Standort Plus fasst KI-Strategie ins Auge
Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Standorte sichtbar werden und wie Unternehmen erreicht werden können. Gleichzeitig wandelt sich aber auch die Vorgehensweise, mit der kommunale Verwaltungen Wissen nutzbar machen. Der Kreis Offenbach hat diese Entwicklung Anfang der Woche im Workshop „Standort Plus – Die digitale Zukunft“ aufgegriffen und gemeinsam mit den Partnern der regionalen Wirtschaftsförderung nächste Schritte für eine abgestimmte Roadmap in Sachen KI vorbereitet.
An dem Workshop nahmen Vertreterinnen und Vertreter des Kreises Offenbach, der Industrie- und Handelskammer Offenbach am Main, der Kreishandwerkerschaft Stadt und Kreis Offenbach sowie der 13 kreisangehörigen Städte und Gemeinden teil. Eingebunden waren der Landrat, Bürgermeister, Wirtschaftsförderer sowie Verantwortliche aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ziel ist, die digitale Zukunft des gemeinsamen Wirtschaftsförderkonzepts „Standort Plus“ nicht nur technisch zu betrachten, sondern als strategische Aufgabe für Kreis, Kommunen und Wirtschaftspartner zu entwickeln. „Die digitale Zukunft des Wirtschaftsstandorts entscheidet sich nicht an einzelnen Programmen, sondern an der Frage, wie gut wir Wissen teilen, Prozesse abstimmen und unsere Kräfte bündeln“, sagte Landrat Oliver Quilling. „Künstliche Intelligenz kann Wirtschaftsförderung effektiver und präziser machen. Entscheidend bleibt aber, dass sie verantwortungsvoll eingeführt wird und die Erfahrung der Menschen vor Ort ergänzt.“ Standort Plus bündelt die wichtigsten Akteure der Wirtschaftsförderung unter einem Label, um den Standort in der Metropolregion FrankfurtRheinMain stärker zu profilieren.
Markus Wessel von ExperConsult eröffnete den Tag mit der Keynote „Professionelle Wirtschaftsförderung und Kommunikation JETZT: Wie Kreis und Kommunen im KI-Zeitalter digital und strategisch zusammenarbeiten“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie generative KI die Arbeit in der Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit verändern kann. Dabei ging es nicht um ein zusätzliches Werkzeug für einzelne Aufgaben, sondern um ein neues Kooperationsmodell. Der Nutzen entsteht vor allem dann, wenn Daten, Standards, Kommunikationslinien und Prozesse gemeinsam entwickelt werden.
Studien zur Einführung generativer KI zeigen, dass gut eingesetzte Assistenzsysteme die Bearbeitung von Aufgaben beschleunigen können. Eine Untersuchung des National Bureau of Economic Research stellte in einem Kundendienstumfeld durchschnittliche Produktivitätsgewinne von rund 14 bis 15 Prozent fest. Besonders stark profitierten weniger erfahrene Beschäftigte. Zugleich weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass solche Effekte von guter Schulung, klaren Arbeitsabläufen und verantwortlicher Nutzung abhängen. Genau daran knüpfte der Workshop an. In drei Arbeitsgruppen befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Zukunftsthesen, möglichen Einsatzfeldern und den Voraussetzungen für eine gemeinsame Umsetzung. Deutlich wurde, dass generative KI in der Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit nicht als Ersatz persönlicher Kontakte verstanden wird. Sie soll vielmehr Zeit für eine bessere Beratung und fundiertere Recherche schaffen.
Die Ergebnisse des Tages wurden am Nachmittag zusammengeführt. Alle Partner von Standort Plus wollen eine KI-Strategie angehen. Darüber hinaus wird der Aufbau von KI-Angeboten für das Standortmarketing und die Kommunikation auf der Homepage unter www.standortplus.de vorbereitet. Eine zentrale Entscheidung betrifft den Zugang zu KI-Werkzeugen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verwaltungen und Kammern sollen künftig schrittweise die Möglichkeit erhalten, mit KI-Tools und KI-Agenten zu arbeiten. Damit verbindet der Workshop den technologischen Anspruch mit einer klaren praktischen Konsequenz. „Keine Angst vor KI. Wissensarbeit wird sich verändern. Der Kreis Offenbach will diesen Wandel nicht abwarten, sondern aktiv gestalten“, machte Landrat Oliver Quilling zum Abschluss deutlich. „Wir haben in den 13 Städten und Gemeinden sowie auf Kreisebene bereits hohe Kompetenz im Umgang mit diesem Thema. Es wird die Welt ohne KI nicht mehr geben. KI wird ein Selbstläufer werden, ähnlich wie das Internet vor 30 Jahren. Damals konnte sich kaum jemand vorstellen, welche Bedeutung daraus entstehen würde. Eine Welt ohne Internet ist inzwischen nicht mehr denkbar. Mit KI wird es genauso sein.“