Seine freiwillige Arbeit stärkt den Zusammenhalt

Landrat Oliver Quilling überreicht Heinrich Wenzel den Landesehrenbrief

Mit der Verleihung des Landesehrenbriefes an engagierte Menschen macht der Kreis Offenbach sichtbar, was meist im Stillen geschieht. In den Mittelpunkt rückt das freiwillige Engagement von Menschen, die viel für das Gemeinwohl leisten, die zuverlässig das halten, was viele als selbstverständlich nehmen. Heinrich Wenzel aus Seligenstadt übernimmt seit Jahrzehnten in Vereinen Verantwortung. Für seine Verdienste wurde der 74-Jährige am Sonntag bei der Feier „75 Jahre Kolpingfamilie Seligenstadt“ mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

„Soziales Engagement ist eine strukturelle Realität, die das Ehrenamt in unserer Gesellschaft systemrelevant macht. Im Kreis Offenbach lebt dieses Prinzip. Ehrenamtliche füllen keine Lücken. Sie sichern Freiräume – Freiräume, die ohne kontinuierliches Engagement schlicht verschwänden. Die ehrenamtliche Arbeit stärkt demokratische Strukturen und schafft Vertrauen – gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Veränderungen viele Menschen verunsichern“, sagte Landrat Oliver Quilling bei der Überreichung des Landesehrenbriefes.

Heinrich Wenzel gehört zu der Gruppe von Ehrenamtlichen, die ihre Heimat nicht durch große Worte, sondern durch jahrzehntelanges verlässliches Handeln prägen. Seine freiwillige Arbeit steht für eine Form des Ehrenamtes, die die Gesellschaft trägt: beständig, verantwortungsvoll und ohne jede Suche nach persönlicher Aufmerksamkeit. Über viele Jahre hinweg hat Heinrich Wenzel Verantwortung übernommen, Projekte vorangebracht, Menschen zusammenführt und damit einen unschätzbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt geleistet.

Seit dem Jahr 2002 gestaltet der Seligenstädter das Vereinsleben der Kolpingsfamilie Seligenstadt aktiv mit. Als Schriftführer, Mitglied des Hausteams, später als 1. Kassierer und Mitglied des Leitungsteams übernahm er über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg Verantwortung. Dabei beschränkte sich sein Engagement nie auf organisatorische Aufgaben. Er unterstützt den laufenden Betrieb des Vereins, kümmert sich um die Betreuung von Gästen, organisiert Vermietungen, hilft bei der Pflege von Gebäuden sowie Außenanlagen und bringt sich immer wieder mit großem Einsatz bei verschiedenen Projekten ein.

Besonders engagiert war er unter anderem beim Umbau des ehemaligen Trafohäuschens zur heutigen Kolpingkapelle. Auch die Organisation von Kolpingstammtischen sowie die Mitbegründung der „Glockenfreunde“ geht auf die Initiative und den Einsatz von Heinrich Wenzel zurück. Darüber hinaus engagiert er sich in leitender Funktion für die „Bunte Kiste“, das Sozialkaufhaus des Arbeitskreises „Willkommen in Seligenstadt“ und der Kolpingsfamilie. „Sie verkörpern das christliche Prinzip der Nächstenliebe auf vorbildliche Weise, denn Sie sind immer nah an den Menschen und helfen, wo so die Not groß ist“, sagte der Landrat in seiner Laudatio. Das zeigt sich bei Heinrich Wenzel auch seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine. Gemeinsam mit anderen organisierte er den Transport dringend benötigter Hilfsgüter und begleitete ihn auch persönlich.

Als Sänger des Chores an der Basilika bringt er sich seit 1996 musikalisch ein. Außerdem verantwortet er seit sechs Jahren als Rechner und Kassenwart mit großem Pflichtbewusstsein die finanziellen Angelegenheiten des Chores. Darüber hinaus engagiert er sich als Fahnenträger bei den Prozessionen der Pfarrei Sankt Marcellinus und Petrus und unterstützt den Chor weit über seine offiziellen Aufgaben hinaus. Auch im Sängerchor der Turngemeinde 1848 Seligenstadt wirkt er musikalisch sowie ganz praktisch bei Veranstaltungen im Vereinsalltag mit und stärkt eine kulturelle Tradition, die Menschen generationenübergreifend verbindet.

Nach Ansicht von Landrat Oliver Quilling beginnt das ehrenamtliche Engagement nicht erst, wenn jemand in einem Verein einen Vorstandsposten übernimmt. „Es startet, wenn jemand entscheidet, Zeit und Energie zu investieren. Diese Entscheidung, sich zu engagieren, treffen im Kreis Offenbach täglich Tausende. Das Ehrenamt braucht keine Heldennarrative. Es braucht Anerkennung, Strukturen und Nachfolge. Wer überlegt, sich zu engagieren, dem kann ich nur sagen: Der richtige Moment ist genau jetzt“, so Oliver Quilling.