„Demokratie bauen!“: Was uns Gebautes über Freiheit und Mitbestimmung erzählt
KulturRegion startet Themenreihe zu Rathäusern und Gemeinschaftsbauten
Monarchien bauen Schlösser – was und wie baut Demokratie? Was erzählen Architektur, Baugeschichte und die Nutzung öffentlicher Orte über demokratische Prozesse? Die Themenreihe „Demokratie bauen!“ des Projekts „Geist der Freiheit“ in der KulturRegion lädt ein breites Publikum in der Rhein-Main-Region dazu ein, Rathäuser, Bibliotheken, Dorfgemeinschaftshäuser, Sitzungsorte, Quartiere, Schwimmbäder und Plätze in den Blick zu nehmen. Ausgehend von ihrer Gestaltung, Baugeschichte und Nutzung: Was lässt sich über Demokratie und ihre Geschichte, aktuelle Fragen, über demokratisches Handeln und Werte erzählen? Wie repräsentieren Bauten die kommunale Selbstverwaltung? Wie gestalten sich Bürgerhäuser, Schulen, Gemeinschaftsgärten oder Schwimmbäder als demokratische Orte? Wie sieht gebaute Demokratie in der Zukunft aus?
Das Projekt findet im Rahmen der World Design Capital 2026 statt. Es verbindet unterschiedliche Perspektiven und Formate. Es gibt Veranstaltungen und dokumentarische Beiträge, Workshops für Schulklassen und ein Projekt mit Studierenden. Führungen und Exkursionen machen von Mai bis Dezember 2026 besondere Orte der Demokratie erlebbar. Informationen zu den Schwerpunkten und Terminen sind ab sofort auf der Website und im Veranstaltungskalender unter www.krfrm.de veröffentlicht.
Rathaustouren zu 14 Rathäusern, vom Mittelalter bis zur Gegenwart
Fünf Tagesexkursionen mit Bus, ÖPNV oder Rad verbinden jeweils Rathäuser in kleinen und größeren Orten. Rathäuser stehen für kommunale Selbstverwaltung, die eine wichtige Säule der Demokratie ist. Sie stiften lokale Identität und prägen das Zusammenleben. Die Touren laden dazu ein, diese Orte neu zu entdecken. Vor Ort erläutern jeweils Expert*innen die lokalen Geschichten und Besonderheiten der Bauwerke. Teilnehmende erhalten Einblicke in Ratssäle – Orte, an denen Entscheidungen fallen, die unseren Alltag prägen.
Die erste Tour „Drei Rathäuser, drei Geschichten“ startet am 31. Mai. Sie führt mit dem ÖPNV vom Frankfurter Römer über Offenbach am Main bis nach Heusenstamm. Am 12. September geht die „Die Taunustour“ mit dem Bus von Bad Soden über Eppstein nach Idstein und am 19. September werden die „Rathäuser per Rad“ von Rüsselsheim und Bischofsheim besucht. Weitere Touren führen nach Groß-Umstadt, Michelstadt, Miltenberg, Hanau, Aschaffenburg und Hainburg. Dort steht eines der modernsten Rathäuser der Region, das mehrfach für seine Bauweise ausgezeichnet wurde. Kooperationspartner der Touren sind die Stiftung Orte der Deutschen Demokratiegeschichte, Volkshochschulen, Archive, Museen, Städte und Gemeinden.
Gesprächsreihe „Dorfgemeinschaftshäuser gestern und heute“
Gemeinschaftsbauten wie Schulen, Bibliotheken, Mehrzweckhallen oder Schwimmbäder kennen alle. Hier wird Freiheit und Gleichheit im Alltag erlebbar. Auch „dritte Orte“ oder „Maker Spaces“ kennen viele aus eigener Erfahrung. Aber viele wissen nicht, dass es schon seit den 1950er Jahren Dorfgemeinschaftshäuser als Orte der Begegnung gibt. Orte, die von unterschiedlichen Menschen gemeinsam genutzt, gestaltet und mit Leben gefüllt werden.
Eine dreiteilige Impulsreihe lädt zum Austausch über Geschichte, demokratische Bedeutung und gegenwärtige Entwicklungen von Dorfgemeinschaftshäusern in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet ein. Sie sind zentrale Treffpunkte im ländlichen Raum. Hier kommen Menschen zusammen. Hier entsteht Gemeinschaft. Die Reihe bringt Gemeinden, Vereine und Interessierte ins Gespräch zu den Fragen: Was braucht es vor Ort? Was funktioniert gut? Konkrete Beispiele machen deutlich, dass Dorfgemeinschaftshäuser sich mit der Gesellschaft verändern. Neue Nutzungen entstehen und alte Funktionen wandeln sich. Vieles hängt davon ab, wer sich einbringt.
Die Veranstaltungen knüpfen an die Geschichte dieser Häuser an und schauen zugleich nach vorn. Anlässlich „80 Jahre Hessen“ erinnern sie auch an Heinrich Fischer und seine Idee einer „sozialen Aufrüstung des Dorfes“. Und sie zeigen, warum diese Orte bis heute wichtig sind – für Zusammenhalt, Austausch und Demokratie.
Die erste Veranstaltung findet am 20. Juni im ersten Dorfgemeinschaftshaus Hessens, dem Heinrich-Fischer-Haus in Hanau-Mittelbuchen statt. Weitere Termine folgen in Taunusstein und Mühltal. Alle Interessierten sind eingeladen, sich die Häuser anzuschauen und mitzudiskutieren.
„Wir bauen mit!“: Führungen, Vorträge und Workshops
Über 20 Projektpartnerinnen Projektpartner in der Rhein-Main-Region öffnen ihre Gemeinschaftsräume. Sie laden das interessierte Publikum dazu ein, diese Orte neu zu erleben, zu reflektieren und mitzureden. Unter dem Titel „Wir bauen mit!“ entsteht ein vielfältiges Programm.
Die Formate sind offen und nah am Alltag. Es gibt generationenübergreifende Begegnungen, Führungen, Gespräche und Workshops an besonderen Orten: auf öffentlichen Plätzen, im Ratssaal, in der Konzerthalle oder im Kreishaus. Bürgerhäuser und Bibliotheken werden musikalisch bespielt und besungen und Kunst am Bau im Landratsamt vorgestellt.
Schulworkshops: Demokratie vor Ort entdecken und gestalten
In Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum sind Schulklassen und Kurse in der KulturRegion eingeladen, gebaute Gemeinschaftsorte in ihrer Umgebung neu zu entdecken. Dazu gehören Schulen, Bürgerhäuser, Rathäuser, Schwimmbäder, Jugendzentren und öffentliche Plätze. Ausgangspunkt sind Gestaltung, Baugeschichte und Nutzung.
Die Jugendlichen schauen genau hin. Sie erkunden Orte, die sie gut kennen, sehen sie mit neuen Augen und untersuchen, was demokratische Planung und Gestaltung ausmacht: Wie werden Werte wie Gleichberechtigung, Menschenwürde und Freiheit im Gebauten sichtbar? Was erzählen Klassenzimmer oder Schulgebäude über unsere Gesellschaft?
Dabei geht es auch um eigene Ideen. Die Teilnehmenden entwickeln erste Skizzen für die Demokratie der Zukunft. Sie entwerfen, wie Gemeinschaftsorte morgen aussehen könnten – und bringen ihre Perspektiven aktiv ein.
Studierende erforschen gebaute Demokratie
Auch Studierende im Masterstudiengang Architektur der University of Applied Science (kurz: UAS) in Frankfurt am Main richten den Blick auf konkrete Orte. Im Fokus stehen Gemeinschaftsbauten der Nachkriegsmoderne im Rhein-Main-Gebiet. Im Seminar arbeiten sie mit Fallbeispielen, Archivrecherchen und Analysen öffentlicher Debatten entlang der Fragen: Wie sind diese Gebäude entstanden? Wie wurden Entwurf und Nutzung ausgehandelt? Und wie wurden sie nach der Fertigstellung angenommen und verändert? So entsteht ein genauer Blick auf ihre Geschichte und auf ihre Wirkung bis heute. Die Studierenden machen sichtbar, wie eng Architektur und gesellschaftliche Entwicklung verbunden sind.
„Die Sitzung ist eröffnet!“ Ausstellung unterwegs in der Region
Unter dem Motto „Die Sitzung ist eröffnet! Räume lokaler Demokratie in Rhein-Main“ bringt die KulturRegion ab September 2026 eine besondere Ausstellung in Bewegung. Leuchtstelen mit Informationen zu Sitzungsorten reisen durch die Region und machen an Orten der lokalen Demokratie Station.
In Kooperation mit der Stiftung Orte Deutscher Demokratiegeschichte und World Design Capital 2026 werden 20 Orte porträtiert. Dazu gehören zum Beispiel die Räume von Ortsbeiräten oder Jugendparlamenten.
Die Ausstellung zeigt, wo und wie vor Ort entschieden wird. Sie erzählt von Gremien, ihrer Geschichte, Mitwirkungsmöglichkeiten und von Menschen, die sich engagieren.
„Demokratie bauen!“ ist einer von vier Schwerpunkten der KulturRegion im Designjahr 2026. Die KulturRegion bündelt diese unter dem Leitmotiv „Demokratie gestalten!“. Es bringt die zentralen Handlungsfelder der KulturRegion auf den Punkt. Seit ihrer Gründung steht sie für Teilhabe, kulturelle Vielfalt und Mitgestaltung. Damit stärkt sie eine lebendige Demokratie in der Rhein-Main-Region. Mit „Demokratie bauen!““ und den drei weitere Schwerpunkten „Demokratie üben“, „Demokratie pflanzen“ und „FrankfurtRheinMain auf dem Weg in die Moderne“ lädt die KulturRegion dazu ein, Demokratie vor Ort zu erleben – in Kulturorten, bei Workshops, Führungen und Mitmach-Angeboten für alle Generationen. Ob Dorfgemeinschaftshaus, Gemeinschaftsgarten oder historische Innovationsorte: In der gesamten Region öffnen sich Räume zum Entdecken, Mitreden und Mitgestalten.
Ein Faltblatt zu „Demokratie gestalten!“ liegt kostenfrei in Rathäusern, Bürger- und Touristinfos, Parks und einigen Kultureinrichtungen aus. Außerdem ist es in der Geschäftsstelle der KulturRegion in der Poststraße 16 am Frankfurter Hauptbahnhof erhältlich. Alle Veranstaltungen sind zudem im Online-Kalender der KulturRegion vollständig aufgeführt und werden dort aktualisiert.
„Demokratie bauen! Rathäuser und Gemeinschaftsbauten gestern und heute“ ist ein Projekt im Rahmen der World Design Capital 2026. Die Ausstellung „Die Sitzung ist eröffnet! Räume lokaler Demokratie in Rhein-Main“ wird gefördert durch die Stiftung Orte Deutscher Demokratiegeschichte.