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07.11.2019

Hochkarätig besetztes Podium diskutiert über Brexit

Das Europe Direct Relais Rhein-Main hat am vergangenen Freitag unter dem Motto „Time to say goodbye?“ zu einer Diskussion zum Brexit in das Isenburg-Zentrum eingeladen. Nach der Begrüßung durch Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner, diskutierten Landrat Oliver Quilling, Europastaatssekretär Mark Weinmeister, der britische Honorarkonsul Dr. Andreas Fabritius sowie der Vorsitzende der Deutsch-Britischen Gesellschaft Rhein-Main Nick Jefcoat und beantworteten darüber hinaus die Fragen des Publikums. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Und jetzt? – EUropa hat gewählt", die die vier hessischen Europe Direct Informationszentren (EDICs) und die Hessische Staatskanzlei anbieten.

Großbritannien ist nicht, wie ursprünglich geplant, am 31. Oktober 2019 aus der Europäischen Union ausgetreten, sondern hat nochmals um Aufschub bis zum 31. Januar 2020 gebeten. Im kommenden Monat wird es außerdem Neuwahlen in Großbritannien geben. Viel Gesprächsstoff für das hochkarätig besetzte Podium, das auch den Fragen „Was bedeutet der Brexit, aber auch ganz konkret die Fristverlängerung, für die Region, Deutschland, Europa und natürlich Großbritannien?“ und „Welche Konsequenzen erwarten Wirtschaft, Bürger und Politik?“ nachging. Zwei eigens aus dem nahen Dreieich angereiste Schulklassen der Heinrich-Heine-Europaschule beteiligten sich ebenfalls lebhaft an der Diskussion – sehr zur Freude der Podiumsteilnehmer.

Den Beginn machte Mark Weinmeister. Er erklärte: „Das Brexit-Chaos hat uns jetzt mehr als drei Jahre in Atem gehalten und alle Beteiligten wünschen sich endlich Klarheit. Unternehmen haben für viel Geld immer wieder umgeplant, Warenlager aufgebaut und wieder abgebaut. Das kann so nicht weitergehen.“ Trotzdem sei es richtig, Großbritannien nun noch eine weitere Frist einzuräumen, um sich zu sortieren. „Unser oberstes Ziel muss es nach wie vor sein, den harten Brexit zu verhindern, der massive wirtschaftliche Folgen hätte, aber insbesondere den Frieden in Nordirland gefährden würde“, sagte der Europastaatssekretär weiter.

Landrat Oliver Quilling betonte ebenfalls die wirtschaftlichen Aspekte des Brexits. Auch im Kreis Offenbach seien viele Unternehmen mit Großbritannien verbunden, die dort Produktionsstätten besäßen und für die das Exportgeschäft wichtig sei. Daneben seien auch andere wichtige Branchen, wie Automotive und Logistik, im Kreis Offenbach vertreten, die vom Brexit betroffen sind. Der Landrat rief dennoch zur Besonnenheit auf: „In dieser Situation sollten wir Ruhe bewahren und an guten gemeinsamen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien arbeiten, um wirtschaftlich für Kontinuität zu sorgen.“

Aber der Brexit hat nicht nur Auswirkungen auf Unternehmen. Nick Jefcoat, Vorsitzender der Deutsch-Britischen Gesellschaft Rhein-Main, erläuterte die ganz persönlichen Konsequenzen des Brexits: „Ich habe vor einiger Zeit die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, da lange unklar war, wie die Rechtslage für Briten in der EU nach dem Brexit sein würde in Hinblick auf Lebens- und Arbeitsbedingungen. Jetzt bin ich Brite und Deutscher, fühle mich gleichzeitig als Frankfurter und Sachsenhäuser und Europäer, eigentlich als Weltbürger. Aber beim Fußball drücke ich weiterhin England die Daumen.“

Und wie sieht Großbritannien die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union? Der britische Honorarkonsul Dr. Andreas Fabritius dazu: „Obwohl Großbritannien die EU verlässt, wird es weiterhin ein Teil von Europa sein. Obwohl Großbritannien nicht mehr in den Institutionen der EU vertreten sein wird, wird es weiterhin europäisch denken. Insbesondere ist unser Ziel, unsere enge Partnerschaft mit Deutschland fortzuführen und zu intensivieren."

Am Ende der Veranstaltung zog das Europe Direct Relais ein positives Fazit. Aus den Beiträgen der Podiumsteilnehmer und Gäste wurde deutlich, dass der Brexit zwar Auswirkungen auf viele Lebensbereiche haben kann, Panik allerdings unangebracht sei. Es besteht kein Interesse an einem harten Bruch. Vielmehr arbeiten alle Beteiligten kontinuierlich an konstruktiven Lösungen. 

Zum Hintergrund

Das Europe Direct Relais Rhein-Main beim Kreis Offenbach ist seit 2005 Teil des Europe Direct Netzwerks der Europäischen Kommission und informiert die Öffentlichkeit über die Europäische Union. Zu den Angeboten gehören kostenfreie Informationsmaterialien, das Beantworten von Anfragen sowie ein breites Veranstaltungsangebot. Eine weitere wichtige Funktion ist, die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger nach Brüssel zu tragen und somit die Kommunikation zwischen der europäischen und lokalen Ebene zu befördern.