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21.05.2019

Kreis Offenbach bildet Flüchtlinge zu Busfahrern aus

Der Fachkräftemangel in allen Branchen macht vielen Firmen zu schaffen. Aufträge können nicht bearbeitet werden, es entstehen lange Wartezeiten. Auch der öffentliche Nahverkehr ist mittlerweile betroffen. Es kommt häufig zu Ausfällen. Ein Thema, das auch dem Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH (kvgOF), Andreas Maatz, Sorgen bereitet. Denn in der Region fehlen Busfahrer. Der Zustrom von Flüchtlingen bringt zwar auch neue potenzielle Fahrer, doch dafür müssen Sprachprobleme und Bürokratie überwunden werden. Der Kreis Offenbach gibt in Zusammenarbeit mit der Kreisverkehrsgesellschaft nun 15 Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, bis Ende Dezember eine Teilqualifikation zum Busfahrer zu absolvieren. Sie waren zuvor aus einem Pool von 80 Bewerbern ausgewählt worden.

„Für die vor Ort tätigen Verkehrsunternehmen wird es immer schwieriger, geeignetes und motiviertes Fahrpersonal zu finden. Die Gründe sind vielfältig, das Ergebnis häufig bei allen Unternehmen identisch: recht hohe Fluktuation, neues Personal aus Süd- oder Osteuropa, in Teilen keine oder geringe Deutschkenntnisse, überschaubare Serviceorientierung und Motivation im Sinne des Kunden, kaum Reserven bei Krankheit oder anderweitig bedingten Ausfällen“, weiß Andreas Maatz zu berichten.

Die Kreisverkehrsgesellschaft hat sich daher an die Pro Arbeit, das Jobcenter des Kreises Offenbach, gewandt. „Gemeinsam mit drei Verkehrsunternehmen aus der Region wurde ein Projekt für die Qualifikation von Busfahrern mit Migrationshintergrund entwickelt“, betont Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. „Zusätzlich zu der Weiterbildung zum Busfahrer absolvieren die Teilnehmer dabei ein Modul, das den Erwerb bestimmter beruflicher Kompetenzen beinhaltet - etwa das Kennenlernen der gängigen Umgangsformen im Servicebereich, die korrekte Ausgabe von Tickets, das Erlernen von Tarifen sowie ein berufsbezogenes Sprachtraining.“

Sechs weitere Bewerber mit guten Deutschkenntnissen absolvieren darüber hinaus einen lediglich sechsmonatigen Kurs zum Busfahrer beziehungsweise zur Busfahrerin. „Wir freuen uns, dass wir auch eine Frau in diese Qualifikation aufnehmen konnten. Der Beruf des Busfahrers ist längst keine Männerdomäne mehr. Die Verkehrsunternehmen im Kreis freuen sich über jede neue Busfahrerin“, macht Claudia Jäger deutlich.

Die beiden Gruppen werden gemeinsam durch eine Fahrschule sowie durch den Arbeitgeberservice der Pro Arbeit betreut und intensiv auf den Abschluss vorbereitet. „Denn die Prüfung vor der IHK ist durchaus anspruchsvoll“, erläutert der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller. Gerade Teilnehmer mit Migrationshintergrund haben immer wieder Schwierigkeiten mit dem komplizierten Prüfungsdeutsch. „Das gilt besonders für Flüchtlinge, die erst vor ein oder zwei Jahren mit dem Erlernen der deutschen Sprache begonnen haben“, so Müller weiter. Die Prüfungsfragen der Industrie- und Handelskammer sind nämlich auf Deutsch und nur mit einem hohen Lernaufwand sowie mit einem sehr guten Verständnis unserer Sprache zu lösen. „Damit letztlich alle die Prüfung schaffen, unterstützen wir jeden Teilnehmer, wo es nur geht. Am Ende werden die meisten daher als Busfahrer im Kreis Offenbach und der Region unterwegs sein. Da bin ich sehr zuversichtlich“, erklärt Müller. „Den rein technischen und praktischen Part bewältigen die Teilnehmer in der Regel ohne größere Probleme.“

Alle 21 Busfahrer in spe haben übrigens von den am Projekt beteiligten Verkehrsunternehmen bereits eine Jobzusage erhalten; vorausgesetzt, sie bestehen ihre Busführerscheinprüfung. „Das Ganze ist also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so Sozialdezernent Carsten Müller abschließend. „Denn wenn die künftigen Busfahrer hier aus dem Kreis kommen und hinterher auch im öffentlichen Nahverkehr in der Region tätig sind, bindet sie das an unsere Partnerfirmen und verringert die Fluktuation. Wir, als Kreis, wiederum haben einen Hilfeempfänger in einen Job mit Perspektive vermittelt.“