„Hebamme vor Ort“ hilft bei ungeplanten Geburten

Quelle: Mit Unterstützung von KI erstellt

Eine Geburt lässt sich vorbereiten. Ihr Verlauf hält sich nicht immer an den Plan. Wenn die Wehen unerwartet schnell einsetzen und die Klinik nicht mehr rechtzeitig erreichbar ist, steht der Rettungsdienst vor einer seltenen Einsatzlage. Für genau diese Fälle startete der Kreis Offenbach am Dienstag das Projekt „Hebamme vor Ort“. Der Eigenbetrieb Rettungsdienst setzt das Konzept ab sofort in Zusammenarbeit mit dem Hebammenverband Hessen um. Registrierte Hebammen können künftig bei einer unvorhergesehenen außerklinischen Geburt zusätzlich alarmiert werden.

Die Alarmierung läuft über die App DE-Alarm. Sie erreicht die für das Angebot registrierten Hebammen im Kreisgebiet. Wer sich in der Nähe befindet und übernehmen kann, meldet sich bei der Zentralen Leitstelle in Dietzenbach und erhält von dort die Einsatzbestätigung. Die Annahme bleibt freiwillig.

„Wenn ein Kind so rasch kommt, dass die Klinik nicht mehr rechtzeitig erreichbar ist, braucht es neben der Notfallmedizin geburtshilfliche Erfahrung. Unser Rettungsdienst ist generell auch für solche Lagen da. Mit ‚Hebamme vor Ort‘ holen wir aber zusätzliche Kompetenz an die Einsatzstelle, deren Alltag die Geburtshilfe ist“, erklärt Landrat und Schirmherr Oliver Quilling. „Das stärkt die Versorgung in einem Moment, in dem wenig Zeit für Entscheidungen bleibt.“

Bei einem Notruf wegen einer einsetzenden Geburt alarmiert die Leitstelle regulär den Rettungsdienst. Dessen Einsatzkräfte sind für medizinische Notfälle ausgebildet, haben mit Geburten im Alltag aber nur selten zu tun. Künftig kann bei festgelegten Kriterien zusätzlich eine Hebamme angefragt werden.

In der Regel fährt die Hebamme mit dem eigenen Auto zur Einsatzstelle. Bei erhöhter Dringlichkeit oder wenn kein Fahrzeug zur Verfügung steht, kann die Leitstelle einen Transport organisieren. Vor Ort arbeiten Hebamme und Rettungsdienst gemeinsam. Bei einer regulär verlaufenden Geburt liegt die geburtshilfliche Verantwortung bei der Hebamme. Treten medizinische Komplikationen bei Mutter oder Kind auf, übernimmt der anwesende Notarzt die entsprechende Verantwortung.

„Wir schaffen mit ‚Hebamme vor Ort‘ keine Parallelstruktur, sondern bringen zwei Fachgebiete für einen klar umrissenen Ausnahmefall zusammen“, sagt Oliver Quilling. „Die Hebamme arbeitet auf Augenhöhe mit dem Rettungsdienstteam und übernimmt ihren fachlichen Bereich. So ist bereits vor dem Einsatz geklärt, wer welche Verantwortung trägt.“

Mitmachen können Hebammen aus dem Kreis Offenbach, die sich für das Projekt registrieren. Während des Einsatzes besteht Haftpflichtschutz über den Träger des Rettungsdienstes im Rahmen der Amtshaftung. Medizinisches Material stellt der Regelrettungsdienst zur Verfügung. Erbrachte Hebammenleistungen können wie gewohnt mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Weitere Informationen zum Projekt und zur Teilnahme gibt es unter www.erd-kreis-of.de/hebammevorort.