Bundesverdienstkreuz für Brückenbauerin

Jutta Loesch für soziales Engagement ausgezeichnet

Die Neu-Isenburgerin Jutta Loesch engagiert sich seit Jahrzehnten im sozialen Bereich. Die ehemalige Lehrerin hat eine Brücke in die Ukraine gebaut und organisiert Hilfsgütertransporte in die Region Berehowe, wo Menschen unter Armut und dem Krieg leiden. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde ihr eine große Ehre zuteil. Landrat Oliver Quilling hat Jutta Loesch am Freitag in einer Feierstunde auf Gut Neuhof in Dreieich das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

„Ohne den Einsatz ehrenamtlicher Kräfte etwa im Sozialdienst, in Vereinen, Organisationen und Initiativen müssten wir in unserer Gesellschaft auf Vieles verzichten. Die freiwillige Arbeit bringt uns allen mehr Lebensqualität und im Falle des Engagements von Jutta Loesch konkrete Hilfe für Menschen in einer schwierigen Situation“, sagte Landrat Oliver Quilling bei der Verleihung der Auszeichnung.

Bei einer Studienreise in die Ukraine sah Jutta Loesch vor mehr als 20 Jahren viele hungernde Kinder und eine große Not der Menschen. Dieses emotionale Erlebnis gab ihr den Impuls, eine großangelegte Hilfsaktion zu starten. Sie gründete die Initiative „ . . . täglich Brot für Beregovo“, aus dem der Verein „Täglich Brot für Beregovo – Hilfe für Menschen in Transkarpatien e.V.“ in Neu-Isenburg entstanden ist. Dank des Engagements von Jutta Loesch und dem vieler Unterstützerinnen und Unterstützer entwickelte sich die vor 25 Jahren ins Leben gerufene Initiative zu einem großartigen Hilfsprojekt.

„Mit viel Mut, Organisationstalent, schier unerschöpflicher Energie und noch mehr Herzenswärme ist es Dir und deinem Team gelungen, über Jahrzehnte hinweg eine nachhaltige Hilfe aufzubauen. Du hast bereits mehr als 90 Hilfsgütertransporte organisiert, warst selbst etliche Male in Berehowe, um Dir an Ort und Stelle ein Bild von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten und der Infrastruktur zu machen. Dabei hast Du Dich persönlich davon überzeugt, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie dringend benötigt wird, und konntest immer wieder sehen, woran es aktuell mangelt“, so Landrat Oliver Quilling.

Beregovo, der Name der Stadt und des Hilfsprojektes, stammt aus der russischen Sprache. Mit Blick auf das Land des Aggressors heißt die Kommune inzwischen Berehowe. Dort arbeitet Jutta Loesch seit einem Vierteljahrhundert mit der Diakonie, beziehungsweise dem Diakonischen Zentrum der Reformierten Kirche in Transkarpatien, als verlässlichem Kooperationspartner zusammen. Die Mitglieder der Kirche kümmern sich um Tausende von Menschen, die aus dem Osten des Landes vor dem Angriff Russlands geflohen sind. Dank der Initiative von Jutta Loesch konnte die Versorgungsküche des Diakonischen Zentrums in Berehowe ausgestattet werden. Das Spendengeld wurde außerdem für den Aufbau und die Förderung eines Altenheimes, eines Mutter-Kind-Heimes, eines Demenz-Heimes, eines Bauernhofes und der Schulen verwendet.

„Das Engagement von Jutta Loesch verdient Respekt und Anerkennung. Beeindruckend ist dabei besonders, dass sie immer wieder Menschen motivieren kann, zu spenden, zu helfen oder wie etwa die Jugendlichen der Goetheschule beim Beladen des Lkws mitanzupacken“, so der Landrat in seiner Laudatio. „Jutta Loesch, die ‚Unerschütterliche‘, schreckt niemals vor einem anfänglichen ‚Nein‘ eines Bischofs, eines Behördenleiters, eines Rathauschefs oder Landrats zurück. Selbst Dr. Heinz-Horst Deichmann brachte sie mit einem Telefonat dazu, 5.000 Gummistiefel für das Sinti-und Roma-Dorf in Berehove zu stiften. Eigentlich sollten es sogar 10.000 Stiefel sein. Doch der Transportaufwand war selbst für Jutta Loesch zu aufwendig.“ Die große Hilfsbereitschaft, Ausdauer und Zielstrebigkeit der ehrenamtlichen Arbeit der Neu-Isenburgerin basiert auf ihrer christlich geprägten Grundeinstellung und dem Prinzip der Nächstenliebe.

Die Spenden für das Hilfsprojekt kommen von Menschen und sind für Menschen. Jeweils zwölf bis 16 Tonnen Hilfsgüter transportieren die Lastwagen von Neu-Isenburg in die Westukraine. Bisher gab es etwas mehr als 90 Fahrten auf der rund 1.300 Kilometer langen Strecke gen Osten. Auf der Ladefläche befinden sich meist Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, leistungsstarke Generatoren, medizinische Hilfsgüter, Möbel und weitere dringend benötigte Dinge. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich der Umfang der Hilfslieferungen noch einmal deutlich erhöht.

Zum vielseitigen Engagement von Jutta Loesch gehört auch ihr ehrenamtliches Wirken bei der Integration von Flüchtlingen in Neu-Isenburg. Sie setzt sich für Frauen mit Migrationserfahrung und Geflüchtete ein. Auch hat sie den Handarbeitskreis „Nähen und Deutschlernen“ ins Leben gerufen und mit der Gruppe eine Brücke nach Berehowe aufgebaut. Der Erlös aus dem Verkauf der Handarbeitssachen kommt den Menschen in der Ukraine zugute.

Landrat Oliver Quilling betonte in seiner Dankesrede, dass Jutta Loesch mit dem Aufbau der Verbindung zu Berehowe und den Hilfsgüterlieferungen Pionierarbeit geleistet habe. Der Kreis Offenbach nutzte das Fundament der Zusammenarbeit für die neue Partnerschaft mit Berehowe, die im August 2024 unterzeichnet wurde. Es war die erste Kommunalpartnerschaft eines hessischen Landkreises mit einer Kommune in der Ukraine. Oliver Quilling sagte, dass nach weiteren Möglichkeiten gesucht werde, um die Menschen in Berehowe zu unterstützen.