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28.01.2020

Berufsbetreuer gesucht

Im Interesse der Menschen, die Hilfe benötigen

Es gibt Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Angelegenheiten alleine zu regeln. Sie vereinsamen, bezahlen ihre Rechnungen nicht, verschulden sich oder versäumen Behördentermine. Unterschiedliche Gründe können die Ursache sein, dies reicht von gesundheitlichen Problemen, wie Demenz oder psychischen Erkrankungen, bis hin zu schwierigen Persönlichkeiten. Wenn auch Angehörige die Betreuung nicht übernehmen können, setzen die Amtsgerichte Berufsbetreuer ein, um die Interessen dieser Menschen in einem oder mehreren Bereichen zu wahren. Diese Aufgabenkreise können Gesundheitssorge, Aufenthaltsbestimmung, Vermögenssorge, Wohnungsangelegenheiten, Vertretung des Betroffenen in gerichtlichen Verfahren oder gegenüber Behörden, Entscheidung über den Fernmeldeverkehr des Betroffenen und über die Entgegennahme und das Öffnen und Anhalten von Post sowie die Geltendmachung von Rechten des Betreuten gegenüber Bevollmächtigten sein. Oft entstehen auch unterschiedliche Problemlagen, die zu bewältigen sind.

Im Kreis Offenbach benötigten im Jahr 2018 3.158 Menschen eine Betreuung, 1.363 davon durch einen der aktuell 124 Berufsbetreuer, die auch bei anderen Amtsgerichten außerhalb des Kreises Offenbach bestellt sind. Während im Jahr 2016 rund 35 Prozent der Betreuungsverfahren von Berufsbetreuern geführt wurden, waren es im Jahr 2018 bereits über 42 Prozent. „Auch wenn immer noch die Mehrzahl der Menschen (55,6 Prozent) durch Angehörige betreut werden, so steigt die Zahl der Menschen, die auf eine professionelle Betreuung angewiesen sind“, unterstreicht Landrat Oliver Quilling die Bedeutung der Berufsbetreuung. „Dies liegt einerseits an immer weniger existierenden Familienverbünden und andererseits an den immer komplexer werdenden Betreuungsfällen, in denen Angehörige mit der gesetzlichen Betreuung überfordert sein können. Zudem sind viele unserer Berufsbetreuer an den Grenzen ihrer Kapazität angekommen oder gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. Deswegen suchen wir dringend Personen, die diese wichtige Aufgabe übernehmen.“

Die Betreuungsbehörde, die beim Kreis Offenbach Teil des Fachdienstes Gefahrenabwehr- und Gesundheitswesen ist, ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen, die sich im Zusammenhang mit der rechtlichen Betreuung und der Erstellung von Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen ergeben. Eine Hauptaufgabe der Betreuungsbehörde ist, das Gericht im Verfahren zur Anordnung einer Betreuung zu unterstützen, indem sie über die persönlichen Lebensumstände des betroffenen Menschen einen Sozialbericht erstellt und dem Gericht einen Betreuervorschlag unterbreitet. Dazu sucht die Betreuungsbehörde Berufsbetreuer. Für diese selbstständige Tätigkeit kommen Personen in Frage, die eine Ausbildung oder ein Studium in Sozialarbeit, Sozial- oder Heilpädagogik, Pädagogik, Pflege, Jura, Medizin oder im kaufmännischen Bereich beziehungsweise in der Verwaltung abgeschlossen haben. Darüber hinaus sind sowohl formale, wie beispielsweise die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses und einer Schufa-Selbstauskunft, als auch organisatorische Kriterien, beispielsweise Erreichbarkeit und Mobilität, zu erfüllen. Als Berufsbetreuer gilt, wer mehr als 20 Wochenstunden als gesetzlicher Betreuer tätig ist oder mehr als zehn Betreuungsverfahren führt. Die Vergütung erfolgt je nach Qualifikation und als Fallpauschale.

Jenny-Lee Cruz aus Obertshausen ist seit zwei Jahren als Berufsbetreuerin für den Kreis Offenbach tätig. Die Sozialarbeiterin hat insgesamt 37 Fälle und ist aktuell in 33 Betreuungsverfahren im Kreis Offennach als gesetzliche Betreuerin bestellt. „Die Bandbreite ist dabei wahnsinnig bunt gemischt“, berichtet Jenny-Lee Cruz aus ihrer alltäglichen Arbeit. „Es sind alle Altersklassen und Lebenslagen dabei. Das reicht vom 20-Jährigen, der eine geminderte Intelligenz hat, bis hin zum über 80-Jährigen mit Demenz. Diese vielfältige Mischung ist eine spannende Herausforderung und macht die Aufgabe so interessant.“ Aufmerksam auf die abwechslungsreiche Tätigkeit als Berufsbetreuerin wurde sie bereits im Studium an der Hochschule. Ein Dozent, der selbst eine Nebentätigkeit als Berufsbetreuer ausübte, berichtete über seine Arbeit. Das weckte die Neugier bei der 36-Jährigen, die sich zunächst intensiv mit den Aufgaben und Anforderungen an eine Berufsbetreuerin befasst hat. Nach etwa eineinhalb Jahren hat sich Jenny-Lee Cruz entschieden als Berufsbetreuerin zu arbeiten und hat es seither nicht bereut.

„Dieser Einblick in den Alltag der Berufsbetreuung zeigt, dass es eine spannende Tätigkeit ist“, ergänzt Oliver Quilling. „Es ist eine Aufgabe, die einerseits sehr viel Durchsetzungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein sowie andererseits sehr viel Einfühlungsvermögen erfordert. Jede Person ist anders, jeder Fall ist individuell und eine neue Herausforderung. Die Betreuer unterstützen diese Personen im Sinne eines ‚rechtlichen Managements‘.“

Wer sich vorstellen kann, als gesetzlicher Berufsbetreuer oder als gesetzliche Berufsbetreuerin zu arbeiten, kann sich beim Kreis Offenbach, Fachdienst Gefahrenabwehr- und Gesundheitswesen – Betreuungsbehörde, Gottlieb-Daimler-Straße 10 in Dietzenbach, Telefon 06074 8180-63780, E-Mail betreuungsbehoerde@kreis-offenbach.de über die detaillierten Anforderungen informieren.