollen wir dem politischen und religiösen Extremismus, der diese demokratischen Grundwerte zu untergraben versucht, entgegentreten. Wir freuen uns, dass wir dabei finanzielle Unterstützung seitens der EU und des Landes Hessen erhalten“, betonte Landrat Oliver Quilling.

Im Kreis Offenbach leben Menschen aus rund 160 Nationen friedlich zusammen. „Allerdings ist ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft aufgrund der Ereignisse des vergangenen Jahres und der allgegenwärtigen Flüchtlingskrise verunsichert. Auf der anderen Seite gibt es Jugendliche mit Migrationshintergrund, die sich immer mehr radikalisieren. Hier wollen wir mit unserem Projekt "PRO Prävention" ansetzen und uns mit verschiedenen Fragen auseinandersetzen“, machte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger deutlich. „Wie kann es soweit kommen, dass sich Jugendliche für eine menschenverachtende Ideologie begeistern, in den Heiligen Krieg ziehen oder Halt in rechten Gruppierungen suchen. Wie wurden diese Jugendlichen zu radikalen Gegnern unserer Lebensweise? Was fasziniert hier aufgewachsene und sozialisierte Mädchen und Jungen am Salafismus oder an rechten Ideen? Wie können Eltern oder Lehrer eine Hinwendung Jugendlicher zum radikalen Islam oder zu rechtsradikalen Tendenzen erkennen?“

Neben dem Bemühen, möglichst präzise Antworten auf diese Fragen zu finden, will "PRO Prävention" aber vor allem Strategien entwickeln, wie sich solch individuelle Radikalisierungen erfolgreich verhindern lassen.

So will der Kreis Offenbach ein Netzwerk aus Migrantenorganisationen, Schulen, Jugendeinrichtungen und den Sicherheitskräften aufbauen, um Radikalisierungsprozesse frühzeitig zu erkennen und diese zu verhindern. Geschehen soll dies im Rahmen von Aufklärungsarbeit, gezielter Kontaktaufnahme und direktem Austausch mit Personen aus dem sozialen Umfeld von jungen Menschen, die sich merklich radikalisieren. Jäger: „Wir wollen so den weiteren Zulauf zu extremistischen Gruppen verhindern, deren Argumente entlarven und einer unsachlichen Agitation Fakten entgegensetzen.“

Darüber hinaus will "PRO Prävention" den Zugang extremistischer Gruppen zur muslimischen Bevölkerung und zu anfälligen gesellschaftlichen Gruppen durch Information und Aufklärung sowie durch andere geeignete Maßnahmen soweit wie möglich erschweren. Dazu gehören unter anderem Informations-, Schulungs- und Trainingsangebote für die Imame sowie für die Vorstände aller Moscheegemeinden über die Spielregeln einer demokratisch liberalen Gesellschaft, in der Gleichberechtigung, Meinungs- und Religionsfreiheit herrschen.

„Um radikale Tendenzen einzudämmen, brauchen wir zudem neben einem innerislamischen Diskurs über ein moderates Islamverständnis vor allem Vorbilder, die einen modernen Islam verkörpern und Jugendlichen Orientierung geben“, so Jäger weiter. „Wir benötigen eine Generation moderner Muslime! Dazu wiederum brauchen wir Chancengleichheit. Hier sprechen wir ganz klar von einer Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft! Und deshalb hat es sich "PRO Prävention" auch zum Ziel gesetzt, Menschen mit Migrationshintergrund, die eine liberale und demokratische Gesellschaft bejahen, als Vorbilder aufzubauen.“

Für all diese Vorhaben steht den beteiligten Akteuren und Kooperationspartnern eine Koordinierungsstelle als Ansprechpartner für die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen sowie für eine fundierte Beratung im Einzelfall zur Verfügung. Ein Kompetenzteam stellt darüber hinaus Informationen und Fachwissen über extremistische Entwicklungen und deren Auswirkungen sowie erprobte, erfolgversprechende Präventionsmaßnahmen zusammen und begleitet so die Arbeit von "PRO Prävention". Zudem gibt es ein Beraterteam, das bei interkulturellen Fragen Einrichtungen oder Institutionen zeitnah berät, Gespräche führt und im Konfliktfall schlichtend eingreift.

„Die Frage, wie Jugendliche davon abgebracht werden können, sich gesellschaftlich zu isolieren und sich extremistischen Vereinigungen anzuschließen, wird auch für die Zukunft des Kreises Offenbach von entscheidender Bedeutung sein. Gelingt das nicht, stehen wir am Anfang einer Spirale von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Ablehnung. Deshalb sind Projekte wie "PRO Prävention" so ungemein wichtig“, betonte Landrat Quilling abschließend.

Für das Projekt werden von der EU und dem Land Hessen insgesamt knapp 347.000 Euro Fördergelder bereitgestellt, die auf drei Jahre verteilt werden.