Römische Gartenkunst im RegioMuseum: Vortrag stieß auf große Resonanz

Ein Garten war in der römischen Welt weit mehr als nur Schmuck. Er stand für Lebensart, Bildung und das kulturelle Selbstverständnis seiner Besitzer. Wie eng Natur, Architektur und Alltagskultur in der Antike miteinander verbunden waren, zeigte ein Vortrag im RegioMuseum in Seligenstadt, der auf großes Interesse stieß. Rund 70 Gäste im Alter von 30 bis über 90 Jahren kamen zu der Veranstaltung „Rus in fenestra oder Ein Landgut auf dem Fensterbrett“. Viele von ihnen waren zum ersten Mal bei einem Vortrag im RegioMuseum. Dr. Carsten Amrhein, der Leiter des Römerkastells Saalburg, sprach über römische Gartenkunst und nahm das Publikum mit auf eine fachkundige Reise durch verschiedene Rekonstruktionen antiker Gartenanlagen in Europa. Dabei spannte er den Bogen von den Ziergärten in Pompeji bis zu den Rekonstruktionen an der Saalburg.

Deutlich wurde dabei, dass römische Gärten nicht allein ästhetischen Zwecken dienten. Sie waren ebenso Ausdruck eines Lebensgefühls, mit dem man sich ein Stück Landleben in die Stadt holen wollte. Amrhein zog jedoch auch die römischen Nutzgärten in seinen Vortrag mit ein. Er zitierte Cato mit dem Satz, der Bauer nenne den Garten „die zweite Speckseite”. Daran zeigte sich, dass der Gartenbau in der Antike nicht allein der Verschönerung diente. Er war auch für die Ernährung von großer Bedeutung. Vor allem Gemüse wurde angebaut. Kohl, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch waren Grundnahrungsmittel, aber auch Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen kamen in so gut wie jedem Gemüsegarten vor. Salate wie Lattich, Zichorie, Gartenkresse oder Fenchel sowie Wurzelgemüse wie Rüben, Rettich, Karotten und Mangold ergänzten den Speiseplan.

Mit der Veranstaltung setzte das RegioMuseum Seligenstadt seine Reihe zum 50-jährigen Jubiläum des Vereins zur Förderung des RegioMuseums Seligenstadt e.V. fort. Gleich zu Beginn lobte der Referent die Gestaltung des Saales. Noch nie habe er einen Vortrag in einem so sorgfältig dekorierten Rahmen gehalten, so Amrhein. Das Publikum würdigte die Ausstellungsstücke – darunter Pflanzenarrangements der Gärtnerei Fischer, ein Tischbrunnen von Gartenbau Köhler sowie weitere Dekorationen aus dem Museumsbestand – mit Beifall. Nach dem Vortrag bildeten sich um die ausgestellten Kompositionen Gesprächsgruppen. Viele Gäste tauschten sich über Pflanzen, Gartenbilder und eigene Erfahrungen aus. Der Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Norbert Gassel, und Museumsleiterin Doris Reitz-Bogdoll dankten abschließend Carsten Amrhein mit einem Bocksbeutel vom Abtsberg. Der Abend klang bei einem Umtrunk und anregenden Gesprächen aus. Mehr zum RegioMuseum gibt es unter www.kreis-offenbach.de/RegioMuseum.