Herausragende ehrenamtliche Arbeit mit Ehrenbrief des Landes Hessen gewürdigt

Freiwillige Arbeit geschieht meist ohne großes Aufheben. Am Donnerstag jedoch standen im Winterrefektorium des RegioMuseums in Seligenstadt vier Persönlichkeiten im Mittelpunkt, die sich seit vielen Jahren für andere einsetzen. Elke Mattil, Charlotte Rothman, Matthias Belz und Bernd Fenchel erhielten den Ehrenbrief des Landes Hessen. Erster Kreisbeigeordneter Carsten Müller überreichte die Auszeichnungen und würdigte damit jahrzehntelangen, unentgeltlichen Einsatz für andere.

„Ein Ehrenbrief ist schnell überreicht. Verdient wird er hingegen über viele Jahrzehnte“, sagte Carsten Müller. Hinter der Ehrung stehe Arbeit, die im Alltag häufig wenig sichtbar sei. Gerade deshalb richte der Ehrenbrief den Blick auf Menschen, die eine Aufgabe dauerhaft übernehmen und für andere verlässlich da sind.

Elke Mattil aus Dietzenbach

Elke Mattil etwa engagiert sich seit 1982 im Sport-Club Steinberg. Rund vier Jahre nach ihrem Eintritt begann sie als Übungsleiterin. Später war sie 24 Jahre Turnwartin und etwa 25 Jahre als Kampfrichterin aktiv. Ein besonderer Schwerpunkt galt dem Nachwuchs. Die Dietzenbacherin gab ihr Wissen weiter und motivierte junge Menschen, selbst eine Übungsleiterausbildung zu beginnen.

2015 kam ein ganz anderes Tätigkeitsfeld hinzu. Zunächst half sie in einer Bürgerinitiative, später in der Flüchtlingshilfe Dietzenbach. Besonders eng ist ihre Verbindung zu einer eritreischen Familie. Mattil begleitete sie zu Behördengängen und unterstützte sie beim Schriftverkehr. Später half sie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Bis heute gibt sie zweimal pro Woche Deutschunterricht in der Gemeinschaftsunterkunft in der Lise-Meitner-Straße, wo sie mit Geflüchteten auf den Sprachniveaus A0 und A1 arbeitet.

Charlotte Rothman aus Dietzenbach

Bei Charlotte Rothman bildet die Musik seit Jahrzehnten den roten Faden. Als 18-Jährige gründete sie einen Gitarrenkreis. Seit 1983 leitet sie das Ensemble, das heute den Namen „Saitensprung“ trägt. Rund 20 bis 30 Auftritte im Jahr führen die Gruppe nach Dietzenbach und in das Rhein-Main-Gebiet. Seit 1993 gehört ein multikulturelles Repertoire zur musikalischen Arbeit. Diesen Ansatz bringt die Dietzenbacherin seit 2008 auch in den Interkulturellen Salon der Stadtbibliothek ein.

Unter ihrer Leitung entstanden neun Audio-CDs. Im Mai 2022 wurde das von ihr geschriebene Musical „Ich bin das kleine Herz“ uraufgeführt. Viele Jahre wirkte Rothman außerdem im Kirchenvorstand der Evangelischen Martin-Luther-Gemeinde mit. Seit 1990 gehört sie zur Redaktion des Gemeindebriefs „Hallo Nachbar“. Im Jahr 2008 war sie an der Gründung der Gerhard-Krieger-Stiftung beteiligt, deren Vorsitz sie bis heute innehat. Die Stiftung unterstützt Dietzenbacher mit Migrationshintergrund beim Erwerb des Führerscheins. Auch ältere Wiedereinsteiger können Hilfe erhalten.

Matthias Belz aus Rodgau

Matthias Belz wiederum bringt sich seit Jahrzehnten in das gesellschaftliche Leben Mühlheims ein. Seine Wurzeln liegen in der katholischen Kirchengemeinde. Später prägte er über rund 20 Jahre die katholischen Karnevalisten Mühlheim als Vorsitzender. In dieser Zeit wurde aus der bisherigen Struktur ein eingetragener Verein. Zugleich sorgte Belz dafür, dass jüngere Mitglieder früh eigene Aufgaben übernehmen konnten.

1998 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Lions Clubs Mühlheim und übernahm die Verantwortung für die Finanzen. Nach den vorliegenden Unterlagen verwaltete er als Schatzmeister rund 250.000 Euro an Spenden. Seit 2021 ist Belz zudem Zweiter Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Mühlheim. Bereits 1996 hatte er den Verein „Rettet Kinder – Rettet Leben“ mitgegründet. Beim Lebensladen hilft er seit 2015 regelmäßig bei der Lebensmittelausgabe.

Bernd Fenchel aus Dietzenbach

Bernd Fenchel dagegen steht seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze des Sport-Clubs Steinberg. Sein Weg begann im Jahr 1994 in der Tennisabteilung. Seit 2003 führt er den Gesamtverein als erster Vorsitzender. Der SC Steinberg zählt rund 1.500 Mitglieder in zwölf Abteilungen. Während seiner Amtszeit hat sich auch die Infrastruktur weiterentwickelt. Eine neue Geschäftsstelle entstand. Die Vereinsgaststätte wurde umgebaut. Fenchel begleitet solche Vorhaben von den Verhandlungen bis zur Umsetzung. Der Antrag beschreibt ihn zugleich als Vorsitzenden, der bei praktischen Arbeiten selbst mit anpackt.

Seit 2025 bringt Fenchel seine Erfahrung auch in den Vorstand der IG Sport Dietzenbach ein. Seine verbindende Rolle zeigte sich besonders bei dem Versuch, mehrere Dietzenbacher Sportvereine zu einem Großverein zusammenzuführen. Die Fusion kam zwar nicht zustande. Die Gespräche brachten die beteiligten Clubs jedoch enger zusammen und schufen eine neue Grundlage für den Austausch.

Müller: „Die vier Biografien zeigen, wie unterschiedlich freiwilliger Einsatz aussehen kann. Gemeinsam ist ihnen die Beständigkeit. Aus einzelnen Aufgaben ist über Jahrzehnte verlässliche Arbeit für andere geworden.“

Im Kreis Offenbach nimmt der freiwillige Einsatz für eine Sache oder für andere übrigens einen besonderen Stellenwert ein. Rund 208.000 Menschen, also rund 60 Prozent unserer Bevölkerung, engagieren sich auf die eine oder andere Art und Weise. Fast ein Drittel aller, die im Kreis Offenbach leben, engagiert sich ehrenamtlich in über 1.500 Vereinen und Organisationen, die sich über alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erstrecken. „Dieses Engagement ist das Fundament unserer lebendigen und zukunftsfähigen Gemeinschaft. Ohne diese stillen Heldinnen und Helden des Alltags, die mit Herzblut und Hingabe handeln, wäre das Zusammenleben in der Region um ein Vielfaches ärmer“, betonte Müller.

„Mit der Kampagne ‚Ehrenamt: Ein Glücksfall für den Kreis Offenbach‘ setzt der Kreis Offenbach deshalb seit 2024 ein starkes Zeichen. Die Initiative würdigt nicht nur die Leistungen unserer Ehrenamtlichen, sondern zeigt auch, wie bereichernd freiwilliges Engagement sein kann“, machte Müller deutlich. In einem Magazin und in Videos erzählen die Mitwirkenden ihre Geschichten. Ihre Begeisterung ist ansteckend, ihre Botschaft klar: Ehrenamt ist ein Gewinn für alle. Die Ergebnisse der Kampagne zeigen sich mittlerweile. „Mit insgesamt 96.822 Mitgliedern hat die Zahl derer, die im Kreis Offenbach einem Sportverein angehören, einen neuen Höchststand erreicht. Noch nie hatten die 269 Sportvereine zwischen Neu-Isenburg und Seligenstadt so viele Mitglieder“, machte Müller vor Ort deutlich.

Mit diesen Zahlen schlug der Erste Kreisbeigeordnete den Bogen zurück zu den vier Geehrten. Ihr jahrzehntelanger Einsatz zeige, was hinter solchen Größenordnungen stehe. „Sie haben nicht darauf gewartet, dass andere die Verantwortung übernehmen. Sie haben selbst gehandelt und sind der Aufgabe über viele Jahre treu geblieben. Dafür danke ich Ihnen im Namen des Kreises Offenbach und auch persönlich. Jeder von Ihnen hat diese Auszeichnung verdient“, so Carsten Müller abschließend.