Wein, Geschichten und Gesang im RegioMuseum

In Seligenstadt ist Wein seit Jahrhunderten mehr als nur ein Getränk. Er gehört zur Geschichte des Ortes, zum klösterlichen Alltag und zur wirtschaftlichen Entwicklung. Genau dieser Zusammenhang stand im Mittelpunkt eines Wein-Kultur-Events im historischen Weinkeller der ehemaligen Benediktinerabtei, das auf große Resonanz stieß. In ihrem Grußwort betonte die Leiterin des RegioMuseums, Doris Reitz-Bogdoll, dass Wein an diesem Ort seit jeher weit über den bloßen Genuss hinausreiche. Er stehe für kulturelle Überlieferung und für die wirtschaftliche Entwicklung Seligenstadts. Zugleich gehöre er zur Gastfreundschaft des Hauses und sei in manchen Zeiten auch ein Ausdruck von Trost gewesen.

Die ausverkaufte Veranstaltung war Teil der Reihe zum 50-jährigen Jubiläum des Vereins zur Förderung des RegioMuseums. Sie erinnerte daran, wie eng dieser Ort seit mehr als 1.200 Jahren mit Geschichte, Kultur und Wein verbunden ist. Walter Scharwies erwies sich dabei einmal mehr als stilvoller Erzähler und sicherer Moderator. In kurzweiliger und niveauvoller Form führte er durch die Jahrhunderte der Weinkultur. Er griff Sprüche und Sagen auf. Auch überlieferte Weisheiten fanden ihren Platz. Hinzu kamen historische Bezüge zu Königshäusern, Dichtern und Denkern sowie zur Welt der Klöster.

Großen Anklang fand zudem der kulturgeschichtliche Blick auf den Weinbau in der Region. Deutlich wurde, dass die frühen Anfänge bei Hörstein weit mehr als nur Landwirtschaft waren. Der Weinbau wirkte sich vielmehr direkt auf das klösterliche Leben aus. Er hatte darüber hinaus Einfluss auf die Art und Weise des Wirtschaftens. Auch der Handel mit der freien Reichsstadt Frankfurt wurde davon mittelbar geprägt. So wurde zugleich sichtbar, wie eng Seligenstadt schon damals überregional vernetzt war. Zur Sprache kamen außerdem das Ritual des Löffeltrunks und die dazugehörigen Aufzeichnungen, die im RegioMuseum ausgestellt sind. Dadurch wurde einmal mehr deutlich, wie sehr Wein über die Jahrhunderte hinweg Wohlstand und Traditionen bestimmt hat.

Einen besonderen musikalischen Akzent setzte Theresa Zänglein-Unger, die von Florian Hofmann an der Gitarre begleitet wurde. Mit ihrer ausgebildeten Sopranstimme und einer ebenso mitreißenden wie souveränen Darbietung gewann sie das Publikum in kurzer Zeit für sich. Zu den Gästen zählten Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten Kreis Offenbach sowie aus umliegenden Städten und Gemeinden. Viele von ihnen betraten den historischen Weinkeller zum ersten Mal. Der starke Applaus für Walter Scharwies und die anregenden Gespräche nach dem Programm machten deutlich, dass sich die Museumsräume an solchen Abenden in einen höchst lebendigen Ort des Erlebens und Erfahrens verwandeln.

Mehr zum RegioMuseum und den Events gibt es unter www.kreis-offenbach.de/RegioMuseum.