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13.11.2019

Zu Fuß zur Schule statt im Elterntaxi

Der Kreis Offenbach und die Landesverkehrswacht Hessen hatten in der vergangenen Woche die Schulleitungen der Grundschulen ins Kreishaus zu einer Informationsveranstaltung zum Phänomen „Elterntaxi“ eingeladen. „Immer häufiger müssen sich Schulgemeinden, Kommunen und Polizei mit diesem Thema befassen“, beschrieb die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger die Ausgangslage, „da durch die sogenannten Elterntaxis zunehmend Probleme verursacht werden. Dabei treffen die unterschiedlichen Interessen direkt aufeinander: einerseits Eltern, die ihre Kinder im Auto bis vor das Hoftor der Schule fahren wollen, und andererseits Eltern, die ihren Nachwuchs zur Schule laufen lassen. Letztendlich ist der Raum vor den Schulen sehr begrenzt und es begegnen sich Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer auf engstem Raum. Eine Gefahr entsteht dadurch besonders für Grundschulkinder, die im Straßenverkehr oft noch sehr unerfahren sind, schwierige Situationen kaum einschätzen können und sich zudem leicht ablenken lassen.“

Jens Leven vom Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation in Wuppertal sowie Sylvia Wiersing und Heike Mühlhans von der ivm GmbH (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain) in Frankfurt zeigten in ihren Vorträgen Problemlagen und Alternativen zum Elterntaxi auf. „Darin wurde deutlich, dass Lösungsansätze nur dann tragfähig sind, wenn sie gemeinsam angegangen werden“, führte die Erste Kreisbeigeordnete aus. Dazu sei neben viel Geduld und Überzeugungsarbeit auch Kreativität gefragt. Schulen, Eltern, Verkehrswacht und Ordnungsbehörden müssen demnach eng zusammenarbeiten. Nur, wenn alle Beteiligten eingebunden sind, lässt sich das Problem wirklich bewältigen. „Die Erfahrung zeigt, dass ebenjene Konzepte angenommen werden und hervorragend funktionieren, die für Kinder attraktiv sind und gleichzeitig den Eltern das Gefühl vermitteln, dass ihr Nachwuchs sicher zur Schule kommt“, erklärte Claudia Jäger.

Ein gelungenes Beispiel aus dem Kreis Offenbach ist der „Laufbus“ der Freiherr-vom-Stein-Schule in Rodgau-Dudenhofen. Wie ein richtiger Schulbus hat der „Laufbus“ Haltestellen und einen Fahrplan. Grundschulkinder treffen sich an festgelegten Punkten zu festen Zeiten und gehen den Schulweg gemeinsam. In den ersten Wochen begleiten Eltern die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis diese fit genug sind, alleine zu laufen. In Dudenhofen gibt es vier Linien, die aus allen Himmelsrichtungen zur Grundschule führen. Das Laufbusprojekt steht und fällt mit dem Engagement der Eltern.

„Wenn Kinder zu Fuß in die Schule gehen, ist dies auch ein Beitrag zum Klimaschutz“, sagte Claudia Jäger. „Jeder Weg, der nicht mit dem Auto zurückgelegt wird, ist ein Gewinn für die Umwelt. Gleichzeitig lernen die Schülerinnen und Schüler so ihre Wohnumgebung besser kennen. Darüber hinaus haben Gehen und Radeln auch einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Durch den selbstständigen Weg zur Schule werden zusätzlich die Eigenverantwortung und das Selbstbewusstsein der Kinder gefördert. Wir als Kreis sind uns bewusst, dass an vielen Schulen bereits einiges in Bewegung ist.“ Die Schulwegsituationen können aber an einzelnen Schulen noch optimiert werden. Zu diesem Thema liegen konkrete Beratungsangebote vor. Die ivm zum Beispiel, die für genau solche Untersuchungen vom Land Hessen gefördert wird, kann jederzeit von Kommunen oder den Schulen direkt kontaktiert werden. Die Expertinnen und Experten verfügen über das entsprechende Know-how und können diese Dienstleistungen aufgrund der Landesförderung so anbieten, dass keine Kosten für die Auftraggeber entstehen. Für jede teilnehmende Schule erstellen die Fachleute einen sogenannten Schulwegesteckbrief, in dem alle Wege detailliert analysiert und individuelle Lösungen aufgezeigt werden.

Ein weiteres interessantes Projekt, um Kinder und Jugendliche an eine selbstständige Verkehrsteilnahme zu gewöhnen, ist der Wettbewerb Schulradeln, der vom Land Hessen ausgelobt wird. Interessierte Schulen organisieren Projektgruppen und die Schülerinnen und Schüler erradeln gemeinsam Kilometer, die am Jahresende addiert und ausgewertet werden. „Durch das Wettbewerbselement wird den Kindern zusätzlicher Spaß bei der autonomen Schulwegegestaltung vermittelt. Insbesondere die Einhardschule in Seligenstadt war in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht sehr aktiv. Ihr gelang es dreimal in Folge bei der Auswertung der gefahrenen Kilometer Platz eins in Hessen zu erzielen und eine Auszeichnung von Staatsminister Tarek Al-Wazir zu erhalten“, führte die Erste Kreisbeigeordnete erfreut aus. „Darüber darf aber nicht das große Engagement der vielen anderen Schulen vergessen werden, die ebenfalls sehr erfolgreich an diesem Landeswettbewerb teilnehmen. Der Kreis Offenbach unterstützt ihn aktiv, nimmt zusätzlich auch eine eigene Auswertung vor und zeichnet die erfolgreichsten Schulen seinerseits aus. Damit möchten wir einen weiteren Beitrag dazu leisten, die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu steigern.“ Sichere Schülerradrouten lassen sich auch unabhängig des Wettbewerbs ganz einfach online planen. Mehr Informationen sind dazu unter www.kreis-offenbach.de/schülerradroutenplaner abrufbar.

Der Kreis Offenbach arbeitet seit Jahren in seinem Leitbild Mobilität mit der ivm, der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH (kvgOF) und der Hochschule Darmstadt (h_da) an kreativen Lösungen und neuen Möglichkeiten, das Thema Mobilität auch in Zukunft nachhaltig zu gestalten. Sichere Schulwege sind dabei ein wichtiger Aspekt. Einen detaillierten Überblick über die Ziele, Projekte und aktuellen Veranstaltungen des Leitbilds gibt es unter www.kreis-offenbach.de/Leitbild-Mobilität.