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21.02.2017

Projekt Pro Prävention - Workshop

Das Projekt Pro Prävention gegen (religiös begründeten) Extremismus des Kreises Offenbach zielt darauf ab, Menschen davor zu schützen, gesellschaftlich ins Abseits zu geraten, extremistische Einstellungen zu entwickeln und sich radikalen Gruppen anzuschließen. Im Fokus der Arbeit von Projektkoordinator Janusz Biene und Selver Erol, Leiterin des Integrationsbüros, stehen unter anderem Jugendliche und junge Erwachsene, die gefährdet sein könnten, wenn Salafisten sie ansprechen und sie für ihre Zwecke gewinnen wollen.

In einem über drei Monate laufenden Workshop haben sich im Rahmen des Projektes ein Dutzend Jugendliche aus dem Kreis Offenbach mit ihrer eigenen Identität auseinandergesetzt und viele Fragen an sich selbst und ihr soziales Umfeld gestellt, um herauszufinden, welche Themen, welche Werte für sie wichtig sind. Die erste Phase des mehrteiligen Workshops im Haus des Lebenslangen Lernens in Dreieich-Sprendlingen stand unter dem Titel „Nicht ohne meine Leute – Wir Gefühl und lokale Identität“. Die 13- bis 20-jährigen Teilnehmer aus Dreieich und Dietzenbach sprachen darüber, ob es in der pluralistischen Gesellschaft im Kreis Offenbach ein Wir-Gefühl gibt und wie das aussehen könnte.

„Für viele der Jugendlichen war es neu, sich so intensiv mit sich selbst zu beschäftigen und persönliche Antworten auf Fragen nach ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrem sozialen Umfeld und ihren Lebensentwürfen zu finden. Ich glaube, diese Erfahrung war für die jungen Leute äußerst wichtig, um zu wissen, auf was es ihnen im Leben ankommt und was sie auf keinen Fall möchten“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger am Dienstag bei der Verleihung der Urkunden an die Teilnehmer des Workshops.

Bei der Suche nach ihrer lokalen Identität stellte Workshop-Leiter André Taubert, Religionswissenschaftler und Sozialarbeiter, den Teenagern Fragen wie etwa Was gehört für Dich zum Zusammenleben? Welche Bedeutung haben für Dich Familie, Glaube, Religion, der Freundeskreis oder die Stadt, in der Du lebst? Bei den Gesprächen in der Gruppe kristallisierte sich heraus, welche Faktoren für ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen entscheidend sind. Die jungen Leute machten die Erfahrung, dass Identität oftmals ein Balanceakt ist und sich stetig erneuert. „Unsere Identitäten werden von unserer Umgebung geformt. An den Vorstellungen, was gut und wichtig ist, kann sich auch mal was verändern“, sagte ein 14-jähriger Teilnehmer des Workshops.

Welche Bedeutung hat Identität vor dem Hintergrund von Extremismus? „Wenn Jugendliche spüren, dass ihre Identität aus vielerlei Aspekten und Werten besteht und sie sich nicht allein, beispielsweise über Herkunft oder Religion definieren, sind sie in ihrer Persönlichkeit stärker“, sagt Janusz Biene, Projektkoordinator von Pro Prävention. Insbesondere die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der Umgebung, in der sie aufwachsen, kann dazu beitragen, sich zugehörig zu fühlen. Junge Menschen, die sich von der Gesellschaft ausgegrenzt sehen und sich ausschließlich über Glauben und Religion identifizieren, sind anfälliger, sollten sie von Salafisten angesprochen werden. „Dieses Ungleichgewicht in der Identität mit nur einem Merkmal, kann dazu beitragen, dass sich Menschen radikalisieren“, so Janusz Biene.

Auf der Basis der ersten Gruppenarbeit zur Identität und „Wir-Gefühl“ hat der Projektkoordinator ein Konzept für weitere Workshops ausgearbeitet, die demnächst in Schulklassen umgesetzt werden können. Bei dem jetzt zu Ende gegangenen Workshop haben sich die Teilnehmer intensiv mit Zugehörigkeit, Ausgrenzung und ihren eigenen Werten beschäftigt und darüber hinaus auch erste Erfahrungen im Journalismus gesammelt. Sie haben gelernt, wie man recherchiert, einen Artikel schreibt und sich auf ein Interview vorbereitet. Unter der Regie von Mehmet Canbolat, Journalist und Herausgeber der Wochenzeitung Toplum, der auch Ideengeber für dieses Zeitungsprojekt war, interviewte die Gruppe unter anderem Fachleute der Polizei oder etwa Selver Erol, Leiterin des Integrationsbüros des Kreises, zum Thema Extremismus und Identität. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden in einer Sonderbeilage der Zeitung Toplum veröffentlicht.

Der Kreis Offenbach arbeitet seit Sommer 2016 in dem Projekt Pro Prävention gegen den politischen und religiösen Extremismus. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der EU und vom Land Hessen gefördert.