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Was man beim Retten von Igeln beachten sollte 30.10.2017 

Im Herbst streifen Igel auf der Suche nach geeignetem Futter auch tagsüber herum. Sie versuchen, sich vor dem beginnenden Winterschlaf Gewicht anzufressen. Daher kann der aufmerksame Spaziergänger in diesen Tagen vermehrt Igel beobachten, die durch Vorgärten, Parks oder über Straßen laufen. „Manche Tierfreunde missverstehen jedoch die Situation und sorgen sich um das vermeintlich hilfsbedürftige Tier“, betont die Leiterin des Fachdienstes Veterinärwesen und lebensmittelrechtlicher Verbraucherschutz, Dr. Evelin Jugl. Doch diese Sorge ist oft unbegründet. Jugl: „Manche Igel schlafen bereits ab Mitte November, andere bleiben bis in den Dezember hinein aktiv. Ausschlaggebend für die Winterschlafbereitschaft ist vor allem die Menge der Fettreserven, die sich ein Igel gerade im Herbst und Winter verstärkt zulegt.“ Gerade junge Igel tummeln sich noch spät abends herum, um sich schnell noch einige Gramm Fett anzufuttern. „Werden sie eingesammelt, nimmt man ihnen die Chance sich den nötigen Winterspeck anzufressen. Besser ist es, ihnen etwas Futter hinzustellen“, macht Jugl deutlich. Verwaiste Igelkinder mit einem sehr niedrigeren Gewicht sowie Tiere, die nach Wintereinbruch (bei Schnee und Dauerfrost) noch herumlaufen benötigen in der Tat Hilfe.

Sie sollten wie kranke oder verletzte Igel jedoch in erfahrene Hände abgegeben oder unter sachkundiger Anleitung gepflegt werden. Hier helfen Vereine, die sich auf den Schutz von Igeln spezialisiert haben, gerne weiter. Ab Wintereinbruch beziehungsweise bei Temperaturen um die null Grad, hilft dann auch eine Zufütterung nicht mehr. Tiere, die nun noch umherstreifen, sind in der Regel krank oder untergewichtig, sie können sich bei Dauerfrost kein Nest mehr bauen, zudem verbrauchen sie aufgrund der Kälte nun mehr Energie um die Körperwärme zu halten. Deshalb erhöht sich ihr Gewicht nun auch durch Zufüttern nicht mehr. Diese Tiere benötigen eine Überwinterung in menschlicher Obhut. Wichtig dabei ist, dass sie, sofern sie gesund sind, in einen Raum mit mindestens 18 Grad Raumtemperatur auf das erforderliche Winterschlafgewicht von ungefähr 600 bis 700 Gramm gebracht werden. Sind die Vorbereitungen auf den Winterschlaf soweit abgeschlossen kann man die Temperatur langsam senken und den Igel bei unter sieben Grad schlafen lassen. „Sie sollte nicht höher liegen, da die Igel sonst in einen kräftezehrenden Dämmerschlaf verfallen bei dem sie enorm Energie verbrauchen. Daher sind auch die zunehmend milden Winter für Igel ein Problem. Sie wachen immer wieder auf oder liegen nur im Halbschlaf, was enorm an ihren Energiereserven zehrt. Igel erwachen während des Winterschlafs zwar immer mal für kurze Zeit, werden diese Aufwachphasen jedoch zu häufig und auch zu lang kann es für leichtgewichtige Igel gefährlich werden“, erklärt Jugl.

Igel, die in menschlicher Obhut überwinterten, sollten im Frühjahr auf jeden Fall wieder an der Stelle ausgewildert werden, an der sie gefunden worden sind. Die Auswilderung sollte allmählich, unter anfänglicher Zufütterung erfolgen. „Nimmt man einen verletzten oder kranken Igel auf, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man die volle Verantwortung für das Tier übernimmt. Eventuell muss ein Tierarzt aufgesucht werden, außerdem muss die artgerechte Unterbringung und Versorgung bis zur Wiederauswilderung sichergestellt werden“, so Jugl. Auch hier helfen entsprechende Vereine oder Tierschutzorganisationen.

„Am besten ist Igeln übrigens mit einer naturnahen Gestaltung des Gartens geholfen“, so der Tipp der Amtstierärztin. Ein naturfreundlicher Garten bietet nicht nur gute Versteckmöglichkeiten in Laub-, Reisighaufen und niedrigem Gebüsch, sondern mit Regenwürmern, Schnecken und Käfern auch viel geeignete Igelnahrung. Eine sogenannte „Igelburg“ bietet den Tieren ein optimales Winterquartier. Sie besteht aus einem einfachen Holzkasten, der mit ausreichend Laub und Reisig überdeckt wird. Diese „Igelburgen“ können auf ganz einfache Weise selbst gebaut werden. „Gerade für Kinder ist das eine besonders spannende Aufgabe“, so Jugl abschließend.