Verdiente Menschen erhalten für soziales Engagement den Landesehrenbrief
Eine starke Demokratie lebt von aktiven Menschen, die im Sinne des Gemeinwohls mitgestalten. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Stärkung der Werte ist das ehrenamtliche Engagement vieler Personen von großer Bedeutung. Das haben Christel Wenzel-Saggel, Anthony Giordano, Milan Podnar und Bernhard Rudolph aus Obertshausen über viele Jahrzehnte hinweg bewiesen. Sie erhielten für ihre Verdienste am Mittwoch von Kreisbeigeordnetem Alexander Böhn im Winterrefektorium des RegioMuseums Seligenstadt den Ehrenbrief des Landes Hessen.
„Der Staat ist für wichtige Dinge verantwortlich, doch er kann nicht alles organisieren. Viele Aufgaben werden besser, schneller, menschlicher und manchmal auch ideenreicher, wenn freiwillige Kräfte die Aufgaben übernehmen. Das Ehrenamt schafft Vertrauen und stiftet Sinn, es ist das tragende Fundament unserer demokratischen Kultur“, sagte der Kreisbeigeordnete bei der Ehrung. Gesetze und Regeln seien nicht alles, was eine Gemeinschaft ausmache. Sie lebe vom sozialen Miteinander, von Menschen, die – nicht aus Zwang, sondern aus freiem Willen – füreinander einstünden, betonte Böhn. Für ihn ist das Ehrenamt die stärkste Form dieser Haltung und zugleich gelebte Verantwortung.
Christel Wenzel-Saggel
Die Freude an der Begegnung und den Gesprächen mit Menschen sorgt bei Christel Wenzel-Saggel immer wieder für Motivation. Sie bekommt dadurch wichtige Impulse und viel Kraft für ihre Arbeit auf kommunalpolitischer Ebene. Seitdem Sie vor knapp 50 Jahren aus dem Westerwald in den Kreis Offenbach gekommen ist und Obertshausen zu ihrer neuen Heimat wurde, hat sie ein Ziel vor Augen, das bis heute als Leitmotiv über ihrer ehrenamtlichen Arbeit steht. Sie versucht, „für alle etwas Gutes zu bewegen“, wie sie es einmal formulierte.
„Etwas Gutes für alle zu schaffen, das ist Ihnen im Laufe der Jahre bei Ihrem sozialen gesellschaftlichen Engagement gelungen. Sie sind seit 2006 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und haben in der Zeit von 2007 bis 2011 im Vorstand des Stadtverbandes Obertshausen mitgewirkt. Ihre Arbeit wird anerkannt, und Sie sind bekannt, das zeigte sich 2011, als Sie bei Ihrer ersten Kandidatur gleich ein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung erhielten“, so Kreisbeigeordneter Alexander Böhn in seiner Lobesrede.
Ihren Posten im Parteivorstand, wo Christel Wenzel-Saggel für die Mitgliederbetreuung zuständig war, gab sie auf und widmete sich verstärkt der Kommunalpolitik. Von 2011 an brachte sie zehn Jahre lang ihre Expertise im Umwelt-, Verkehr- und Bauausschuss ein. Bei der Wahl 2016 erreichte sie den ersten Listenplatz und wurde zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt.
Vor vier Jahren wechselte sie dann das Gremium und beschäftigt sich bis heute im Magistrat als ehrenamtliche Stadträtin mit wichtigen Themen, die die Menschen meist direkt betreffen. Besonders am Herzen liegen ihr bei diesem kommunalpolitischen Ehrenamt der Umwelt- und Naturschutz. Die Aufgaben auf diesem Gebiet werden nicht weniger, vor allem mit Blick auf das Ziel, die Schadstoffemissionen zu reduzieren, müssen neue Projekte initiiert werden. Die Kommunen übernehmen dabei eine große Verantwortung, denn der Klimaschutz beginnt auf lokaler Ebene, was sich insbesondere bei dem Konzept zur kommunalen Wärmeplanung zeigt. „Die Aufgabe, Energie einzusparen und die Erneuerbaren zu nutzen, ist eine große Herausforderung, die wir gemeinsam meistern müssen, denn am Ende profitieren alle davon“, so Alexander Böhn.
Christel Wenzel-Saggel gilt als Vorbild. Sie geht in Obertshausen oft zu Fuß oder nutzt das Fahrrad. Sie setzt sich konsequent für eine Verbesserung einer sicheren Rad-Infrastruktur ein und macht sich dafür stark, dass Bus und Bahn besser getaktet sind. Ein weiteres Feld ihres Engagements ist der Erhalt des Landschaftsschutzgebietes Kreuzloch. Dafür kämpft sie mit viel Leidenschaft. „Wenn die Debatten einmal zu hitzig werden, schaffen Sie es immer wieder, durch Ihre freundliche und zuvorkommende Art, Ruhe zu bewahren und die Diskussion zu versachlichen. Mit Ihrem jahrelangen Engagement haben Sie dazu beigetragen, Obertshausen ein Stück lebens- und liebenswerter zu machen“, lobte der Kreisbeigeordneten die Arbeit von Christel Wenzel-Saggel.
Anthony Giordano
Er ist im Kreis Offenbach und da vor allem in seiner Heimaststadt Obertshausen bestens vernetzt. Kaum jemand kennt Land und Leute und vor allem die Strukturen so gut wie der 45-Jährige. Im Laufe seiner jahrzehntelangen ehrenamtlichen Tätigkeit hat er sich auf ganz unterschiedlichen Feldern zum Wohle der Gemeinschaft engagiert. Der Blick in seine Biografie mit all den sozialen Aufgaben, die sie selbst bestimmt hat, zeigt wie vielseitig und lebendig das Ehrenamt sein kann.
„Das Engagement von Anthony Giordano in Organisationen, Institutionen und Vereinen ist beeindruckend. Egal, wo er etwas organisiert oder etwas anpackt, es ist immer eine punktuelle Hilfe, doch dank des breiten Spektrums und der guten Vernetzung hat seine Arbeit einen Multiplikator-Effekt. Der sorgt systematisch dafür, dass viele Menschen von seinem Einsatz profitieren“, sagte Kreisbeigeordneter Alexander Böhn in seiner Laudatio.
Stets am Gemeinwohl orientiert, kennen viele Menschen Anthony Giordano, da er kulturell als Gestalter und Motor neue Initiative schafft, politisch als Moderator und Entscheider aktiv ist, kirchlich als Mentor, Organisator und Netzwerker die Fäden zusammenhält und wirtschaftlich-administrativ die Strukturen in dem von ihm mitgegründeten Verein Stadtmarketing Obertshausen sichert. Er hat über 20 Jahre lang in verschiedenen Ehrenämtern vielen Menschen mehr Lebensqualität geschenkt. Sein Einsatz in den Vereinen ist geprägt von einem tiefen Verständnis für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Durch seine kommunikative Art bringt er Menschen zusammen, kann motivieren und nachhaltige Strukturen schaffen.
Das ist ihm unter anderem in der Katholischen Gemeinde Sankt Josef Hausen als Pfarrjugendleiter gelungen. Er engagiert sich als Kassenwart im Vorstand des Fördervereins Sankt Josef – Sankt Pius, als Organisator und Leiter des „Vater-Kind-Zeltlagers“ sowie als Gründungsmitglied und Beisitzer des Fördervereins der Katholischen Jugend „KJH 4 ever“. Darüber hinaus gehört er seit 16 Jahren dem Obertshäuser Tanzsport- und Karnevalverein „Die Elf Babscher“ an, arbeitet im Vorstand mit und bleibt im Verein als Kommandant der von ihm geleiteten Fahnenschwingerabteilung bei der Stange. Zum Karneval gehört auch die Förderung des Nachwuchses. Seit vergangenem Jahr betreut er das Kinderprinzenpaar.
Mit besonders vielen Themen, die die Menschen interessieren, beschäftigt sich Anthony Giordano bei seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Kommunalpolitik, wo er ebenfalls Verantwortung übernommen hat. „Ihre außergewöhnliche Leistung ist ein Paradebeispiel für bürgerschaftliches Engagement“, so Kreisbeigeordneter Alexander Böhn.
Milan Podnar
Mit dem Ehrenamt verhält es sich manchmal wie mit einem Bumerang. Wenn man ihn losgelassen hat, kommt er zurück. Milan Podnar hatte sich von 1997 an im Vorstand des Vereins FC Croatia Obertshausen e.V. 1973, mit dem er eine Brücke zu seiner früheren Heimat baute, engagiert und gab 2007 die Verantwortung an der Spitze als Vorsitzender ab. Doch die Arbeit in der zweiten Reihe dauert nur zwei Jahre, da riefen die Vereinsmitglieder wieder nach ihm und wählten ihn erneut zum Vorsitzenden. In dieser Führungsposition managt er seit 15 Jahren erfolgreich den Fußballclub.
In seinen weiteren Ehrenämtern im Vereinsring Obertshausen, im Ausländerbeirat sowie in der Stadtverordnetenversammlung hat der 59-Jährige sich ein breites Spektrum an gesellschaftlich relevanten Themen ausgesucht. Dazu gehörte auch sein Einsatz für die Oase, der Lebensmittelausgabe im Pfarrsaal Herz Jesu, bei der er von der Gründung 2007 bis zur Schließung vor drei Jahren mit seinem eigenen Fahrzeug Lebensmittel in Supermärkten abholte und diese zum Schwesternhaus brachte.
„Sie gelten als hilfsbereit und empathisch, scheuen die Arbeit nicht und gehen mit Tatendrang und Leidenschaft ans Werk. Durch Ihr Engagement auf den verschiedenen Gebieten haben Sie viele Menschen im Kreis Offenbach kennengelernt, so manche Probleme gelöst, Hindernisse beseitigt und den Menschen damit mehr Lebensqualität geschenkt“, sagte Kreisbeigeordneter Alexander Böhn. „Vereine brauchen Unterstützer wie Milan Podnar, der sich nie zu schade ist, bei Festen zu später Stunde Gläser zu spülen und den Saal aufzuräumen.“
Vor allem auf dem Weg der Integration hat er Großes geleistet und dafür gesorgt, dass der FC Croatia bei den Festen in der Stadt dabei ist und sich am Weihnachtsmarkt sowie der Kerb beteiligt. So stand der Fußballclub nie im Abseits. Ein Beispiel seiner uneigennützigen Bereitschaft, Menschen zu unterstützen, zeigte sich bei einer von ihm initiierten Hilfsaktion mit Transporten und Sammlungen für seine Landsleute, deren Häuser in der Heimat vom Hochwasser zerstört wurden.
Im Vereinsring Obertshausen, dem er seit zehn Jahren angehört und in dem er seit 2024 als stellvertretender Vorsitzender aktiv ist, hat er über viele Jahre hinweg Brücken gebaut und die Verbindung zu den Sportvereinen gestärkt. „Ihr herausragender Einsatz zum Wohle der Gemeinschaft über so viele Jahre verdient Respekt und Anerkennung. Durch Ihr Engagement in verschiedenen Gruppen haben Sie die Identität der Menschen mit Obertshausen und dem Kreis Offenbach gestärkt. All das fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und gibt vielen Menschen ein Heimatgefühl“, betonte der Kreisbeigeordnete in seiner Laudatio.
Bernhard Rudolph
Die Liebe zu Tieren wurde ihm schon in die Wiege gelegt. Sie ist seit mehr als 40 Jahren der Impuls für seine ehrenamtliche Arbeit im Rassegeflügelzuchtverein 1937 e.V. Hausen sowie im Reit- und Fahrverein Wiesenhof Obertshausen e.V. Geprägt durch die Familie und insbesondere den Vater, der als Bauer Schweine züchtete und Hausmacher Wurst verkaufte, gehören der Umgang und die Pflege der Tiere sozusagen zu seiner DNA. Bernhard Rudolph hat schon als Kind ein Schaf gehütet.
Mit 31 Jahren ist er in den Rassegeflügelzuchtverein eingetreten. Acht Jahre später wurde er auch Mitglied im Sonderverein der Saidenhühner Deutschlands. „Sie waren erst ein paar Jahre dabei, da übernahmen Sie im Rassegeflügelzuchtverein als Jugendobmann bereits Verantwortung und haben sich dann später auch als stellvertretender Vorsitzender, als Zuchtwart und bis heute als 2. Kassenwart um die Belange des Traditionsvereins gekümmert“, so die anerkennenden Worte des Kreisbeigeordneten Alexander Böhn.
Zusammen mit anderen Mitgliedern hat er vor knapp 40 Jahren die Ausstellungshalle auf dem Vereinsgelände in der Schwarzbachstraße gebaut und bis heute immer bei Erneuerungsarbeiten mitgeholfen. Dank der Initiative von Bernhard Rudolph hat der Verein heute ein Mitgliederleistungsverzeichnis, das für die nachfolgenden Generationen wichtig ist. Wenn es um den Rassegeflügelzuchtverein geht, ist er stets einsatzbereit und hoch motiviert. Sein Spruch „Auf geht´s, wir machen das“ zeugt von einem scheinbar grenzenlosen Tatendrang und sorgt für eine erfolgreiche Entwicklung des Vereins.
Sowohl bei der Rassegeflügelzucht als auch im Reit- und Fahrverein gilt Bernhard Rudolph als großer Förderer des Nachwuchses. Er hat in seinen Ehrenämtern in den Vereinen immer Wert auf daraufgelegt, dass er und andere „alte Hasen“ ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben. Keine Frage, dass er aufgrund seiner hohen Kompetenz in der Zucht und als Träger der Bundesnadel in Silber und Gold vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V. hoch angesehen ist.
Die Zucht ist eine zeitaufwändige Freizeitbeschäftigung, die dem Schutz der Tiere dient, denn durch die besondere Pflege werden Geflügelkrankheiten und Tierseuchen bekämpft und vermieden. „Ihnen Herr Rudolph ist es zu verdanken, dass sich der Verein als Gemeinschaft öffnet und verstärkt mehr Kinder und Jugendliche für dieses Hobby begeistern kann“, betonte Alexander Böhn.
Mit seiner Entscheidung vor 28 Jahren, die Gründung des Reit- und Fahrvereins Wiesenhof Obertshausen e.V. zu unterstützen, hat er im Ehrenamt nicht umgesattelt, sondern den Umgang und die Pflege von Tieren erweitert. Gemäß dem Motto, wenn schon, dann richtig, war er 22 Jahre lang zweiter Vorsitzender und hat seit sechs Jahren an der Spitze des Reit- und Fahrvereins als Vorsitzender die Zügel in der Hand.
Seit vielen Jahren organisiert er auch die Schleppjagd „Rund um den Wiesenhof“, die bei Jung und Alt beliebt ist. Außerdem ist seine große Leidenschaft ein Zweispänner, mit dem er bereits zweimal die Hessenmeisterschaft gewonnen hat. Immer präsent und hilfsbereit geht Bernhard Rudolph in den beiden Vereinen mit gutem Beispiel voran und ist ein Vorbild für andere.