Neue Impulse für Mobilität in Bildungseinrichtungen
Knapp 120 Teilnehmende aus Verwaltung, Politik, Schule und dem Verkehrs- und Mobilitätssektor waren am Donnerstagnachmittag beim 16. Mobilitätsforum im Kreishaus in Dietzenbach zu Gast. Im Mittelpunkt der Veranstaltung mit dem Titel „Mobilitätsstrategien in Bildungseinrichtungen“ standen die Herausforderungen, die die Verkehrswende mit sich bringt.
Gleich zu Beginn machte Landrat Oliver Quilling in seiner Begrüßung deutlich, dass das Problem der Elterntaxis vor Schulen durchaus nicht neu ist. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, erfordert die Situation von allen Beteiligten viel Geduld, Kooperation und gezielte Maßnahmen.
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt, der den Prozess des Leitbildes Mobilität von Anfang an begleitet, legte den Fokus auf die Gesundheitsvorsorge durch eine aktive Mobilität. Untersuchungen zeigen, dass fast ein Drittel der Jugendlichen sich weniger als eine halbe Stunde am Tag bewegen. Mit der sicheren Teilnahme am Straßenverkehr entwickeln die Kinder und Jugendlichen motorische und kognitive Fähigkeiten sowie mehr Eigenständigkeit. Ziel muss eine sichere Teilhabe am Straßenverkehr sein. Informationen über die Unterstützung im „Schulischen Mobilitätsmanagement“ hat Kathrin Krasniqi vom Referat ÖPNV, Personenbeförderungsrecht, Nahmobilität im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum mitgebracht.
Der Präsident der Landesverkehrswacht Hessen e.V., Gerhard Brink, machte deutlich, dass sichere Mobilität in jedem Lebensalter wichtig ist. Alle 18 Minuten verunglückt ein Kind im Straßenverkehr. Häufigste Ursache bei Unfällen mit Kindern ist, dass Kinder die Fahrbahn betreten, ohne auf den Verkehr zu achten. Sie sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Wahrnehmung und die Verarbeitung von Sinneseindrücken bilden sich erst im Laufe der Entwicklung aus. Nach der Radfahrprüfung in der Grundschule endet oft die Mobilitätsbildung. Dabei verunglücken zehn- bis 14-Jährige am häufigsten mit dem Rad. Deswegen sollte auch an weiterführenden Schulen die Verkehrserziehung anhand von Präventionstagen fortgesetzt werden.
„Mit Bus und Bahn zur Schule“ lautet der Titel der Präsentation von Marcell Biederbick von der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH. Der Schülerverkehr spielt im ÖPNV-Netz des Kreises eine zentrale Rolle. Über alle Schulformen hinweg nutzen Schülerinnen und Schüler täglich das ÖPNV-Angebot. Der Schülerverkehr erfolgt gleichermaßen über den Regelverkehr und zusätzlichen Verstärkerfahrten. Auch im künftigen Liniennetz wird er eine übergeordnete Rolle spielen. Zu den tragenden Herausforderungen zählen neben planerischen auch finanzielle Handlungsspielräume auszuloten.
In einer Talkrunde befragte Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, Polizei, Verkehrsgesellschaft und Verwaltung zu Mobilitätsstrategien in Bildungseinrichtungen. Dabei durften am Ende auch Wünsche geäußert werden wie die Vermeidung von Elterntaxis, eine Verkehrserziehung über die Grundschulen hinaus, eine Führerschein- und Helmpflicht für E-Scooter, attraktive Abstellmöglichkeiten für Rad und Co, ein gegenseitiges Verständnis aller Verkehrsteilnehmenden oder die Abschaffung des Gehwegparkens mindestens auf Schulwegen.
Neben viel Theorie gab es in der rund dreistündigen Veranstaltung auch etwas Praxis. So erwartete die Landesverkehrswacht Hessen e.V. vor dem Kreishaus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer „bewegten Pause“ mit einem E-Scooter-Testparcours.
Zum Abschluss der Veranstaltung blickte Kreisbeigeordneter Alexander Böhn zufrieden auf den Nachmittag zurück. Alle Teilnehmenden sind sich einig, dass das Ziel sein muss, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig in die Schule kommen. Dazu bedarf es nicht nur einer passenden Infrastruktur, sondern vor allem auch der Verkehrsbildung der Mädchen und Jungen.