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06.12.2019

Wirtschaft und Mobilität

Rekordbeteiligung beim 12. Mobilitätsforum

Wie Wirtschaft und Mobilität zusammenhängen und welche Konzepte und innovative Ideen es für ein gutes Zusammenspiel braucht, darüber haben Verkehrsexperten beim Mobilitätsforum des Kreises Offenbach im Kreishaus in Dietzenbach gesprochen. Beim zwölften Treffen gab es eine Rekordbeteiligung von 140 Teilnehmenden.

Bei der Verbesserung der Mobilitätsangebote setzt der Kreis Offenbach verstärkt auf die Zusammenarbeit im Verbund der Kommunen sowie auf ein Zusammenspiel verschiedener Verkehrsträger. „Die Herausforderungen eines sich stark veränderten Mobilitätsverhaltens können nur in einem gut vernetzten System gemeistert werden. Je stärker das Räderwerk im Gesamtkonzept mit motorisiertem Individualverkehr, öffentlichem Nahverkehr, Radfahrenden und anderen Verkehrsteilnehmern verzahnt ist, umso besser kommen die Menschen an ihr Ziel“, sagte Landrat Oliver Quilling beim Mobilitätsforum.

Der Kreis Offenbach hat bereits vor fünf Jahren begonnen, ein Leitbild Mobilität zu entwickeln. Bei der Umsetzung kooperiert der Kreis, der auch Gründungsmitglied der AG Nahmobilität des Landes Hessen ist, mit allen 13 Kommunen und anderen kompetenten Partnern. Dazu zählen neben engagierten Bürgerinnen und Bürgern auch die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH (kvgOF), die Gesellschaft für Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region FrankfurtRheinMain mbH (ivm), die Landesverkehrsbehörde Hessen Mobil und die Hochschule Darmstadt (h_da). Deren Dekan am Fachbereich Bauingenieurwesen, Professor Dr. Jürgen Follmann, ist im Prozess der Umsetzung des Leitbildes Mobilität des Kreises Offenbach federführend. Der Mobilitätsexperte hat einer Jury unter Vorsitz von Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn seine Arbeiten zur Verkehrssicherheit und Nahmobilität – auch aus dem Kreis Offenbach – vorgelegt und ist dafür jetzt in der Kategorie „Transfer“ mit dem Wissenschaftspreis 2019 der Hochschule Darmstadt ausgezeichnet worden.

Professor Dr. Jürgen Follmann sieht Mobilität immer als Teamsport. Je mehr Leute bei der Verkehrswende mitmachen, umso größer ist der Erfolg, von dem alle einen Gewinn haben. Das gilt auch für viele Beschäftigte von Unternehmen, die vor der Frage stehen, mit welchem Verkehrsmittel sie zur Arbeit kommen. Die Kreisverkehrsgesellschaft, Fachleute der ivm sowie die Industrie- und Handelskammer Offenbach am Main (IHK) bieten Firmen das kostenfreie Beratungsprogramm „Südhessen effizient mobil“ an. Dabei erarbeiten die Experten für Unternehmen im Rahmen des „Betrieblichen Mobilitätsmanagements“ einen maßgeschneiderten Mobilitätsplan, von dem sowohl die Arbeitnehmer als auch die Firma profitieren.

In einer modernen Industriegesellschaft sind Handel und Wandel nur möglich, wenn Menschen und Waren in Bewegung bleiben. Zur Wirtschaft im Kreis Offenbach gehören deshalb auch vielfältige Angebote von Transportdienstleistungen, deren Zahl weiterwächst.

Eines wurde im Verlauf des Mobilitätsforums deutlich: Auf Kommunen kommt mehr Verantwortung zu. Vor allem in der Logistik und bei Paketlieferdiensten müssen Städte und Gemeinden künftig eine aktivere Rolle spielen, stärker mitgestalten und den Weg in eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur vorgeben. „Der steigende Online-Handel sorgt auch im Kreis Offenbach für Wirtschaftswachstum. Wir alle bestellen per Mausklick. Die Folge ist, dass Sendungen an Privathaushalte den größten Teil des Paketmarktes ausmachen. Wir brauchen deshalb künftig gute Konzepte, wie die Pakete zu uns kommen und abgeholt werden, ohne dass große, laute Lieferwagen ständig durch die Wohngebiete fahren oder oft in der zweiten Reihe parken“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger beim Mobilitätsforum.

Weil mehr Paketstationen in den Kommunen auch mehr Verkehr bringen, sollten Städte und Gemeinden nach Ideen für den Lieferverkehr suchen, meinte Professor Dr. Axel Wolfermann von der Hochschule Darmstadt. Elektro-Lastenräder, Multi-Shops und mehr Paketstationen in Wohnvierteln könnten eine Verkehrsentlastung bringen. Für eine schnelle Belieferung würden mehr innerstädtische Depots benötigt. Wolfermann empfahl, alle Akteure einzubinden, um Lösungen für den Lieferdienst auf dem letzten Kilometer zu finden.

Kommunen müssten mit Blick auf den zunehmenden Paketlieferverkehr schon jetzt gestaltend eingreifen. Gefragt seien weitere Angebote für den Radverkehr, speziell für Lastenfahrräder oder etwa mehr Ladezonen. Logistik sollte als eine Aufgabe der Bauleitplanung verstanden werden. Nachhaltiger Lieferverkehr bedeute ein Plus an Mikro-Depots und mehr städtische Verteilflächen, so Professor Wolfermann.

„Wenn Kommunen im Kreis Offenbach künftig Strategien für einen verträglichen Paketlieferdienst entwickeln, können sie durch eine Zusammenarbeit Synergien nutzen und voneinander lernen, denn die Problematik ist fast überall gleich“, so Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der kvgOF und Präsidiumsmitglied im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ist. Kooperation ist beim Thema Mobilität ohnehin ein wirksames Rezept, denn für Verkehrsprobleme gibt es keine rote Ampeln oder Stopp-Schilder, sie machen vor keiner Stadt- oder Kreisgrenze Halt.

„Im Kreis Offenbach bewegt sich derzeit sehr viel, um die wachsende Zahl an Menschen schnell, sicher und komfortabel an ihre Ziele zu bringen. Weniger Verkehr in den Städten heißt nicht weniger Mobilität, sondern mehr Lebensqualität. Bei der Umsetzung unseres Leitbildes Mobilität sind wir auf einem guten Weg“, so Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger.